Kleinmühlingen l „Und dann kam der für den Orgelbauer erlösende Satz: ,Ich empfehle dem Gemeindekirchenrat die Abnahme‘.“ Dieser wird wohl auch Helga Sebon, Vorsitzende des Kleinmühlinger Kirchbauvereins, immer in Erinnerung bleiben. Gesagt hat ihn der Orgelsachverständige des Kirchenkreises, Werner Jankowski, als er vor kurzem die runderneuerte Orgel in St. Salvator einer kritischen Inspektion unterzogen hat.

„Er kontrollierte den neu belederten Balg im Turm, sah sich in der Orgel die sanierten beziehungsweise neuen Pfeifen an und nahm auch das Äußere der Orgel mit dem bearbeiteten Spieltisch in Augenschein. Nach mehreren Nachfragen an den Orgelbauer kontrollierte er den Klang der Pfeifen, zog im wahrsten Sinne alle Register und führte den anwesenden Mitgliedern des Gemeindekirchenrates, Anke Sperl und Ulrich Conert, die nun wieder vollständigen Orgelpfeifen vor. Von der äußerst leisen Aeoline bis zum vollen Werk nahm er Klangproben vor“, erzählt Helga Sebon.

Spielbares Schmuckstück

Nicht nur Orgelbauer Martin Lodahl und sein Mitarbeiter Thomas Filter sind glücklich, die Orgel zur Zufriedenheit aller wieder in Schuss gebracht zu haben. Sondern vornan ist die Freude über das nun wieder spielbare Schmuckstück bei den Mitgliedern von Kirchbauverein und Gemeindekirchenrat sowie allen, die sich dem Gotteshaus St. Salvator und dem Ort Kleinmühlingen verbunden fühlen. Deshalb soll die Wiedereinweihung der Rühlmann-Orgel auch festlich begangen werden. Mit einem Festgottesdienst am 13. August ab 14 Uhr. Selbstredend wird die Orgel – nun wieder in ihrer vollen Klangkraft – erklingen. Jeder, der das nicht verpassen möchte, ist herzlich willkommen.

Die Generalinstandsetzung lief seit November 2016 – mit Unterbrechung – und in zwei Etappen. Zuerst ging es um die farbliche Aufarbeitung und Grundreinigung. Jetzt widmeten sich die Orgelexperten dem technischen und klanglichen Bereich (Windversorgung, Balg- und Motoranschluss). „Wir sind nun rum“, kann Martin Lodahl verkünden. Alle Bereiche seien angeguckt und gewartet. „Nun steht hier eine jungfräuliche Orgel vor uns“, meint er augenzwinkernd.

Probleme behoben

Hauptsächlich haben sie Probleme behoben, die durch Wasserschäden (einst durch eine undichte Decke) und dem Holzwurm entstanden sind. Zum Beispiel die Windladen (Bauteile, die den vom Wind-erzeuger – Gebläse oder Balg – kommenden Wind auf die einzelnen Pfeifen verteilen). „Von außen wirken sie unscheinbar und klotzig, aber innen sind sie ganz filigran und fein. Die Feinheiten liegen halt wie so oft im Verborgenen“, erzählt Martin Lodahl. Er betont, dass die Windladen an dieser Orgel das erste Mal seit Erbauung komplett erneuert worden seien. „Das spricht für Rühlmann. Dieses Instrument tut seit mehr als 120 Jahren ihren Dienst. Sie geht jetzt eher kaputt, da sie nicht gespielt wird“, so der Fachmann.

Martin Lodahl – er ist gelernter Drechslermeister, ist durch den Besuch eines Orgelbauers so begeistert davon, dass er sich auch der Aufgabe widmet („Es war Liebe auf den ersten Blick.“) – weiß noch Interessantes zu berichten: „Hier steht eine relativ frühe Rühlmann-Orgel. In der Zeit hat er mit pneumatischen Kastenladen gearbeitet.“ Bei Kastenladen stehen alle Pfeifen auf einem gemeinsamen, nicht weiter unterteiltem Windkasten. Das habe Rühlmann aber bald verworfen und mit Kegelladen gearbeitet. Dabei befindet sich bei jeder Pfeife ein kegelförmiges Ventil, das dem Wind aus der unter allen Pfeifen eines Registers laufenden Registerkanzelle den Weg zu den Pfeifen freigibt.

Etwas Besonderes

„Also Sie haben hier etwas regional Besonderes stehen, da diese Rühlmann-Orgel noch Kastenladen hat“, sagt Martin Lodahl, zu Helga Sebon schauend. Und er gibt ihr als Vorsitzende des Kirchbauvereins mit: „Jetzt ist es ganz wichtig, dass die Orgel einmal pro Woche gespielt wird. Um die Töne durchzupusten, damit die Lederteile sich nicht verfestigen und der Holzwurm verschwindet.“ Die Pfeifen seien übrigens, abgesehen von etwas Patina, noch wie aus dem Laden. „Rühlmann ist eine echte Qualitätsfirma gewesen. Das weiß man heute zu würdigen.“

Und Martin Lodahl hat es gefreut, dass er und Thomas Filter dieses Instrument haben in Stand setzen dürfen. „Sie haben schon ein schönes Orgelchen hier“, schwärmt er. Die Worte freuen Helga Sebon, denn sie weiß darum ...