Schönebeck/Staßfurt/Bernburg l „24 Jahre lang hat es funktioniert – und jetzt hat der Landkreis im stillen Kämmerchen entschieden, dass sich der Verbund auflöst“, macht Staßfurts Stadtwehrleiter Tobias Schumann seinem Ärger Luft. Dass sich der Schlauchverbund, über den die Reinigung sowie der Ersatz von Schläuchen nach Einsätzen geregelt war, aufgelöst hat, darüber seien die Feuerwehrleute sehr verärgert. Und das nach den 36-Stunden-Einsätzen im Sommer 2018, die sie ohne den Verbund nur schwer hätten meistern können.

Denn nach größeren Einsätzen sei es bisher über den Schlauchverbund des Kreises so geregelt gewesen, dass die benutzten Schläuche von der in Staßfurt sesshaften Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) abgeholt und sofort durch gereinigte Schläuche ersetzt wurden. Somit waren die Wehren unmittelbar wieder einsatzbereit. Das bedeutete auch, dass nicht jede Ortswehr ihre eigenen Schläuche hatte, die sie immer wieder zurückbekam, sondern dass es ein gemeinsames Kontingent gab.

Dauereinsätze

Das habe sich jetzt zum 1. Oktober geändert, so Tobias Schumann. „Alles was zu dem Zeitpunkt bei den Wehren vorhanden war, gehört ihnen – der Rest dem Landkreis“, erklärt er. Das findet er ungerecht. Denn so sei es reiner Zufall, ob eine Feuerwehr durch den ständigen Wechsel unter den Wehren gerade eher neuere Schläuche oder solche erwischt haben, die schon mehrere Jahre alt sind und bald ausgewechselt werden müssen. Die Schläuche müssen ab sofort kodiert werden, damit jede Wehr die jeweiligen Schläuche zurückbekommt.

Vor allem in Staßfurt sei durch die Dauereinsätze im Sommer viel kaputt gegangen, das teils noch nicht dokumentiert wurde. In Staßfurt seien es noch konkret 1,7 Kilometer Schlauch, die noch fehlen und ersetzt werden müssen. Und ein 20 Meter langer Schlauch kostet nicht wenig – in der Regel 100 Euro. Ein weiteres Problem, das Tobias Schumann sieht: Mehrere Feuerwehren haben ihr Schlauchlager reduziert, in den Gerätehäusern sei oft nicht genug Platz.

Doch nicht nur die Kosten und der Platzmangel seien das Problem – sondern auch der Zeitaufwand. Denn während die Schläuche bisher von der FTZ jeweils abgeholt wurden, müssen die Wehren diese jetzt selbst in die Zentrale nach Staßfurt bringen. „Für uns Staßfurter geht das ja noch. Aber aus dem Schönebecker Bereich ist man da ja einen halben Tag unterwegs“, so Schumann.

Kameraden irritiert

Ein Problem, das auch den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Egelner Mulde, Michael Stöhr, beschäftigt. „Vermutlich werden wir jemanden auf geringfügige Basis beschäftigen müssen, der die Schläuche dann wegbringt und wieder abholt. Hinzu kommen die Kosten für die Ersatzschläuche, die die Kommunen jetzt selbst vorhalten müssen. Die Schläuche müssen jetzt in dreifacher Ausführung vorhanden sein, um weiterhin Einsatzbereitschaft gewährleisten zu können.

Michael Stöhr irritiert an der Sache, dass das Ganze so kurzfristig entschieden wurde. „Das hätte man vorher gemeinsam klären können. Dann hätte man als Verwaltung auch mal eher an die Wehren herantreten und sich längerfristig drauf vorbereiten können. Es geht hier um den Umgang miteinander.“

Schlauchlager vorhanden

Auch Kommunen im Altkreis Schönebeck machen sich Gedanken. So sagt Barbys Stadtwehrleiter Detlef August: „Wir müssen jetzt zunächst eine Bestandsaufnahme machen und schauen, was angeschafft werden muss.“ Calbes Bürgermeister Sven Hause sagt zu dem Thema: „Wir werden dadurch natürlich erhebliche finanzielle Mehrbelastung haben. Wie hoch die sein wird, lässt sich derzeit noch nicht darstellen.“ Da die Stadt gerade in ein neues Hilfslöschfahrzeug investiert habe, stelle sich jedoch die Frage, wie sie diese Mehrkosten stemmen sollen.

Schönebecks kommissarischer Stadtwehrleiter Daniel Schürmann sieht für seine Wehr derzeit keinen Grund zur Sorge. Er sagt: „Eigentlich haben wir genug Schläuche vorhanden, Engpässe gibt es bei uns nicht.“ Schönebecks Ordnungsamtsleiterin Janine Zug ergänzt: „Sicherlich werden auch wir ein paar Umstellung machen müssen.“ Ein Schlauchlager bestehe jedoch in Schönebeck sowieso.

Das zuständige Ordnungsamt des Kreises sagt auf Anfrage der Volksstimme, dass die Konsequenzen für die Feuerwehren maßgeblich von den internen Regelungen abhängen würden. „Für einige ändert sich gar nichts, für andere gegebenenfalls, dass sie ihre Schläuche nicht gleich tauschen können und daher ein zweites Mal in die FTZ kommen müssen“, heißt es in einer E-Mail. Es bestehe weiterhin die Möglichkeit für organisatorische Regelungen, 1:1 in der FTZ zu tauschen.

Kreis kontert

Jedoch betont der Kreis, dass es nie einen vertraglich geregelten Schlauchverbund gegeben hätte. Es heißt: „Die Tauschmöglichkeiten durch die Feuerwehren wurde nur umgangssprachlich so genannt. Und hier liegt auch die eigentliche Ursache der Entscheidung. Es wird durch den Kreis ein rechtmäßiger Zustand hergestellt.“ Während Wehrleiter und Bürgermeister beklagen, dass das Thema nicht rechtzeitig besprochen wurde, heißt es vom Kreis, dass darüber durchaus vorher intensiv – auch mit Feuerwehrführungskräften - gesprochen wurde.

Die erste Infos über die neue Reglung sei am 31. August in der Runde der Bürgermeister erfolgt. „Dabei wurde das Thema grundsätzlich in diesem Personenkreis nicht zum ersten Mal erläutert“, heißt es vom Kreis. Allerdings sei am 31. August erstmals über konkrete Termine gesprochen worden. Die Stadtwehrleiter wurden vom Kreis per Mail am 20. September angeschrieben.

Laut Tobias Schumann viel zu spät. Er sei zwar im Vorfeld von Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner informiert worden, ärgert sich aber über die Handhabe des Kreises. Er sagt: „Nach den Einsätzen im Sommer wurden wir noch als Helden gefeiert und jetzt sowas. Wir engagieren uns alle ehrenamtlich. Das darf nicht vergessen werden.“