Großmühlingen/Schönebeck l „Heute vor 200 Jahren, am 30. September 1819, wurde unser Opa Christian Buzmann in Amesdorf geboren“, heißt es in der Gedenkanzeige, die genau am 200. Geburtstag von Christian Buzmann Ende September in der Volksstimme veröffentlicht wurde – und vermutlich nicht nur die Redaktion stutzig machte.

Der Opa der Unterzeichner müsste aber doch eigentlich viel jünger sein. Die Vermutung lag nahe, dass es sich bei Heinz Buzmann aus Braunschweig, Heidi Hodgson aus Apple Valley, Doris Laus aus El Paso, Hannelore Jacob aus Schönebeck und Rolf Buzmann aus Großmühlingen um Ur- und Ururenkel des vor gut 200 Jahren geborenen Mannes handelt.

Ungewöhnliche Altersverhältnisse

Doch das ist tatsächlich nicht der Fall, wie Rolf Buzmann (Jahrgang 1950) aus Großmühlingen und Hannelore Jacob (Jahrgang 1941) aus Schönebeck berichten. „Christian Buzmann ist unser Opa.“ Kennengelernt haben sie ihn allerdings nie. Trotzdem war den Geschwistern bis vor kurzen gar nicht so bewusst, wie ungewöhnlich die Altersverhältnisse in der eigenen Familie eigentlich sind.

Bilder

Dass Großvater Christian Buzmann, der herzoglich anerkannter Schafmeister war, am 30. September seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte, es aber trotzdem noch lebende Enkel gibt, liegt schlicht daran, dass sowohl ihr Großvater, als auch der Vater von Hannelore Jacob und Rolf Buzmann im hohen Alter noch Kinder bekommen haben. So war ihr Opa Christian Buzmann bei der Geburt ihres Vaters Franz Christian Buzmann schon stolze 72 Jahre alt. Und Rolf Buzmanns Vater war bei dessen Geburt immerhin auch schon 53 Jahre alt.

Elf Kinder aus zwei Ehen

Im Volksmund würde man Rolf Buzmann allerdings als Nachzügler beschreiben, ist doch die zuvor geborene Schwester Ingrid Buzmann, die 2003 bereits verstorben ist, siebeneinhalb Jahre jünger als Rolf Buzmann und sein ältester Bruder 26 Jahre vor ihm geboren.

Insgesamt hatte Hannelore Jacobs und Rolf Buzmanns Vater Franz Christian Buzmann elf Kinder – vier aus erster Ehe und sieben aus Zweiter. „Bis auf einen Bruder, der schon früh gestorben ist, und eine Schwester, die wohl bei der Geburt gestorben sein muss, kennen beziehungsweise kannten wir Geschwister uns alle“, erzählt Rolf Buzmann im Beisein seiner älteren Schwester Hannelore.

Erste Frau verstorben

Bei der Geburt der als Baby verstorbenen Schwester war auch Franz Christian Buzmanns erste Frau Lisbeth gestorben, weshalb Rolf Buzmanns Mutter Paula als Haushälterin bei dem Witwer und seinen Kindern anfing. „Daraus entwickelt sich dann mehr, und schon kurz nach der Hochzeit meiner Eltern war unser Bruder Horst unterwegs“, berichten die Geschwister, die in ihrer Heimat geblieben sind.

Insgesamt fünf der ehemals neun Geschwister leben heute noch – wenn auch nicht alle in der Region geblieben sind. So lebt Halbbruder Karl Heinz Buzmann (Jahrgang 1925) in Braunschweig und die Schwestern Doris Laus (Jahrgang 1940) und Heidi Hodgson (Jahrgang 1939) in den USA.

Familienstammbuch hilft

Durch deren 80. Geburtstag kam es letztlich zur Gedenkanzeige für den Großvater. Denn anlässlich des USA-Besuchs zur Geburtstagsfeier seiner Schwester Heidi Hodgson (geborene Buzmann) hatte Rolf Buzmann das alte Familienstammbuch, mit Aufzeichnungen ab den 1930er-Jahren raus gekramt.

„Beim Durchblättern fiel es mir dann wie Schuppen aus den Haaren“, berichtet der 68-Jährige von dem Moment, als ihm bewusst wurde, dass sein Großvater 1819 – also vor genau 200 Jahren – geboren wurde. „Ich hatte zuvor bestimmt schon 20 Jahre lang nicht mehr richtig in das Buch geschaut“, sagt Rolf Buzmann.

Gedenkanzeige als Geheimnis

Diese Entdeckung behielt der 68-Jährige aber zunächst für sich und tüftelte einen Plan aus. Eine Gedenkanzeige in der Volksstimme im Namen aller noch lebenden Geschwister genau zum 200. Geburtstag sollte es werden.

Und so gab er die Anzeige in Auftrag – ohne das Wissen der Geschwister und auch ohne das seiner Frau Sigrid. Die allerdings hatte spätestens in dem Moment gemerkt, dass ihr Mann ein kleines Geheimnis hütet, als sie die Abbuchung vom gemeinsamen Konto entdeckte.

Weitere Recherchen geplant

„Das hatte ich nicht ganz bedacht“, schmunzelt Rolf Buzmann und berichtet: „Meine Frau dachte, ich hätte Tickets für eine Veranstaltung gekauft und war schon voller Vorfreude.“ Die musste der Großmühlinger ihr dann allerdings nehmen und präsentierte seiner Frau die Anzeige. „Einen Ausflug nach Leipzig oder so machen wir aber trotzdem. Nicht, dass der Haussegen schief hängt“, witzelt er.

Nach diesen ersten Recherchen plant Rolf Buzmann, weiter die Geschichte seiner Familie aufzuarbeiten. Zunächst will er mehr zu seiner Oma Luise rausfinden, die in Unseburg geboren wurde.