Pömmelte l Jack Saunders (19) schüttelt seine Plastikflasche mehrmals kräftig durch – der Versuch, aus sprudeligem stilles Wasser zu machen. Er rümpft die Nase und sagt: „Also das mit dem Wasser hier verstehe ich nicht.“ In England seien die blauen Flaschen ohne und die roten Flaschen mit Kohlensäure. Hier sei es genau vertauscht.

Die jungen Engländer sitzen im Schatten – eine wohlverdiente Frühstückspause. Seit vergangener Woche sind die Archäologiestudenten der University of Southampton als Ausgrabungshelfer zu Gast in Pömmelte. Bei den aktuellen Ausgrabungen am Ringheiligtum dabei sind auch zwei deutsche Studenten von der Martin-Luther-Universität Halle – die beiden Einrichtungen sind Partnerunis.

Teil des Studienprogamms

Die Engländer, die gerade ihr erstes Jahr abgeschlossen haben, freuen sich, in Pömmelte ausgraben zu dürfen. „Es ist Teil unseres Studienprogrammes, über die Sommerferien an Ausgrabungen teilzunehmen“, erzählt Saranki Sriranganathan (19). Für Pömmelte hätte es nur zehn Plätze gegeben, deshalb sei sie stolz, dabei sein zu dürfen. Sie erklärt: „Ich finde es total spannend, dass es hier eine Stätte gibt, die unserem ‚Stonehenge‘ so ähnelt.“

Bilder

Den Studenten mache derzeit jedoch vor allem die Hitze zu schaffen. „Beim Ausgraben ist die Erde knochentrocken“, sagt der Hallenser Dennis Hoffmann und auch die Engländerin Kate Demol (19) fächert sich Luft zu. „Es ist so ein Klischee, aber ich vermisse gerade wirklich unser englisches Regenwetter“, sagt die Studentin.

Am Ringheiligtum sind die Ausgrabungshelfer etwa acht Stunden täglich beschäftigt, danach unternehmen sie gemeinsam etwas. „Wir sind inzwischen richtig als Gruppe zusammengewachsen“, sagt Saranki Sriranganathan. Denn obwohl sie alle an die gleiche Uni gehen, hätten sie sich davor kaum gekannt. Jetzt haben sie schon gemeinsam Magdeburg besucht, geplant ist unter anderem noch ein Ausflug nach Halle. Und in dieser Woche gab es bereits einen Grillabend mit Kultur-Staatssekretär Gunnar Schellenberger und Landrat Markus Bauer.

Fußball ist immer aktuell

Auch die Spiele der englischen Fußballmannschaft verfolgen sie. „Den überraschenden Erfolg beim Elfmeter-Schießen können wir noch immer nicht fassen“, sagt Jack Saunders. Das Viertelfinale wollen sie, wenn möglich, in einer Kneipe verfolgen.

Noch bis Mitte Juli graben die Studenten am Ringheiligtum aus – insgesamt drei Wochen. Dabei stehen nicht nur die praktischen Erfahrungen an einer echten Ausgrabungsstätte, sondern nicht zuletzt auch der Kontakt zu den deutschen Studenten im Mittelpunkt.

Die arbeiten übrigens nicht nur zusammen, sondern wohnen auch gemeinsam in Bungalows auf dem nahegelegenen Flugplatz. Dort müssen sie sich selbst verpflegen – und auch selbst im Supermarkt einkaufen. Die Autofahrt dorthin überlassen die Engländer aber doch lieber ihren deutschen Kollegen. „Und freundliche Anwohner aus Pömmelte haben uns auch schon mitgenommen“, sagt Kate Demol. Warum setzen sich die Studenten trotz vorhandener Führerscheine nicht selbst ans Steuer? Jack Saunders lacht und spielt auf den hier herrschenden Rechtsverkehr an: „In Deutschland sind eben nicht nur die Etikette von Wasserflaschen vertauscht.“