Schönebeck l Hubert Falk schaut kopfschüttelnd über den Gebührenbescheid. Er habe seit gut 50 Jahren seinen Bungalow im Naherholungsgebiet Plötzky, noch nie habe er eine Müllgebühr bezahlen müssen. Warum auch, er nehme seinen Müll immer mit nach Hause und entsorge ihn dort. Ab Juni soll er nun neben der Abfallgebühr für seine Wohnung in Schönebeck diese auch für seinen Bungalow in Plötzky zahlen. Die anteilige Rechnung über 23,28 Euro für die Monate Mai bis Dezember (34,92 Euro pro Jahr) hat er nun zugestellt bekommen.

Doch den Bescheid will Hubert Falk so nicht hinnehmen. „Ich gehe davon aus: Ich kann nur einmal Müll produzieren. Entweder hier in Schönebeck und ich lasse ihn hier – oder in Plötzky und dann bringe ich ihn mit.“ Die Gebühr sei ja nicht immens hoch, aber ihm gehe es ums Prinzip, sagt er. Zwar habe er – unter Vorbehalt – erst einmal bezahlt, aber zeitgleich über seinen Anwalt Widerspruch eingelegt.

Bislang "nicht korrekt"

Ralf Felgenträger, Leiter des Kreiswirtschaftsbetriebes, kann sich gut vorstellen, dass die Bungalownutzer, die ihr Domizil nicht als Haupt- oder Nebenwohnung angemeldet haben und somit bislang keine Abfallgebühr bezahlen mussten, sich über die Bescheide, die nun nach und nach rausgehen, ärgern. Über Jahre lief es so – angenehm für die Nutzer, „aber eben nicht korrekt“.

Denn die überwiegende Mehrheit der Nutzer der über 2500 Parzellen im Naherholungsgebiet Plötzky/Pretzien würden zwar nicht aus dem Salzlandkreis kommen, aber die hiesige Abfallentsorgung nutzen. „Die Widersprüche und Anfragen erreichen uns aus Braunschweig, Berlin, Magdeburg, dem Jerichower Land und weiteren Gebieten. Alle sind der Auffassung, am Heimatort schon genügend Müllgebühren zu bezahlen. Davon haben der Salzlandkreis und seine Gebührenzahler nichts“, betont Ralf Felgenträger. „Aus dem Grund wäre es ungerecht, die Mehrmenge an Abfall durch die anderen Gebührenzahler im Salzlandkreis mit bezahlen zu lassen.“

Thematik nicht neu

Die Thematik sei nicht neu. „Das geht schon seit Jahren so.“ Es gab viele Gespräche zwischen Erholungs- und Freizeitverein Plötzky, Stadt Schönebeck und Salzlandkreis, um eine rechtliche Grundlage zu schaffen. Dies sei nun passiert: Die Abfallentsorgungs- und Gebührensatzung ist um den Begriff „wohnzweckähnlichem Gebrauch“ ergänzt und vom Kreistag beschlossen wurden.

Längst überfällige Regelung

Diese Regelung sei wichtig und richtig und längst überfällig, so Ralf Felgenträger. „Was ist ein Bungalow? Es ist ein Ferienhaus. Ein Ferienhaus ist ein bebautes Grundstück mit mindestens einer Küche, Wohn- und Schlafraum und Nebengelass. Somit fällt nicht nur der klassische Restabfall an, sondern auch Sperrmüll, Grünabfälle und alle anderen Abfälle, welche im ersten Haushalt auch anfallen. Jeder Bungalowbesitzer oder –nutzer produziert also doppelt so viel Abfall als jemand, welcher nur einen Wohnsitz hat.“

Entlastung möglich

Für den Restmüll konnten sich die Bungalownutzer an den Stützpunkten im Naherholungsgebiet Abfallsäcke kaufen, befüllen und dann zur Abholung bereitstellen. (Diese Regelung gelte noch, bis jeder eine Mülltonne habe.) Doch was ist mit Grüngut und Sperrmüll? Auch das falle an. Und eben diese Leistungen sind mit der Grundgebühr gedeckelt – die aber eben bislang nur zahlte, wer seinen Bungalow als Haupt- oder Nebenwohnung angemeldet hatte.

Es sei ja nicht so, dass man nicht Alternativen ausprobiert habe, so der Leiter des Kreiswirtschaftsbetriebes. „Wir hatten auch schon mal zentrale große Mülltonnen aufgestellt. Aber der Platz war schnell total vermüllt. Und natürlich waren es immer die anderen.“

Gebührenminderung möglich

Dennoch wolle man Leuten wie Hubert Falk entgegenkommen. „Für die Bungalowbesitzer, welche im Salzlandkreis ihren Hauptwohnsitz haben und nachweisen können, dass sie den Bungalow nur saisonal nutzen, ist eine Gebührenminderung um 50 Prozent möglich“, erklärt Ralf Felgenträger. Hat jemand also seine Hauptwohnung in Schönebeck, zahlt er dort 100 Prozent Abfallgebühr plus für seinen Bungalow in Plötzky oder Pretzien 50 Prozent.

Das werde auf schriftlichen Antrag hin geprüft. Und genau dazu rät er auch Hubert Falk. Damit wolle der kreisliche Eigenbetrieb einen Konsens zwischen der Mehrmenge an Abfall und der zeitweiligen Nutzung erreichen. „Und dies ist wieder gerecht gegenüber den Gebührenzahlern, welche nur eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer haben und nur ein Grundstück nutzen.“