Barby l Woher sein Interesse für Friedhöfe kommt, kann Matthias Hilbig selbst gar nicht sagen. „Es ist mein Steckenpferd“, sagt der Architekt. Deshalb hat er bereits 2016 auch der Stadt Barby angeboten, kostenlos einen Plan für die Umgestaltung des Friedhofs zu erstellen. Grundmotivation war: Friedhöfe sind nicht mehr so voll wie früher, gerade in kleineren Orten. Deshalb muss ein anderes Nutzungskonzept her. Hilbig wollte auch in seiner Heimatstadt Barby dem Trend aus anderen Städten folgen, und aus dem kleinen Friedhof eine Parklandschaft machen.

Der andere Grund, wegen dem die Stadt Barby vor allem an der Friedhofslandschaft bauen musste, ist der Hochwasserschutz. Die Wege mussten erneuert werden. Zwei davon sind bereits fertig, ein dritter ist in Arbeit. Hilbig ist sehr zufrieden damit, dass es bereits so gut vorwärts geht.

Müllentsorgung problematisch

Allerdings, ginge es vollständig nach seinem Konzept, würde der Friedhof jetzt bereits anders aussehen. Die Wege hatte er sich als gerade Achsen vorgestellt, zu denen die Bäume alleeartig mit einem gewissen Abstand zu den Wegen stehen. „Das hätte man auch gerade machen können“, sagt Hilbig mit Blick auf die leicht verschlungenen Wege, in deren Kurven meist Bäume stehen. Ein anderer Weg hat ein anderes Problem: Er ist im Gegensatz zu den Gräbern am Rand viel zu hoch liegend. „Wenn man sich überlegt, dass gerade ältere Menschen den Friedhof oft besuchen, dann ist das nicht barrierefrei“, erklärt der 41-Jährige.

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Ein weiteres Problem, das vor allem ältere Menschen betrifft, sieht er bei der Müllablage. Es finden sich beim Friedhofseingang zwar große Müllcontainer, jedoch muss der Müll erst einmal dorthin kommen. Dafür, so Hilbig, stellt die Stadt Wagen bereit, um den Müll zu den Containern zu fahren. Jedoch ist es für Menschen, die den Friedhof ohnehin mit dem Rollator besuchen, schwierig, dabei noch diesen Wagen zu fahren. Aber Hilbig hofft, dass dieses Problem mittelfristig angegangen wird.

Zentrale Sammelstelle

Eines der Punkte seines Konzepts, die halbanonyme Bestattungsanlage, ist bereits umgesetzt worden. Zumindest, was das Design betrifft. Platten liegen hier kreisrund angeordnet. Darauf stehen Vasen und Blumengewächse. Allerdings sind die Platten mit Namen versehen. Das ärgert Hilbig, obwohl er sich, wie er sagt, darüber freut, dass ein Teil seines Konzepts bereits umgesetzt wurde. „Das ist nicht halbanonym. Dann würde hier zum Beispiel eine Stele mit den Namen stehen."

Es handle sich vielmehr um Urnenreihengräber. Auch, dass Besucher ihre Gestecke auf den jeweiligen Platten ablegen, sei nicht der Sinn der Friedhofssatzung. „Es gibt eine zentrale Sammelstelle für die Mitbringsel und man müsste darauf achten, dass Pflanzen auch wirklich nur dort abgelegt werden“, so Hilbig. Denn wenn die Wiese drum herum gemäht werden soll, müssen alle Gestecke beiseite geräumt werden, was für die Friedhofsmitarbeiter einen zusätzlichen Arbeitsaufwand darstellt.

Hoffen auf Zusammenarbeit

Eine stete Zusammenarbeit oder jederzeitige Abstimmung hätte Hilbig der Stadt zugesagt, allerdings würde dies seitens der Stadt nur sehr wenig angenommen. „Ich weiß ja, dass das, was ich bemängele, jetzt nicht gerade lebensnotwenig ist und die Umgestaltung mehrere Jahre, gar Jahrzehnte, in Anspruch nehmen wird.“ Dennoch müsse jetzt schon daran gearbeitet werden, um in den nächsten Jahren umbauen zu können. Noch hoffe er auf eine engere Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

Diese äußert sich zu den gegenwärtigen Bauvorgängen. „Die Arbeiten an den bestehenden Wegen auf dem Friedhof in Barby werden aus dem Aufbauhilfefonds Hochwasserschaden 2013 finanziert“, so Frank-Holger Heinrich vom Bauamt. „Hierbei geht es um die Schadenbeseitigung an den vorhandenen Wegen, es werden also keine neuen geplant“, betont er. Auch der Belag der Wege werde nicht geändert. Hier sei ein Ingenieurbüro aus Calbe im Auftrag der Stadt tätig. Für die Art der Ausführung hat die Stadt Barby eine denkmalrechtliche Genehmigung erhalten. Nach dieser Genehmigung sei zwingend zu verfahren.

Die zukünftige Gestaltung des Friedhofes sei dagegen gesondert zu betrachten. Entscheidungen hierzu, vor allem der Finanzierung, muss der Stadtrat treffen.