Magdeburg/Schönebeck l Prozessauftakt im Landgericht in Magdeburg: Es hat die Verhandlung gegen den 34-jährigen Schönebecker Christian S. und den 24-jährigen Dominik H. aus Barby begonnen. Den beiden Männern wird vorgeworfen, zwischen Mai 2017 und April 2018 in Schönebeck und Umgebung insgesamt 17 Einbrüche begangen zu haben. Bei dreien soll es lediglich beim Versuch geblieben sein. Zudem hätten sie die Einbruchdiebstähle im gewerbsmäßigen Stil durchgeführt, um sich so eine fortlaufende Einnahmequelle zu sichern.

Die Anklageschrift verliest Staatsanwalt Armin Gebauer. Das Prozedere zieht sich einige Minuten. Schließlich werden zu den 17 Taten jeweils die Orte, der Tatzeitraum und die entwendeten Gegenstände aufgezählt. So sollen S. und H. in eine Bäckerei in Schönebeck, einen Friseursalon in Barby, eine Kita in Kleinmühlingen, ins Bürgerhaus in Plötzky und in einige weitere Einrichtungen und Geschäfte eingebrochen sein. Dabei sollen sie Gegenstände im Gesamtwert von rund 7000 Euro erbeutet haben.

Angeklagte gestehen Taten

Als die Vorsitzende Richterin Claudia Methling den Angeklagten das Wort erteilt, zeigen die beiden Männer sich sofort geständig. Dominik H. sagt: „Ich gebe alles zu. Es war so, wie es eben vorgetragen wurde.“ Nur eine Sache würde nicht stimmen, schickt der Barbyer hinterher: Dass sie bei ihrem Einbruch in der Autowaschanlage in Schönebeck Ersatzteile für einen VW Touareg mitgenommen hätten, sei nicht korrekt. Auch Christian S. bestreitet, die Ersatzteile für den Wagen gestohlen zu haben. „Sonst passt das aber alles so“, ergänzt er trocken.

Trotz der Geständnisse will Richterin Claudia Methling noch mehr Wissen und befragt die beiden Männer zu ihrer letzten Tat. Diese war in der Nacht vom 12. auf den 13. April 2018, als das Duo in die Räumlichkeiten der Freiwilligen Feuerwehr Calbe einstieg. „Was haben Sie dort gesucht?“, fragt Methling. „Nichts bestimmtes. Alles was man zu Geld machen kann“, antwortet Dominik H.

Unterschiedliche Beute

Dass H. und S. bei der Auswahl ihrer Beute nicht wählerisch sind, zeigt sich bei einem Blick auf die Liste der entwendeten Gegenstände. Sie haben Computer-Lautsprecher aus einer Schönebecker Fahrschule gestohlen, ein Päckchen Kaffee und mehrere unalkoholische Getränke aus einem Schönebecker Imbiss, Haarschneidemaschinen, Glätteisen und einen Fön aus einem Friseursalon in Barby, sowie Bargeld, Laptops, Kinderspielzeug, eine Digitalkamera, eine Stereoanlage und einen Rasentraktor.

Die Beute haben die beiden Männer zu gleichen Teilen untereinander aufgeteilt, sagen sie. Das Geld hätten sie für ihren Lebensunterhalt genutzt. „Auch für Drogen?“, hakt Richterin Methling nach. „Ja, auch für Drogen“, antwortet Christian S. Er rauche täglich rund fünf Gramm Cannabis und nehme hin und wieder Kokain oder Ecstasy, teilt er der Richterin auf eine weitere Nachfrage mit. Auch Dominik H. bestätigt der Richterin, dass er regelmäßig Cannabis konsumiert. Zwei bis drei Gramm rauche er am Tag – je nach „Stresslevel“. An das Geld für die Betäubungsmittel sei er durch die Straftaten gekommen. Mittlerweile ist Dominik H. Leistungsempfänger und finanziert seinen Cannabiskonsum mit Hartz IV, erklärt der Barbyer der Richterin.

Fenster aufgehebelt

Bei der Durchführung der Taten haben sich die beiden mit den Aufgaben abgewechselt. Jeder war mal damit dran, ein Fenster aufzuhebeln oder Schmiere zu stehen, sagen die beiden Männer aus. Bei den meisten Einbrüchen haben sie Fenster aufgebrochen oder mit Gullideckeln Scheiben eingeschlagen.

Doch zurück zur letzten Tat der beiden Männer: Während ihrer Suche nach Wertsachen in der freiwilligen Feuerwehr Calbe, fährt Wehrleiter Lars Roschkowski auf das Gelände. Er wurde zuvor von einer Anwohnerin angerufen, die die zwei Männer bei der Feuerwehr gesehen hatte. S. und H. nehmen daraufhin ohne Beute Reißaus. Sie begeben sich zum rund 500 Meter entfernten Parkplatz des Netto-Marktes, wo sie ihr Auto abgestellt haben. Dort wartet aber die bereits informierte Polizei.

Diebesgut entdeckt

Die Beamten nehmen die Personalien auf und durchsuchen den Wagen. Im Inneren finden sie Diebesgut, welches S. und H. in der selben Nacht in der Kita in Kleinmühlingen erbeutet haben. Da zu dem Zeitpunkt der Kitaeinbruch noch nicht gemeldet war, durften die zwei Männer gehen, das Auto musste sie jedoch stehen lassen. Später lag der Polizei eine Liste vor, was in der Kindertagesstätte Kleinmühlingen gestohlen worden war – so konnte das Diebesgut zweifelsfrei identifiziert und der Einbruch den beiden Männern zugeordnet werden.

Die Verhandlung gegen die beiden Männer und die Anhörung der Zeugen wird am 28. Oktober im Landgericht in Magdeburg fortgesetzt. Am 29. Oktober werden voraussichtlich die Plädoyers gehalten und das Urteil gesprochen.