Schönebeck. Die parteilose Stadträtin Anne Schönemann (Fraktion Die Linke) will einen Förderverein zur Rettung des Schönebecker Freibades gründen. Für das Vorhaben sucht sie derzeit mit Hilfe einer Postkartenaktion Mitstreiter. „Das Freibad ist besonders für Kinder wichtig. Dort können sie Schwimmen lernen und werden selbstständig“, begründet die 35-Jährige ihren Vorstoß. Sie selbst hat als Kind früher viel Zeit im Freibad verbracht, bevor sie alt genug war, um mit dem Rad zu den Seen in Ostelbien zu fahren.

Mit ihrer Postkartenaktion will sie nun enagierte Gleichgesinnte finden. „Wer sich aktiv in einen Förderverein einbringen möchte, kann sich mit der Postkarte bei mir melden“, sagte die Kommunalpolitikerin. Dabei möchte sie vor allem abfragen, ob es Leute gibt, die sich ernsthaft für das Anliegen engagieren möchten. Denn bisher gebe es eher widersprüchliche Erkenntnisse über die Haltung der Schönebecker zum Freibad. „In einer Umfrage der Volksstimme hatte sich ja eine überwältigende Mehrheit für einen Erhalt ausgesprochen“, sagte Anne Schönemann. Die Frage ist aber, ob die Schönebecker auch wirklich selbst etwas dafür tun wollen.

Druck auf eigene Kosten

200 Postkarten hat sie daher auf eigene Kosten drucken lassen, wobei ein Grafiker die Gestaltung unentgeltlich übernommen hat. Die Postkarten liegen bisher in der Volkshochschule, in der Sonnenapotheke und in der Bäckerei Ketzer aus. Auch bei den Händlern in der Innenstadt und an Haushalte in der Nachbarschaft des Freibades möchte Schönemann die Karten demnächst verteilen.

Konkrete Betreibermodelle für das Freibad hat sie zwar noch nicht entwickelt. Daran soll der zukünftige Förderverein mitarbeiten. Anne Schönemann hofft aber auf die Unterstützung der Stadt, der Unternehmen und auch von Sportlern und Vereinen. „Im besten Fall betreibt die Stadt das Freibad noch für fünf weitere Jahre“, sagte sie. Dann könnten auch notwendige Fördergelder organisiert werden. Bei der Sanierung des Feibades geht sie von Kosten zwischen 500.000 Euro bis 1,5 Millionen Euro aus, je nach Aufwand.

Unmut des Bürgermeisters

Mit der Umsetzung ihrer Postkartenaktion hat sich Anne Schönemann allerdings den Unmut von Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) zugezogen. Denn als Adresse für die Rückantwort für die Postkarten hat sie das Ratsbüro im Schönebecker Rathaus angegeben. Dort landen nun auch die Rückantworten der Bürger, sehr zum Ärger des Oberbürgermeisters. Die eingesendeten Postkarten mussten daher vom Rathaus an Anne Schönemann weitergereicht werden.

Bei der Vorstellung ihrer Aktion im Stadtrat entschuldigte sie sich daher auch für das Missgeschick bei der Stadtverwaltung. Zudem hatte sie die Aktion als Vorsitzende des Sozialausschusses initiiert, ohne mit den Mitgliedern des Ausschusses Rücksprache zu halten. „Ich mache das als Stadträtin“, sagte sie. „Es wäre schade, wenn das jetzt zum Streit mit der Verwaltung führt.“ Denn schließlich lasse sich das Freibad auch nur gemeinsam mit der Stadt Schönebeck erhalten.

Moralische Unterstützung

Von einigen anderen Stadträten erhält Anne Schönemann zwar moralische Unterstützung. Konkret beschäftigen sich die Politiker aber vor allem mit dem geplanten Komibad mit Halle und Außenbereich. Wobei das genaue Konzept für den geplanten Neubau am Bahnhof noch nicht feststeht.

Thoralf Winkler (Grüne) hält die Postkartenaktion aber durchaus für eine gute Idee. „Dadurch werden die Leute angeregt, sich einzubringen“, sagte er. Wenn das neue Kombibad jedoch einen gut ausgestatteten Außenbereich bekommt, wäre das Freibad wohl nicht mehr nötig. Das Problem: „Es sieht so aus, dass der Außenbereich des Kombibades immer weitere abgespeckt wird.“ Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefällt worden.

Bau des Kombibades

Warme Worte gibt es von der SPD. „Wir begrüßen jede Aktion, die das Engagement der Bürger fördert“, sagte Frank Schiwek, Vorsitzender der SPD-Fraktion. Auf der anderen gebe es aber einen Grundsatzbeschluss des Stadtrates für den Bau eines neuen Kombibades.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Torsten Pillat, hat eine eindeutige Haltung. „Die CDU steht klar zum Beschluss für das Kombibad“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Mit dem neuen Bad sei das Freibad auch nicht mehr notwendig.

Entscheidung ist gefallen

Der Vorsitzende der AfD-Fraktion, Olaf Ziem, erinnerte daran, dass die Partei bei der Entscheidung über die Zukunft der Bäderlandschaft noch nicht im Stadtrat saß. „Wir hätten uns aber für den Erhalt des Freibades ausgesprochen“, sagte Ziem. Inzwischen sei die Entscheidung bereits zugunsten des Kombibades gefallen.

Olaf Ziem ärgert sich vor allem darüber, dass das Konzept für den Neubau noch nicht feststeht. „Die Stadtwerke eiern nur rum und wollen sich nicht festlegen. Alles wird zerredet. Das ist der Nachteil der Demokratie“, sagte der AfD-Politiker. Daher sei es auch kein Wunder, dass das Thema Freibad immer wieder hoch kocht.

Scheitern im Hinterkopf

Anne Schönemann ist sich durchaus im Klaren darüber, dass ihre Aktion scheitern kann. „Ohne Unterstützung kann ich einen Förderverein auch nicht allein stemmen“, sagte sie. Daher wolle sie einfach wissen, ob die Schönebecker ihr Freibad nur vermissten oder wirklich aktiv werden wollen, um es zu erhalten. In anderen Städten gebe es schließlich Vereine, die sich erfolgreich für den Erhalt von Freibädern eingesetzt haben.

Wenn die Schönebecker das aber nicht wollen, sei das auch in Ordnung. Bisher hat Anne Schönemann etwa ein Dutzend Rückantworten von Bürgern erhalten. Die Aktion möchte sie bis Ende des Jahres laufen lassen. Im Januar soll es dann ein Treffen mit allen Interessierten geben. Dann werde man sehen, ob es genügend Unterstützer für die Gründung eines Fördervereins gibt.