Calbe l Das Tiergehege auf dem Wartenberg kostet den Calbenser Steuerzahler jedes Jahr viel Geld. Nach aktuellem Stand wird die Kommune in diesem Jahr rund 90.000 Euro aufwenden, um die 64 Tiere auf dem Wartenberg zu versorgen. Die geringsten Kosten sind dabei die reinen Futterkosten. Teuer ist das Tiergehege vor allem, weil sich täglich Personal um die Tiere kümmern muss.

Seit einigen Jahren kommt der Wartenberg regelmäßig bei den jährlichen Haushaltsdebatten in den Ausschüssen des Stadtrates ins Gespräch. Denn die Stadt muss jeden Euro sparen, um sich von millionenschweren Kassenkrediten zu befreien und muss zudem noch einst erhaltene Liquiditätshilfen zurückzahlen. Auf der anderen Seite gibt sie Geld für ein Tiergehege aus, dessen Nutzung durch den Bürger völlig offen ist.

Bereits in der vorangegangenen Legislaturperiode des Stadtrates hatte es eine Diskussion zur Zukunft des Tiergeheges gegeben. Die wurde allerdings nicht zu Ende geführt, sondern unter Verweis auf die kommende Kommunalwahl vertagt. Nun legt die Stadtverwaltung mit einer Informationsvorlage die Fakten rund um den Wartenberg auf den Tisch.

Darin eingeschlossen ist auch der Bismarckturm, den die Stadt regelmäßig öffnet und den Bürgern damit zugänglich macht. In diesen Tagen hat zudem eine Sanierung des Turms begonnen. Die Kommune hat hierfür erfolgreich Fördermittel einwerben können. Die Kosten für den Unterhalt des Bismarckturms sind zudem überschaubar und lagen bei weniger als 4000 Euro im Jahr.

Bereits vor vier Jahren hatte die Stadt versucht, die hohen Kosten für das Tiergehege zu senken und einen privaten Betreiber für die Anlage zu finden. Interessenten fand die Stadt nicht. Einnahmen erzielt das Tiergehege nicht. Die Bürger können die Anlage besuchen, ohne Eintritt zu bezahlen. Auf dem Wartenberg gibt es gleich neben dem Gehege eine Gaststätte. Das Grundstück hat die Kommune 1998 für 50 Jahre im Rahmen eines Erbbaupachtvertrages vergeben. Bis 2048, heißt es in der Vorlage für den Stadtrat, sei der Vertrag geschlossen worden.

Die nun für die Stadträte entworfene Informationsvorlage soll den Volksvertretern dabei dienen, über eine Neuausrichtung der Anlage nachzudenken und zu diskutieren. Dabei stellt sich die Frage, wohin der Stadtrat mit dem Tiergehege will?

Auf der einen Seite gab es in der Vergangenheit den Wunsch, die Anlage mit exotischeren Tieren aufzuwerten und damit mehr Interesse bei der Bevölkerung zu wecken. Dahinter steckt die Erkenntnis, das mit Tieren, die auch anderswo überall zu sehen sind, kaum Menschen angelockt werden. Ziegen und Schafe, denen sich der Besucher auch in einem Streichelgehege nähern kann, seien heute in vielen Zoos zu sehen. Andere Tierarten, die selten sind, könnten hier interessanter sein. Früher beherbergte die Anlage einen Braunbären. Das aus heutiger Sicht viel zu kleine Gehege ist noch zu sehen. Heute werden Tiere ganz anders gehalten als noch vor einigen Jahrzehnten. Ein Umstieg bei den Tieren würde Investitionen in die Anlage notwendig machen, um eine artgerechte Haltung zu gewährleisten.

Stadträte vertraten in der Vergangenheit auch die Meinung, sich von der Tierhaltung auf dem Wartenberg weiter zu verabschieden. Das Tiergehege sei ein teures Hobby, verglichen mit den anderen freiwilligen Leistungen, die sich die Stadt so leiste. Das Tiergehege nimmt dabei eine Spitzenposition unter den freiwilligen Leistungen ein. Die Mittel, die dafür aufgewendet werden, könnte die Kommune ebenso an anderer Stelle einsetzen, hieß es.

In der kommenden Woche befassen sich die einzelnen Ausschüsse des Stadtrates mit der Vorlage. Den Anfang macht dabei der Finanzausschuss am Montag, 7. September. Bis zum kommenden Donnerstag wird sich an jedem Tag ein anderer Ausschuss mit der Vorlage befassen. Eine Entscheidung ist dabei nicht schnell zu erwarten. Vielmehr dient die Vorlage den Stadträten bei der Beurteilung der Situation.

Die Corona-Pandemie könnte aktuell dafür sorgen, dass sich die Stadträte noch in diesem Jahr entscheiden müssen, was aus dem Tiergehege werden soll. Denn die Einnahmen brechen in der Kommune drastisch ein. Ob die Einnahmeausfälle durch Zuweisungen ausgeglichen werden können, ist offen. Da sich die Kommune allerdings in der Haushaltskonsolidierung befindet, könnte der Druck, weiter Geld einzusparen, in diesem Jahr besonders groß werden. Vor allem bei den freiwilligen Leistungen hat die ansonsten sehr auskonsolidierte Kommune noch eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Ende des Monats soll sich der Stadtrat mit dem Thema befassen. Ob er sich dann zu einem Entschluss durchringt oder die Angelegenheit vertagt, bleibt in der kommenden Diskussion abzuwarten.