Tornitz-Werkleitz l Edeltraud Naumann und ihr Ehemann Axel sind sauer: „Es kann doch nicht sein, dass wir hier regelmäßig neue Blumen pflanzen müssen, weil seit Monaten Rehe den Friedhof heimsuchen.“ Und in der Tat: Einige Grabstellen sind zerwühlt, die Blumen abgefressen. Von den Blüten ist nichts mehr zu sehen.

Anfangs geschah das nur in den ersten zwei Monaten der Vegetationsphase, wenn die Tiere in freier Natur noch nicht genug Nahrung fanden. Also im April, Mai. Doch mittlerweile haben die Rehe - die als Feinschmecker unter den Wildtieren gelten - dauerhaft Gefallen an dem Werkleitzer Friedhof gefunden. Auch in diesen Tagen statten sie noch immer der gepflegten Anlage am Ortseingang regelmäßig ihre Besuche ab.

Maßnahmen: Wirkungslos

„Ich habe deswegen schon einige Male im Barbyer Rathaus angerufen. Vor vier Wochen war ich persönlich da“, versichert Edeltraud Naumann. Doch bisher seien keine wirkungsvollen Maßnahmen ergriffen worden. Ihre Betonung liegt auf „wirkungsvoll“.

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Bereits nach Pfingsten habe ihr die Friedhofsverantwortliche zugesagt, dass man sich kümmern werde. „Das ist auch geschehen. In einer Ecke haben sie ein paar Meter Zaun gespannt“, sagt die Werkleitzerin sarkastisch. Doch der sei „witzlos“, weil die Rehe einen anderen Weg finden. „Die kommen ganz bequem neben der Trauerhalle auf den Friedhof“, deutet Axel Naumann auf einen etwa sechs Meter breiten Abschnitt am Eingang.

„Wir haben hier 2.000 Euro für die Liegezeitverlängerung der Grabstelle bezahlt“, deutet das Paar auf das Doppelgrab der Eltern. Dafür könne man auch eine Gegenleistung erwarten.

Tiere kommen aus der Saaleaue

Die Tiere kommen zumeist in der Dämmerung aus der Saaleaue. Der Werkleitzer Friedhof ist nicht eingezäunt, sondern wird von einer dichten Hecke eingefriedet. Wenn die Hinterbliebenen die Gräber ihrer Angehörigen mit frischen Frühjahrsblumen bepflanzt haben, gibt es für das Wild viel Schmackhaftes zu fressen.

So sind einige Angehörige dazu übergegangen, die Gräber mit halbrunden Drahtgittern oder Vogelnetzen zu überspannen, damit das Rehwild nicht an die Blumen gelangt. „Einzig wirkungsvoll kann nur sein, einen Zaun um den Friedhof zu bauen, damit er ein echtes Hindernis für die Rehe darstellt“, so die Naumanns.

„Der Revierpächter hat das Vergrämungsmittel Hukinol gegen die Rehe ausgebracht“, antwortete Hegeringleiter Tobias Wostry bereits im Mai auf Volksstimme-Anfrage. (Der Jäger oder Landwirt träufelt die Flüssigkeit des Vergrämungsmittels auf Lappen und bestreicht Holzpfähle damit. Dieser Vorgang sollte nach etwa zwei Wochen wiederholt werden.)

Eine besondere "Optik"

„Bei uns waren es solche Stinkbänder, die auch ein bisschen Wirkung zeigten. Aber nicht lange“, winkt Edeltraud Naumann ab. Dass die „Optik“ durch flatternde Bänder an einem Ort der Trauer litt, hätten die Werkleitzer ja noch toleriert. „Nur der Bestatter hat sich gewundert, dass es hier wie auf einer abgesperrten Baustelle aussieht“, erinnert sich die Werkleitzerin.

Bürgermeister Torsten Reinharz zeigte sich verwundert über das Reh-Problem: „Das habe ich nicht gewusst, dass die Rehe da immer noch eindringen.“ Er versprach Hilfe: „Kein Thema, da müssen wir was machen.“ Zumindest soll die Heckenlücke neben der Trauerhalle geschlossen werden.