Großmühlingen l Während andere Kinder in ihrer Freizeit mit dem Computer spielen, kümmern die fünf Teilnehmer der Kreisjugend-Jungtierschau in Großmühlingen sich nach der Schule um ihre Hühner oder Tauben. Eine große Verantwortung für die Acht- bis 13-Jährigen. Ein Hobby, das viel Wissen, Beobachtung, harte Arbeit und Schweiß abverlangt.

Und überhaupt, wie kommt ein Kind auf die Idee, Rassegeflügel zu züchten? Meist durch die Familie oder das direkte Umfeld, sagt Stephan Kralisch vom Geflügelzuchtverein Großmühlingen. So erzählt der zehnjährige Lockentaubenzüchter und neuer Kreisjugendmeister Moritz Fries: „Mein Papa züchtet auch Geflügel, da habe ich mich für Lockentauben entschieden.“ Und auch Yves Buhrau (13) aus Calbe berichtet: „Mein Nachbar züchtet. Als ich meine eigene Zwerghuhn-Zucht wollte, hat meine Familie mich unterstützt.“ So habe er zunächst bei seinem Großvater die Hühner gehalten, inzwischen hat Yves zuhause bei den Eltern 15 Hühner.

Hilfe von der Familie

Junge Geflügelzüchter wie Moritz oder Yves sind eine Seltenheit geworden, weiß Stephan Kralisch, der sein Amt des Kreisjugendleiters seit einem Jahr an den Plötzkyer Kaninchen- und Geflügelzüchter Sascha Hillmer abgegeben hat. Daran seien jedoch nicht – wie oft vermutet – die Handys - und Computerspiele schuld, glaubt Kralisch. „Die Grundstücke, die sich junge Erwachsene heutzutage kaufen, sind nicht mehr so angelegt, wie früher“, sagt der Taubenzüchter aus Großmühlingen.

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Außerdem stecke dahinter auch das generelle Problem, dass immer mehr junge Menschen vom Dorf in die Stadt ziehen, weil sie nur dort einen gut bezahlten Arbeitsplatz finden. Sascha Hillmer glaubt: „Den Nachwuchs gibt es nur dank der Hilfe und Unterstützung von Eltern und Großeltern.“

Etwa zwei Stunden täglich

Denn Tierzucht verlangt neben Geld und Platz vor allem eins: Zeit. „Ich verbringe täglich etwa zwei Stunden mit meinen Tauben“, bestätigt Stephan Kralisch. Und anders als ein Computerspiel, kann man Tiere nicht einfach für einen Tag ignorieren, weil man keine Lust hat. „Deshalb sage ich immer, dass Kinder und Jugendliche durch die Geflügelzucht lernen, frühzeitig Verantwortung zu übernehmen“, so Sascha Hillmer.

Stephan Kralisch hofft, dass sich noch mehr Jugendliche für die Geflügelzucht begeistern können. Denn für ihn ist es noch immer ein Hobby, das sich lohnt. Er schwärmt von Erfolgen auf Europashows, dem tollen Gefühl, wenn man als Züchter merkt: „Ich habe meine Arbeit gut gemacht und das wird jetzt anerkannt.“

Schweiß und harte Arbeit

Doch hinter dem persönlichen Erfolg steht für ihn und seine Zuchtkollegen immer die Leidenschaft für die Rassen, das Kulturgut, das die Züchter über die Jahre mit viel Schweiß und harter Arbeit entwickelt haben. Kralisch: „Wenn es keinen Nachwuchs mehr gibt, verschwinden auch Rassen, die durch uns entstanden sind und perfektioniert wurden.“

Apropos perfekt: Bei der Jugendschau gibt es zwar einen Kreismeister, allerdings betont Stephan Kralisch: „Es war ganz knapp. Jeder junge Züchter kann mächtig stolz auf seine Leistung sein.“