Bad Salzelmen l Mit einer Besuchergruppe einfach mal so durch Schönebeck spazieren, hier und da mal anhalten und etwas zu den Sehenswürdigkeiten erzählen? So einfach ist das Gästeführer-Dasein nicht. Das wissen Hans-Jürgen Koch und Rudi Schedler. Sie unterstützen das Solepark-Team seit zehn Jahren als sogenannte externe Gästeführer. Doch vor der Kür kam die Pflicht: eine mehrmonatige Ausbildung im Solepark mit Prüfung zum Stadtführer plus ein stattlich anerkannter Lehrgang an der Universität Magdeburg. Zehn „Pioniere der ersten Stunde“ sind es damals gewesen.

Die beiden Herren sind heute noch mit Leib und Seele und jeder Menge Engagement dabei. Jeder von ihnen kann auf mehr als 100 Führungen verweisen, gemeinsam haben sie schon mehr als 3.000 Besuchern, aber auch Einheimischen, die Vergangenheit und die Gegenwart Schönebecks nähergebracht.

In einer kleinen festlichen Runde, zu der das Solepark-Team Hans-Jürgen Koch und Rudi Schedler mit ihren Frauen als Dankeschön für zehn Jahre Einsatz eingeladen hatte, erinnerte Andrea Silber – sie leitet den Kunsthof, über den das Angebot läuft – an verschiedene besondere Führungen. So der abendliche Rundgang durch die Elbestadt. Im Duo führten die Herren anderthalb Stunden durch Schönebecks Altstadt, mit Besteigen des Salzturms sowie Einkehr in den Ratskeller. „Hier gab es zur Stärkungen einen ganz besonderen Kräuterlikör“, merkte Andrea Silber augenzwinkernd an. Nach vier Jahren – 17 Führungen – wurde das Angebot wegen zu geringer Teilnehmerzahl eingestellt.

Anlässlich 20 Jahre „Wende“ sei eine weitere neue Führung erarbeitet worden, so Andrea Silber. Schwerpunkt war das Leben zu DDR-Zeiten. Das Angebot war zeitlich befristet.

Pfännertour sehr beliebt

Oder die „Pfännertour durch Bad Salzelmen“, die Hans-Jürgen Koch und Rudi Schedler 2009 gestartet haben. In schicken geschichtsträchtigen Uniformen. Bis heute. „Ein sehr beliebter Rundgang, den wir etwa 60 Mal als öffentliche Führung angeboten haben. Weitere Gruppen haben sich bereits für die Buchung der Pfännertour entschieden. Aktuell wird die Führung von April bis einschließlich Oktober angeboten“, erzählt Andrea Silber.

Doch damit nicht genug. Damit die Reha-Patienten gut informiert sind, begleitet Rudi Schedler Busrundfahren und Hans-Jürgen Koch informiert – mit Dietrich Klemme – bei einem Solevortrag über die Historie von und Aktuelles aus Bad Salzelmen. Zudem lässt Hans-Jürgen Koch in den Sommermonaten die Führung über den Gertraudenfriedhof wieder aufleben und führt auch ganzjährig durch die Johanniskirche.

„Vielen Dank für die vergangenen zehn Jahre. Wir wünschen uns sehr – das Einverständnis Ihrer Ehefrauen vorausgesetzt – dass Sie noch ein bisschen weitermachen“, formuliert Andrea Silber die große Hoffnung des Solepark-Teams. Rudi Schedler muss schmunzeln. „Eigentlich hat meine Frau das Dankeschön verdient. Sie hat mich damals motiviert mitzumachen.“

Begeisterte Wahl-Schönebecker

Beide – Hans-Jürgen Koch und Rudi Schedler – interessieren sich – wie sollte es anders sein und wohl auch eine Grundvoraussetzung – für die Geschichte ihrer Stadt. Beide sind als junge Erwachsene nach Schönebeck gezogen. Beide berufsbedingt. Hans-Jürgen Koch (74) ist gebürtiger Salzwedeler. Er hatte im Dieselmotorenwerk gearbeitet, in der Versuchsabteilung; hatte später eine eigene Firma. Rudi Schedler (79) kommt aus Naumburg, war von Haus aus Bio- und Chemielehrer, unterrichtete später auch Kunsterziehung und Wirtschaft.

Letzterer ist durch die Anregung seiner Frau zum Gästeführen gekommen. Und Hans-Jürgen Koch? „Schönebeck hat eine ganz besondere Historie. Nicht nur, dass die Stadt aus den Städten Salzelmen, Schönebeck und Frohse besteht. Auch die Bedeutung der Salzherstellung. Die Pfänner haben die Stadt geprägt und sie zur reichsten im Bistum gemacht“, erzählt er. „Ich habe gemerkt, dass viele Schönebecker das gar nicht wissen. Das finde ich sehr schade. Denn ich sage mir: Wer keine Vergangenheit hat, hat auch keine Zukunft.“

Ihr Geheimtipp? „Die Johanniskirche“, sagt Hans-Jürgen Koch. Sie habe ihn besonders geprägt und beeindrucke ihn immer wieder in ihrer Schönheit und Geschlossenheit in der Ausstattung. „Ja, um die Johanniskirche kann man keinen Bogen machen“, pflichtet Rudi Schedler bei. Für ihn ist der Malerwinkel von ganz besonderer Faszination. Ecke Schneidewindstraße/Rosmarienstraße. „Von da aus hat man einen einmaligen Blick auf Johanniskirche, Rosmarienstraße und ehemaliges Rathaus.“

Die Begeisterung für die Sache – das Näherbringen der Geschichte und Schönheit der Stadt – ist ihnen anzumerken, selbst, wenn sie keine Gäste führen. Diese Leidenschaft wisse das Solepark-Team zu schätzen. „Danke an Sie, danke an Ihre Frauen. Ob feiertags, Wochenende oder zu den ungewöhnlichsten Zeiten – wenn ich anrufe und Sie brauche, machen Sie es auch immer möglich“, so Andrea Silber. Sie sei immer wieder angetan von der Verlässlichkeit und Unkompliziertheit der beiden. Diese winken ab. „Für Sie ist das normal, aber so ist es nicht. Bei Ihnen weiß ich: Es läuft. Bei Ihnen spürt man, Sie machen das mit Herzblut. Sie sind die Botschafter der Stadt. Sie liefern die Geschichten hinter der Geschichte.“

Der Solepark sucht weitere externe Gästeführer, um Spitzenzeiten zu deckeln. Denn manchmal gebe es, so Andrea Silber, Anfragen zu Führungen von sechs Gruppen gleichzeitig. Zudem will das Team neue Angebote offerieren. Interessenten können sich im Kunsthof, Badepark 1, oder unter Telefon (03928) 70 55 55 melden.