Pömmelte/Glinde l Die Idee des Pömmelter Ortschaftsrates, den alternativen Elberadweg über den Pömmelter Felddamm zu führen und damit zu verkürzen, löst in Glinde Entrüstung aus. Ortsbürgermeister Norbert Langoff (Freie Wähler) gesteht „Schnappatmung“ bekommen zu haben, als er davon am Donnerstagmorgen in der Volksstimme las. Langoff erinnert an die Vorgeschichte: Im September 2018 hatte sich der Ortschaftsrat Glinde mit der Problematik der Umwidmung eines Teilstückes des Elberadweges im Bereich Glinde beschäftigt. Ausgangspunkt war eine Anregung des Pömmelter Stadtrates Peter Liensdorf (SPD), der im Hauptausschuss vorgeschlagen hatte, den Weg von Pömmelte über die verlängerte Feldstraße in Richtung Elbdeich Zackmünde entsprechend auszuweisen. (Diese Variante ist Stein des Anstoßes und wurde am 4. April in der Volksstimme vorgeschlagen.)

Der Glinder Ortschaftsrat hatte sich damals einstimmig gegen Liensdorfs Variante entschieden und dies auch der Stadtverwaltung in Barby mitgeteilt. „So wie es der Name schon zum Ausdruck bringt, geht es doch darum, den Radtouristen einen Weg in Sichtweite der Elbe anzubieten“, unterstreicht Langoff. Gerade der Abschnitt von Barby, Monplaisir bis Glinde und über das Baggerloch sei landschaftlich äußerst reizvoll – erlebe man doch hier die Elbaue pur.

Für Glinde sehr bedeutsam

Der aktuell alternative Elberadweg wurde so ausgeschildert, weil der direkte Weg auf dem Deich teilweise sehr schlecht befahrbar ist beziehungsweise war. Erst mit Fertigstellung des neuen Deichsanierungsteilstücks zwischen der ehemaligen Maisan und dem Dammhaus am Jungensweder vor wenigen Wochen bekommt man einen Eindruck davon, wie radlerfreundlich die Deichkrone einmal bis Schönebeck aussehen wird. Wenn das in wenigen Jahren so weit sei, könne man davon ausgehen, dass der „echte“ Elberadweg zum Tragen kommt und dann natürlich auch entsprechend gewidmet wird, meint Langoff.

„Für die Ortschaft Glinde ist sowohl die aktuelle als auch die perspektivische Streckenführung nicht zuletzt unter touristischen Aspekten sehr bedeutsam, machen doch vor allem an den Wochenenden viele Radtouristen am Ziegenhof halt, übernachten in der Elbe-Saale-Pension oder besuchen das Lichtmessmuseum“, unterstreicht Norbert Langoff. Hier stehe nicht umsonst der rote Kasten des Salzländer Kulturstempels. Der Ortsbürgermeister räumt ein, dass die Pömmelter Überlegungen, für Besucher des Ringheiligtums einen direkten Weg dorthin auszuweisen, nachvollziehbar sind. Allerdings müsse man auch erwähnen, dass die vorgeschlagene Variante nicht direkt zum Ringheiligtum führt, sondern unter Aussparung von Glinde wieder kurz vor Zackmünde auf dem Elbdeich endet. „Gegen eine entsprechende Ausschilderung ist wohl nichts einzuwenden – aber bitte nicht als ‚Elberadweg“.

Auch die Glinder Stadt- und Ortschaftsrätin Jutta Röseler (Grüne) merkt zu diesem Thema an: „Wer auf dem Elberadweg unterwegs ist, um beim entspannten Radeln die herrliche Auenlandschaft zu genießen, dem sei der Radweg auf dem Elbdamm bis nach Glinde empfohlen.“ Viele Radwege führten durch unsere Region, jeder hätte seine Berechtigung. „Was daran besser sein soll, die Elb- und Lichtmessgemeinde vom Elberadweg abzuschneiden, erschließt sich den Bewohnern von Glinde nicht“, grollt Röseler. Auch sie befürchtet einen Rückgang der Besucherzahlen von Ziegenhof, Lichtmessmuseum, Pension  oder der Matthäuskirche.

Keine Ortschaft abhängen

Sie macht darauf aufmerksam, dass es mit der Sanierung des Calbeschen Graseweges, den der Volksmund auch Lichtmastenweg nennt, eine gute Alternative zur viel befahrenen Chaussee gibt. Dieser neuerdings gut ausgebaute Feldweg führt auf kürzester Strecke von Glinde nach Pömmelte.

Jutta Röseler erinnert zu dem an den geplanten Radweg, der ab 2020/21 die Landesstraße zwischen Barby und Pömmelte begleiten soll. Gemeinsam hatten Bürger aus Barby, Pömmelte und Glinde für diese Lösung gekämpft und dafür demonstriert. „Die touristische Entwicklung unseres Elbe-Saale-Winkels sollte im guten Einvernehmen aller Gemeinden miteinander erfolgen und keine Ortschaft abgehängt werden“, ist das Fazit von Jutta Röseler.