Barby l „Gucke! Da gommt dr Heuwendor“, blickt Rolf Kästner interessiert in die Elbauen. Sein Akzent ist unverkennbar: Der 82-Jährige kommt aus dem sächsischen Elbsandsteingebirge.

Weil seine Ehefrau Christa (geb. Nützmann) eine Beziehung zu Barby hat, besucht das Paar immer mal wieder und auch gerade eine Verwandte in der Magdeburger Straße. Der Schwiegervater von Rolf Kästner war im Volkseigenen Gut als Melkermeister tätig, seine spätere Frau Christa ging bis zur Konfirmation in Barby zur Schule.

Eine nicht alltägliche Geschichte

„Scheen, ooch die Elbe hier hat was“, lässt der ehemalige Maurer seinen Blick schweifen. Der Heuwender kommt näher, mit ihm auch ein Weißstorch, der die aufgescheuchten Mäuse erbeutet.

Bilder

Rolf Kästner sitzt auf einer Bank, die eine nicht alltägliche Geschichte hat: Der ehemalige Dachdecker Lorenzo Weißenborn aus Barby stellte sie auf. Er war früher viel mit seinem Hund unterwegs. Nach einem schweren Arbeitsunfall und der dauerhaften Invalidisierung, hatte Lorenzo Weißenborn mehr Zeit für diese Dinge des Lebens.

Ein besonders schöner Ort

Am Rand des Eichelwaldes, einem rund 300-jährigen Eichenhain zwischen Stadtmauer und Elbe, fiel ihm ein besonders schöner Ort auf. Der 57-Jährige, den man in Barby eher als „harten Kerl“ wahrnimmt, erinnert sich: „Da hat man eine tolle Aussicht auf die Landschaft. Ein richtig schönes Panorama.“

Und weil er beobachtete, dass auch andere Spaziergänger an diesem Ort länger verharrten als anderswo auf dem Werder, entstand die Idee: Hier muss eine Bank hin.

Auf kurzem Dienstweg

Aber woher nehmen? Lorenzo fiel nach der Neugestaltung des Elbvorlandes eine verwaiste Bank nahe der Stadtmauer auf, die noch aus DDR-Zeiten stammte. „Die haben überall schöne, neue Bänke aufgestellt. Da war die übrig“, sagt er knapp. Zwischen „Prinzeßchen“ und Brücktor ließ die Stadt Ende der 1990er Jahre im Zuge der parkähnlichen Umgestaltung auch noble, weiße Bänke aufstellen.

Lorenzo organisierte „auf dem kurzen Dienstweg“ den Transport der beiden schweren Betonsegmente. „Da waren gerade ABMmer in Gange, die haben mir geholfen.“ Die neuen Bretter für Lehne und Sitz beschaffte er auf ähnliche Weise.

Einsame Bank in der Landschaft

Während die meisten anderen Sitzbänke auf dem Elbwerder nach landschaftsgestalterischen Gesichtspunkten aufgestellt wurden, fällt Lorenzos Bank aus dem Rahmen. Sie steht völlig einsam in der Landschaft. Drohen Hochwasser, wird sie nicht wie ihre edlen Kollegen von den Stadtarbeitern demontiert, um keinen Schaden zu nehmen.

Sie ist rustikal, wie ihr Erschaffer auch, kann ab, wenn ein Meter Wasser über ihr strömt.

Bank verschwindet im Hochwasser

Beim Hochwasser 2013 stand der Elbepegel rund zwei Meter über der Armlehne. Herr Kästner aus der Sächsischen Schweiz staunt über solche Geschichte. „Mir woh‘n hundert Meder uff‘m Berg. Da gommt ge Wassor hin“, lächelt er.