Schönebeck l Die Schülerinnen und Schüler teilten sich für das Planspiel Europa in verschiedene Gruppen auf. Während im Parlament hitzige Debatten geführt wurden, brachten Interessenvertreter ihre Ideen ein und die Presse dokumentierte. Und das alles zu einem Thema: Klimaschutz.

Komplizierten Prozess näherbringen

Um das Planspiel Europa am Gymnasium durchzuführen, waren Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung angereist. Philip Doll führte beispielsweise die größte Gruppe in der Aula das Schulgebäudes durch die Debatte. „Ein Ziel des Planspiels ist es, den ziemlich komplizierten Prozess im EU-Parlament spielerisch näher zu bringen“, formulierte Doll. Unter den Schülerinnen und Schülern des elften Jahrgangs seien viele, die zum ersten Mal an eine Wahlurne schreiten dürfen und damit politische Prozesse in der Europäischen Union direkt beeinflussen könnten.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung versorgen die Schüler mit Materialien. „Oft wissen sie aber schon deutlich mehr“, berichtet Doll aus seiner Erfahrung mit dem Planspiel.

Schönebecker Gymnasiasten gut informiert

Tatsächlich sind auch die Schönebecker Gymnasiasten bereits bestens informiert. „In Europa werden regional übergreifend wichtige Themen verhandelt“, meinte Paul Meyer. Auf die Frage, wie wichtig die europäische Politik für junge Menschen sei, antworteten Meyer und Mitschülerin Maxi Caroline Krause souveräner als so manche Kommunalpolitiker. „In Europa können Themen besprochen und ein Konsense gefunden werden, die die ganze Welt betreffen“, sagte Krause. Eines davon sei beispielsweise die Klimapolitik. „Aber auch wirtschaftlich kann Europa als großer, kontinentaler Verbund ein gewichtiges Wort in der Welt mitreden“, fügte Meyer hinzu. Auch auf sozialer Ebene, ergänzte Krause, könne europäische Gemeinschaft förderlich sein. Krause: „Wir sind auf jeden Fall sehr stolz, dass wir so ein Projekt an unserer Schule durchführen können.“

Dies sei auch im Hinblick auf den Lehrplan wichtig, findet Sozialkundelehrer Kevin Tschisgale. Europäische Themen kämen planmäßig nur an zwei Stellen im Schulalltag des Faches Sozialkunde vor. „Daher sind solche Projekttage ein wichtiger Baustein, um Europa besser zu verstehen“, sagte der Pädagoge.

Gegensätzliche Positionen

Doch zurück zur eigentlichen Debatte: Paul Meyer und Kristof Sopart führten als Vorsitzende des EU-Parlamentes souverän durch die erste, imaginäre Sitzung in der Aula des Gymnasiums. Die Schülerinnen und Schüler waren in verschiedene Fraktionen eingeteilt und mussten ihre Positionen vorstellen. Dabei kamen, wie in politischen Gremien so üblich, verschiedenste Positionen auf den Tisch. Von den Grünen zum Beispiel. Sie forderten, wie im realen politischen Leben, den Ausbau erneuerbarer Energien und den verbindlichen Ausstieg aus Atomkraft und der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen wie Kohle. Eine andere Partei forderte indes eine nachhaltige Energiepolitik mit der strikten Einbeziehung von Atomkraft. Und dann gab es noch die Europäische Volkspartei EVP. Die Vertreter forderten den Ausbau eines europäischen Binnenmarktes für Strom, Gas und Co. und präferierten einen ausgewogenen Mix aus erneuerbaren Energien und fossilen Brennstoffen.

Ob es bei dem Planspiel am Ende einen politischen Konsens oder gar einen Gesetzesentwurf gebe, sei, so Philip Doll, nicht so entscheidend. „Viel wichtiger ist es, dass Ziele und Argumente ausgetauscht werden“, so der Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung. Und schließlich ginge es vor allem darum, dass die Schülerinnen und Schüler – die künftigen Wähler des Eruopa-Parlamentes – einen fundierten Einblick in die Europäischen Prozesse bekommen konnten.