Studienfahrt

Geschichte pur

In jahrgangsübergreifenden Teams haben die Schüler der 9. und 10. Klassenstufe des Hermann-Gymnasiums Fahrten innerhalb Europas unternommen.

Von Carolin Soyke 04.11.2016, 17:44

Schönebeck l Die Lehrer des Gymnasiums möchten den Schülern nicht nur fachwissenschaftliche Bildung vermitteln, sondern auch die Chance bieten, internationale Kontakte knüpfen zu können. Ein Schwerpunkt, „um das interkulturelle Lernen und die interkulturelle Bildung zu fördern, sind deshalb Studienfahrten nach Rom, Frankreich, Berlin und ins Elsass", sagt Französischlehrerin Antje Wieduwilt. Sie erklärt weiter: „Wir haben ganz bewusst die Schüler aus den verschiedenen Jahrgängen gemischt, so dass neue Gruppen entstanden sind. Klassische Klassenfahrten führen wir nicht mehr durch."

Diese Fahrt stand unter dem Motto: „Vom Schlachtfeld zur Verständigung - 100 Jahre deutsch-französische Beziehungen". An der Studienfahrt ins Elsass nahmen 22 Schüler teil.

Mit einem Bus fuhr das Team 750 Kilometer, um von Schönebeck ins Elsass zu gelangen. Am ersten Tag wanderten sie auf den Spuren des Ersten Weltkrieges. Durch ein Geschichtsprojekt, das die Partnerschule in Frankreich durchführte, hat eine Schülerin alte Schulhefte gefunden. In diesen hat ihr Opa Aufzeichnungen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg hinterlassen. „Wir haben an dem Projekt mitgearbeitet und die Aufzeichnungen ins Deutsche übersetzt. So sind wir auf Hartmannswillerkopf gestoßen, diese Bergkuppe wollten wir uns unbedingt ansehen." Die Bergkuppe im Elsass war im Ersten Weltkrieg hart umkämpft. „Wir haben uns vor Ort die Schützengräben und Verteidigungsanlagen angesehen. Diese sind sehr gut erhalten", so Antje Wieduwilt. Sie weiß, dass Schüler sich die großen Schlachten schwer vorstellen können. „Vor Ort konnten wir erkennen, dass die feindlichen Schützengräben nur 70 Meter voneinander entfernt waren", sagt die Lehrerin. Auch ihr sei erst vor Ort richtig bewusst geworden, unter welchen Bedingungen die Menschen am Hartmannswillerkopf leben mussten und wie sie dort kämpften. Am Abend ging es zurück in die Jugendherberge nach Breisach. Am zweiten Tag fuhren sie zum Konzentrationslager (KZ) Natzweiler-Struthof. Früher war dieses KZ ein Arbeitslager, in dem Steine für die Hauptstadt Germania abgebaut wurden. Noch am gleichen Tag besichtigten die Schüler das Unterlinden-Kunstmuseum in der Stadt Colmar. „Der Isenheimer Altar ist ein Kunstwerk, das man unbedingt gesehen haben muss", so die Lehrerin. Auf diesem sind biblische Motive abgebildet.

Bei Führungen haben sich die Schüler die Informationen in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch hintereinander angehört. „Da in unserer Gruppe nicht alle französisch sprechen können, war es ganz praktisch, die Informationen auch nochmal in anderen Sprachen anhören zu können", so die Schülerin Lena Schulz. Untereinander haben die Schüler deutsch gesprochen, aber wenn sie in ihrer Freizeit allein auf sich gestellt waren, konnten sie testen, wie gut ihre Französisch-Kenntnisse wirklich sind.

Lena Schulz war auch sehr angetan von der Fahrt nach Straßburg. Der Besuch des Europäischen Parlaments sollte bei der Studienfahrt die heutige Zeit beleuchten. „Wir hatten eine Führung über Sprachprobleme in der Europäischen Union. Dabei erklärten sie uns, wie diese durch Gremien gelöst werden." Anschließend war Zeit, für eine Erkundungstour durch die Altstadt im Straßburger Münster. Nach einer Woche kehrten sie wieder nach Schönebeck zurück.