Barby l Hinter den Amerikanern lagen verlustreiche Kämpfe in der Normandie oder im Hürtgenwald bei Aachen, bis die Männer an der Barbyer Fährstelle ihre „Truman-Bridge“ errichteten, über die sie eigentlich weiter nach Berlin vorstoßen wollten. Doch ein Haltebefehl des amerikanischen Generals Dwight D. Eisenhower stoppte den Vormarsch.

Detonation weithin hörbar

Am 12. April wurde die Barbyer Elbbrücke von der Wehrmacht gesprengt. Verwendet wurden fünf Fliegerbomben, jede 500 Kilogramm schwer … Zeitzeugen von damals werden nie die gewaltige Detonation vergessen, die sich am frühen Abend gegen 19.45 Uhr ereignete.

An diese Zeit erinnern heute kaum noch Gebäudeschäden oder gar Bodenfunde. Was vor ein paar Jahrzehnten anders war. So beispielsweise beim Bau des kleinen Sommerdeiches zur Barbyer Fähre.

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Die Chronik von 1913 schreibt: „Der Judendamm. Der Name dieser Straße rührt wohl daher, daß in früheren Jahren die Holznutzung der angepflanzten Bäume an Juden verpachtet war.“ Danach ist der Weg von der Stadtmauer bis zum Gasthof Ronney gepflastert und 1,857 Kilometer lang. Ronney war bis in die 1950er Jahre ein Ortsteil von Barby.

Schüler helfen bei Bau

Der kleine Deich wurde im Rahmen eines Jugendobjektes „Zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit“ gebaut. Als Hilfskräfte arbeiteten dort Schüler der Polytechnischen Oberschule Friedrich Engels. Das Baumaterial wurde vom neu erschlossenen Kieswerk an der Pömmelter Straße geholt, wo heute der „Seepark“ ist. Besonders das Aufschütten der ersten 500 Damm-Meter war für die jugendlichen Helfer spannend: Im Kies fanden sie Infanterie-Munition, Stahlhelme und sogar eine deutsche Maschinenpistole. Es handelte sich um eine „MP 40“, die seit Anfang 1940 hergestellt wurde und die Standardmaschinenpistole der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg war.

Ein 14-Jähriger nahm sie zum Entsetzen seines Vaters mit nach Hause, der sie umgehend in der nahen Müllkippe entsorgte. Sein Vater steckte 25 Jahre zuvor selbst in einer Wehrmachtsuniform und wusste um die unselige Wirkung von Waffen. Außerdem hätte es mit dem Staat großen Ärger geben können.

Die Funde stammten mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit von Kampfhandlungen um den Barbyer Brückenkopf im April 1945. Die Wehrmacht hatte im Raum Weinberg Stellung bezogen; die US-Armee rückte von Gnadau kommend ostwärts.

Viele schwarze Erdhaufen

Wie sich der aus Barby stammende Zeitzeuge Wolfgang Krimmling in seinem Buch „Bevor ich erwachsen wurde“ erinnert, lagen nahe der Remise des Rittergutes (unweit des heutigen Umspannwerkes am Kiessee) auf dem grünenden Wintergetreide „viele schwarze Erdhaufen“. „Ich wunderte mich darüber, dass meine Mutter immer wieder darauf drang, dort nicht hinzusehen“, schreibt Krimmling. Es waren keine Erdhaufen, sondern gefallene deutsche Soldaten. Ihre Gräber findet man noch heute auf dem Barbyer Friedhof.