Sachsendorf l „Besonders stolz sind wir, dass die Bockwindmühle windgängig ist“, sagt Vereinsvorsitzender Martin Häniche. Was sie bei zahlreichen Mühlen- und Denkmalstagen bewies. Dann drehten sich die mächtigen Flügel, es knarkste und ächzte im Gebälk der alten Windkraft wie vor 200 Jahren. Am Ende durften die Besucher duftendes Schrot in die Hand nehmen und daran riechen. Sinnliche Erfahrungen, die man bei funktionsuntüchtigen Mühlen nicht machen kann.

Doch seit vergangenem Jahr muss der Vereinsvorsitzende die Vergangenheitsform wählen, wenn er von „windgängig“ spricht. Weil das Bruststück gebrochen war - es trägt die Flügel - wurden die Ruten mit ihren Jalousien im vergangenen Spätsommer abgenommen. Glück im Unglück: Wäre das nicht geschehen, hätte Orkan Friederike mit Sicherheit für noch größere Schäden gesorgt.

Seitdem sieht die Sachsendorfer Windmühle aus der Ferne wie ein unscheinbarer Turm aus.

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Förderanträge gestellt

Der 24-köpfige Verein hatte verschiedene Förderanträge gestellt. So zum Beispiel beim Leader-Programm, das der Entwicklung ländlicher Regionen dient. Zieht man verschiedene Internet-Beispiele zu Rate, wird deutlich, dass mit Hilfe dieses Fördertopfes schon vielen Windmühlen geholfen werden konnte.

„Wir haben berechtigte Hoffnung, dass Leader einen großen Teil der Reparatursumme übernimmt“, ist Martin Häniche zuversichtlich. Der Verein müsse allerdings noch seinen Eigenanteil aufbringen. Was er durch Sachleistungen, aber auch mit Euro und Cent tun kann. „Uns fehlen noch 2500 Euro“, reibt sich der Vereinschef das Kinn. Und ohne die Sicherstellung der Eigenmittel wäre auch die Leaderförderung passé. Deswegen drückt den Mühlenverein die Zeit. „Wenn dieser Beitrag in der Volksstimme erscheint, helfen uns vielleicht ein paar Leser oder verständnisvolle Sponsoren“, hofft Häniche.

Das alte, gebrochene Bruststück, an dem die vier Flügel angeschraubt sind, besteht aus Eichenholz. „Nachdem wir es abgenommen hatten, stellten wir Holzfäule fest“, weiß Mühlenhandwerker Reinhard Höfflin. Vermutlich hatte man beim Einbau vor Jahrzehnten die ersten Spuren dieses Mangels im Eichenholz übersehen. Jetzt soll das neue Bruststück aus Douglasie gefertigt werden, Nadelholz, das sich dafür besser eignet.

Flügel und Holzteile auswechseln

Doch es geht nicht nur um die Flügel. Auch andere wichtige Holzteile müssen ausgewechselt werden. Wie zum Beispiel der Mühlenbock, der quasi das Fundament der Windkraft darstellt. Dafür muss die Mühle spektakulär um 40 Zentimeter angehoben werden, was mit mehreren hydraulischen Hebern geschieht. Neue Bockschwellen aus Eiche werden dann eingebaut, das brüchige Steinfundament muss neu aufgemauert werden. Allein dieser Posten wird im Kostenvoranschlag mit 12 800 Euro angegeben. Bei dieser Gelegenheit - wenn die Mühle angehoben ist - soll zwischen Hausbaum und Mehlbalken eine Teflonplatte eingebaut werden. Diese Maßnahme dient der deutlichen Reibungsminderung und ist eine Investition in die Zukunft. Dafür müssen gerade mal 250 Euro aufgewendet werden. „Insgesamt sind das faire Preise der Fachfirma. Wenn man bedenkt, welcher Aufwand da betrieben werden muss“, gesteht Martin Häniche.

Eine besondere Beziehung zur Sachsendorfer Windmühle hat Eva Radespiel (77), die Gründungsmitglied und heute im Vorstand ist. Sie stammt aus der Windmüller-Dynastie Liebeherr und heiratete Gustav Radespiel, der den Mühlenverein nach der Wende gründete. „Hier habe ich schon so manchen Sturm erlebt. Aber richtig schlimm waren Kyrill und Friederike“, erinnert sie sich. Wenn Nachbar Häniche nur aus der Bodenluke seines Hauses zu gucken braucht, ob die Mühle Schaden genommen hat, ist Eva Radespiel noch dichter dran: Sie wohnt im ehemaligen Müllergebäude am Fuße der Windkraft.

Kontakt für Spender und weiterführende Informationen: Martin Häniche, Telefon (03 92 95) 17 99 35, E-Mail: martin@haeniche.de