Barby l „Unser Engagement hat dazu geführt, dass der Naturschutz ein fundamentaler Teil des in diesem Jahr beschlossenen Gesamtkonzeptes Elbe ist“, sagte Jutta Roeseler vom Camp-Team. Mit Blick auf anders lautende Begehrlichkeiten der Politik musste sie aber auch feststellen, dass der Einsatz für die Natur wohl weitergehen muss. Im Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre blieben ihr einige Jahre besonders in Erinnerung. Dazu gehörten das Jahr 2002 mit dem großen Hochwasser, das in der Öffentlichkeit auf die Gefahren durch die Elbe und auf die Folgen falschen Ausbaus aufmerksam machte, und das Jahr 2013, als die Camp-Teilnehmer beim Beseitigen von Hochwasserschäden im Umweltzentrum Ronney und im Ziegenhof Glinde halfen. Über das Jahr 2006 freute sie sich noch wie damals, als das Aktionsbündnis Elbe-Saale den Umweltpreis des Landes Sachsen-Anhalt erhielt: „Das war eine schöne Anerkennung unserer Arbeit. Nur der Ministerpräsident war nicht begeistert“, sagte sie.

Der Nachmittag begann mit einem Elbauenspaziergang, angeführt von Flussschützer Paul Dörfler. Er lud dazu ein, gemeinsam ins Bett zu gehen – „ins Flussbett natürlich“, wie er hinzufügte. Dort, in den grünen Elbauen, informierte er über die schleichenden Veränderungen der Flusslandschaft, über sinkende Wasserstände und die Folgen für den Baumbestand. „Die alten Eichen können sich dem dauerhaft niedrigen Wasserstand nicht mehr anpassen“ sagte Dörfler und fügte sarkastisch hinzu „aber das verläuft für Menschen schwer wahrnehmbar, Bäume sterben eben langsam“.

Wenn Dörfler über „seine Elbe“ spricht, kann er endlos argumentieren. Er spricht über nutzlose Kanalprojekte zwischen Elbe und Saale, über die Wasserqualität, Dünger und Umweltgifte und über das Leben im und auf dem Wasser. Und es geht auch um die Wirtschaft, um den Umsatz an der Elbe, der in der Elbeschifffahrt auf fünf Millionen Euro gesunken ist, während der von einer intakten Natur profitierende Radtourismus entlang des Elberadweges inzwischen jährlich 127 Millionen Euro einbringt. Darin liegt für ihn die Zukunft des Flusses.

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Heinz Ratz mit einer Liebeserklärung

Zum Camp-Auftakt kamen diesmal zwei Bands. Zuerst spielte „HinUndHer“ aus Barby. Joachim Knopf und Rüdiger Krenzlin hatten Musik von Liedermachern und Blues im Programm, von Musikern wie Gundermann, Hansi Biebl oder Monokel. Sie wurden aber nicht von der Bühne gelassen, ohne auch eigene Kompositionen aufzuführen.

Im Anschluss spielte Heinz Ratz, der mit seiner Band Strom und Wasser aus Kiel nach Barby kam. Heinz Ratz, der im Jahr 2010 in seiner politischen Aktion für den Umweltschutz auf mehreren deutschen Flüssen schwimmend unterwegs war, bezeichnete die Elbe als einen immer noch lebendigen Fluss, der viel schöner als die komplett ausgebauten westdeutschen Flüsse ist. Seine gesellschaftskritischen Lieder spielte er in einer sehr kräftigen, rockigen Art. Extra zum Thema des Elbe-Saale-Camp hatte er einige unvertonte Texte mitgebracht, die er als Gedichte vortrug: Eines beginnt mit „Ich laufe den Quellen entgegen / und nicht der Mündung am Meer / die Quellen sind das beginnende Leben / die Quellen liebe ich sehr“.

Der Text entwickelt sich zu einer Liebeserklärung an das lebendige Wasser, das sich den Versuchen es mit Beton einzudämmen widersetzt.