Plötzky l Es war Punkt 5, das letzte Thema auf der Tagesordnung, überschrieben mit den Worten „Ausblick auf das Jahr 2018 – Zukunft der Ortswehr Plötzky“. Doch bis dahin mussten die anwesenden Kameraden und Gäste auf der Jahreshauptversammlung der Plötzkyer Wehr nicht warten. „Wir müssen über eine Fusion mit einer anderen Wehr nachdenken“, informiert Oberbürgermeister Bert Knoblauch am Freitagabend in seiner Rede, dem Punkt 3 auf der Ordnung.

Was schon lange unumgänglich scheint und zum Beispiel bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kleinmühlingen-Zens unter dem Träger Bördeland schon umgesetzt wurde, wird nun auch auf ostelbischer Seite konkreter. Eine Botschaft mit der sich die Stadt, als Träger der Feuerwehr und damit in der Verantwortung, ein Jahr Zeit genommen hatte. Knoblauch sagt, dass die Taktik bisher nicht aufgegangen sei: „Wir wollten bis zur Jahreshauptversammlung abwarten, aber es gab nicht die erhoffte Rückmeldung“, erklärt er im Hinblick auf die Suche nach einer neuen Wehrleitung.

Angliederung an Pretziener Feuerwehr

Denn seit März vergangenen Jahres sind die Plötzkyer Kameraden ohne intakte Führung aus den eigenen Reihen, nachdem Kamerad Christian Pfanne und sein Stellvertreter ihren ehrenamtlichen Posten aufgegeben hatten. Die verbleibenden Feuerwehrmänner – es gibt derzeit keine aktive Kameradin in der Wehr – wurden zunächst an die Freiwillige Feuerwehr Pretzien unter Leitung von Michael Vorwerk angegliedert - eine Übergangslösung.

Das wird wohl vorerst so bleiben. Die Volksstimme berichtete bereits darüber, der Pretziener Ortswehrleiter untermauert nun die Problematik in seiner Rede am Freitag mit Fakten: Während die Wehr technisch gut dasteht, braucht es laut der Mindestausrückeordnung des Landes Sachsen-Anhalt sechs bis sieben Kameraden, um eine Einsatzfähigkeit zu gewährleisten. Die Ortswehr Plötzky weise allerdings nur insgesamt sechs Aktive auf. „Diese Jungs bringen sich wirklich mit ein. Ihr reißt euch hier den Allerwertesten auf. In ziehe den Hut, aber ihr könnt nicht für Zwei arbeiten“, fand Vorwerk lobende aber deutliche Worte für die wenigen Aktiven. Und auch wenn die Ehrenamtlichen bereits Privates hinten anstellen würden, können sie nicht rund um die Uhr im Dienst sein. Eine dauerhafte Einsatzbereitschaft entfällt demzufolge.

Zudem gibt es Schwierigkeiten bei der zeitaufwendigen Ausbildung. Die derzeitigen Dienstgrade der verbliebenen Kameraden sind so, dass frühestens in fünf bis sieben Jahren jemand eine Führungsposition übernehmen könnte. Dazu bedarf es Schulungen. Und dann müsse überhaupt jemand diese Posten auch bekleiden wollen, ergänzt der Pretziener Wehrleiter mit Sorge. „In Plötzky haben wir keinen Verbandsführer, keinen Zugführer, keinen eigenen Gerätewart, keinen Sicherheitsbeauftragten und auch keine Jugendwehr“, konstatiert Michael Vorwerk.

Keine Identifikation in Plötzky

Das von den etwas mehr als 1000 Einwohnern in Plötzky niemand für die Feuerwehr und für den Brandschutz im Dorf sorgen möchte, macht nicht nur die gestandenen Feuerwehrmänner fassungslos. „In der Regel ist die Feuerwehr das Herz eines Dorfes, das ist hier nicht der Fall“, sagt Bert Knoblauch. Auch Stadtwehrleiter Uwe Tandler findet klare Worte: „Man muss sich schämen. Mir blutet das Herz, wenn ich die Alterskameraden und die wenigen Leute sehe, die hier noch sitzen und die Fahne hochhalten.“

Gleichzeitig stellt der Schönebecker Stadtwehrleiter die große Frage nach dem Warum in den Raum, machte aber auch deutlich, dass Nachwuchsgewinnung vor allem eine politische Aufgabe des Trägers und der Kommunen sei. Den „schwarzen Peter“ will sich der Oberbürgermeister aber nicht zuschieben lassen. Es reiche nicht, auf die Politik „drauf zu hauen“, das sei vor allem ein gesellschaftliches Problem, so Knoblauch. Auch in Schönebeck habe man trotz etwa der 30.000 Einwohner das Problem der Nachwuchsgewinnung. Das Stadtoberhaupt und die Feuerwehrleute waren sich einig, dass finanzielle Anreize der falsche Weg seien. Und auch die jüngste Aktion des Landkreises, mit Bierdeckeln für das Ehrenamt zu werben, sei eine „lächerliche Aktion“, so Vorwerk. Der richtige Weg, da sind sich Stadt und Wehr einig, sei die Änderung der Ausbildungszeiten, um schnellere Beförderungen aussprechen zu können. Die Diskussion wird in den kommenden Ausgaben nochmals beleuchtet.

Bis dahin bleibt die Fusion in Aussicht. Wann, wie und Wo? Der Bürgermeister hält sich bedeckt. Fakt ist: ein solcher Zusammenschluss muss von allen Seiten – Wehren, Träger, Landkreis und Land – abgesegnet sein. Das allerdings kann dauern.