Feuerwehr Frohse

Die Feuerwehr Frohse wurde 1925 gegründet. Wehrleiter ist Michael Pohle. Offiziell besteht die Wehr aus sechs aktiven Einsatzkräften. Die Einsatzbereitschaft ist jedoch nur teilweise gegeben. Ziel ist daher die Zusammenlegung mit der Statteilwehr Schönebeck, die von den Kameraden abgelehnt wird. Das Gerätehaus soll von den Vereinen genutzt werden. Das Haus der Vereine könnte dann verkauft werden. Letztendlich entscheidet der Stadtrat über die Fusion.

Schönebeck l Eigentlich konnte Siegfried Kliematz in diesem Jahr seine 60-jährige Mitgliedschaft bei der Feuerwehr feiern. „In den ersten beiden Jahren hatte ich aber noch keinen Ausweis“, erzählt der 74-jährige Rentner. Damals, als junger Spund in Frohse, hat er tatsächlich eher Bier für die Älteren geholt. Und heute fährt der Alterskamerad schon lange nicht mehr in den Einsatz.

Keine Berührungsängste

Doch nun, auf seine alten Tage, hat er tatsächlich noch einmal einen Neuanfang gewagt. Im Herbst ist er von der Altersabteilung in Frohse zur Stadtteilfeuerwehr Schönebeck in der Tischlerstraße gewechselt. „Ich bin ja schon vor langer Zeit von Frohse nach Schönebeck gezogen. Da liegt die Tischlerstraße einfach näher“, sagt der rüstige Rentner, der immer noch zu Fuß zum Dienst geht. In der Region kennt man Kliematz nicht zuletzt auch als Fachberater des Kleingartenverbandes Schönebeck und Umgebung.

So ganz alltäglich ist sein Wechsel allerdings doch nicht. Denn tatsächlich sollen die Feuerwehr Frohse und die Stadtteilwehr Schönebeck voraussichtlich noch in diesem Jahr fusionieren. Denn Frohse zählt kaum eine handvoll Aktive und die Einsatzbereitschaft ist kaum noch gegeben. Das Problem: Die Kameraden in Frohse lehnen den Zusammenschluss ab und haben geschlossen dagegen gestimmt. Sie wollen ihre alte Wehr nicht aufgeben.

Siegfried Kliematz hat da allerdings keine Berührungsängste. „Ich bin schon lange Sicherheitsbeauftragter für alle Schönebecker Feuerwehren. Deswegen komme ich überall gut zurecht“, sagt er. Wobei er nicht jeden Dienstagabend an der Tischlerstraße ist, um den Aktiven beim Dienst über die Schulter zu schauen. Stattdessen ist er einmal im Monat beim Treffen der Altersabteilung dabei.

Verständnis für Verärgerung

„Vielleicht bin ich ein bisschen ein Vorreiter“, sagt Siegfried Kliematz nicht ganz ernst gemeint und lacht. Gelebte Fusion, sozusagen. Dass seine alte Wehr in Frohse geschlossen werden soll, findet er bedauerlich. Er könne sogar verstehen, dass die Kameraden in Frohse verärgert sind. Das ganze Thema Zusammenschluss hätte besser vorbereitet und kommuniziert werden können, findet Siegfried Kliematz. Vor allem der Verkauf des alten Feuerwehrfahrzeuges Barkas hätte die Kameraden sehr geärgert. Doch der ehrenamtliche Sicherheitsbeauftragte der Schönebecker Feuerwehren möchte offenbar trotz allem nach vorne schauen. Wobei er dafür in Frohse wenig Verständnis geerntet habe. Zum Dienst geht er dort inzwischen nicht mehr. Zwei Dienste wären aber auch sowieso zu viel.

Bei der Jahreshauptversammlung der Stadtteilwehr Schönebeck richtete Stadtteilwehrleiter Dirk Dietzmann in seinem Rechenschaftsbericht noch einmal einen direkten Appell an die Einsatzkräfte der benachbarten Wehr. „Liebe Frohser Kameraden, wir begrüßen es ausdrücklich, wenn eure Einsatzabteilung sowie die Alters- und Ehrenkameraden doch noch den Weg zu uns finden“, sagte Dirk Dietzmann. Mit Bedauern habe man zur Kenntnis genommen, dass sich die Frohser Feuerwehrleute einstimmig gegen die Fusion ausgesprochen haben. „Nichts wäre aber schlimmer, als wenn eine Feuerwehr sang- und klanglos untergeht.“

Auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) machte sich für die angestrebte Fusion der beiden Wehren stark. „Nach Gesprächen mit den Kameraden in Frohse habe ich schon den Eindruck, dass die Einsicht für die Fusion grundsätzlich vorhanden ist. Allerdings möchte niemand der Totengräber einer so langen Tradition sein“, sagte der Oberbürgermeister bei der Jahreshauptversammlung an der Tischlerstraße. „Wir können nur hoffen, dass wir doch noch den einen oder anderen Kameraden gewinnen können.“

Auch Siegfried Kliematz würde sich freuen, wenn noch mehr Kameraden aus Frohse seinem Beispiel folgen würden. „Die Stimmung an der Tischlerstraße ist gut, auch wenn es natürlich auch mal Probleme gibt“, sagt der Rentner. Und der Stadteilwehrleiter Dirk Dietzmann habe die Truppe gut im Griff. Siegfried Kliematz fühlt sich an der Tischlerstraße auf jeden Fall sehr wohl, sagt er. Doch ob noch mehr Einsatzkräfte wechseln werden, sei ungewiss. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.