Plötzky l Wenn der Telefonanruf nicht gewesen wäre ... Wolfgang Nagel möchte nicht daran denken, was alles hätte passieren können. Seine Freundin aus Bernburg, die ihn am Abend nur mal so angerufen hat, ist für ihn seine Lebensretterin. „Ich habe auf der Couch gelegen, ferngesehen und bin eingeschlafen“, erzählt er. Dann habe das Telefon geklingelt, beide hätten über das Fernsehprogramm geplaudert. Dabei habe er seinen Blick durch das Wohnzimmer des Wochenendhäuschens schweifen lassen. Der Raum ist nach oben offen, er kann bis zum Dachstuhl sehen – und entdeckt kleine Rauchschwaden, die aus der Decke herauskommen, berichtet er im Gespräch der Volksstimme. „Ich dachte, was ist denn das ... Wollte mit Wasser löschen, aber es kamen kleine Funken“, so der 65-Jährige.

Wolfgang Nagel eilt zu seinem Nachbarn, will einen Feuerlöscher holen und ihn bitten, die Feuerwehr zu rufen. Da sieht er, dass es am Dach von außen schon brennt. „Alles ging in Blitzeseile.“

Die Nachbarn haben Besuch. Plötzlich ein Klopfen, erzählt Dietmar Naused. Wolfgang Nagel steht aufgelöst vor der Tür. „Ich habe die Feuerwehr angerufen und bin dann mit einem Feuerlöscher mit ihm wieder zum Haus zurück. Als wir drin waren, kamen auf einmal Flammen, erste Platten kamen schon herunter. Da habe ich nur noch gesagt: Raus hier“, so Naused. Sein Besuch sei in der Zwischenzeit schon zur Ferienpark-Straße vorgelaufen, um Feuerwehr zeigen zu können, wo hin sie muss. Die Wege am Pfeifferssee sind sehr eng und teils auch schwer zu finden.

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Sechs Wehren vor Ort

Um 21.09 Uhr geht der Alarm ein: Dachstuhlbrand. Es rücken aus die Feuerwehren Pretzien (20 Einsatzkräfte), Schönebeck-Tischlerstraße (9), Ranies (6), Plötzky (2), Gommern (3, mit Drehleiter, leuchtet die Einsatzstelle großräumig aus), und Schönebeck-Bad Salzelmen (4, mit Einsatzleitwagen). Als sie vor Ort ankommen, steht das Dach schon in Vollbrand, sagt Einsatzleiter Michael Vorwerk von der Feuerwehr Pretzien auf Nachfrage der Volksstimme.

Dank neuem Löschfahrzeug sind die Kameraden für den Erstangriff gerüstet: 2000 Liter Wasser wird im Fahrzeug mitgeführt. Nicht nur, dass sie über mit der Tragkraftspritze über verschiedene Grundstücke müssen, um zum Pfeifferssee zu gelangen. Die frostigen Temperaturen haben den etwa 50 Meter entfernten See zufrieren lassen, erzählt Michael Vorwerk. Die Einsatzkräfte kommen nicht sofort an Wasser. Sie müssen die Eisschicht erst aufschlagen und einen Zugang schaffen. Parallel dazu zapfen Feuerwehrleute den Hydranten am Ferienpark an. Da dieser 300, 400 Meter weit weg ist, schätzt der Einsatzleiter, muss über diese lange Strecke auch eine Schlauchleitung aufgebaut werden. Dann kommt Wasser aus fünf Strahlrohren, vom Hydranten und vom Pfeifferssee, um den Flammen Herr zu werden.

Minusgrade bereiten Probleme

Die Minusgrade bringen ein weiteres Problem mit sich: Wasser, das abfließt, wird sofort zu Eis. „Kameraden, die nass geworden sind, hatten sofort einen Eispanzer über ihre Einsatzkleidung“, so Vorwerk. Damit das Wasser in den Schläuchen nicht gefriert, bleiben die Strahlrohre geöffnet, bis alle Löscharbeiten abgeschlossen sind. Die Ursache kann der Einsatzleiter nicht ausmachen, nur so viel: Das Feuer sei oberhalb der Treppe ausgebrochen.

Um 0.30 Uhr melden sich die Pretziener im Depot zurück. Ein Einsatz, der den Kameraden wohl lange in Erinnerung bleiben wird. Aufgrund der Probleme mit der Wasserversorgung und aufgrund der Örtlichkeit generell. Wegen der engen Wege sind die Fahrzeuge rückwärts zur Brandstelle gefahren. Unverständlich für Werner Herwegen, auch Nachbar von Wolfgang Nagel. Er fragt sich, warum die Feuerwehr nicht vorwärts in den Weg gefahren ist und damit schneller angekommen wäre. Michael Vorwerk erklärt dazu: „Wir hätten auch sagen können, wir fahren gar nicht hinein, sondern bauen eine Schlauchleitung dorthin auf. Denn wir können dort nicht wenden, es ist eine Sackgasse. Wir haben uns aber für das Rückwärtsfahren entschieden, aus einsatztaktischen Gründen ist das Pflicht. Wir wissen nicht, ob das Feuer übergreift. Dann müssen wir schnell flüchten können, die Sicherheit der Menschen geht vor.“

Die Polizei gibt in ihrem Bericht einen geschätzten Schaden von 20.000 Euro an. Der Dachstuhl des 60 Quadratmeter großen Bungalows ist niedergebrannt. „Wir können eine technische Ursache nicht ausschließen, wir ermitteln aber in alle Richtungen“, so Polizeioberkommissarin Horn vom Bernburger Revier auf Nachfrage. Durch Beamte des hiesigen Polizeireviers erfolge nun die kriminaltechnische Untersuchung. Vor Ort werde dann entschieden, ob auch ein Brandursachenermittler des Landeskriminalamtes zum Einsatz kommt.

Den Tränen nahe

Wolfgang Nagel ist auch am Morgen nach dem Brand noch fassungslos, wenn er in seinem Bungalow steht, und den Tränen nahe. Er weiß nicht, was werden soll. Jetzt wird er nicht nur unterhalb der Woche, sondern auch an den Wochenenden in seiner Wohnung in Bernburg bleiben müssen. 2006 ist er von Nordrhein-Westfalen nach Sachsen-Anhalt gezogen. Er habe, erzählt er, das Häuschen nicht nur gekauft, sondern mit den Jahren viel Geld investiert.

Er hofft nun auf die Ermittlungen der Polizei, denn er geht nicht von einer technischen Brandursache aus. Dietmar Naused und Werner Herwegen nicken. Auch sie legen Wert darauf, dass ordentlich ermittelt wird, betont Naused.