Schönebeck/Staßfurt l Schnell zum Bäcker nebenan und ein paar Brötchen kaufen. Einen Kassenbon brauchen die meisten Kunden dafür wohl nicht. Das spielt aber ab Anfang 2020 keine Rolle mehr. Dann wird immer ein Kassenbon ausgedruckt – ganz egal, ob der Kunde einen haben möchte oder ob der Beleg direkt weggeschmissen wird. Hintergrund dafür ist die Kassensicherungsverordnung, mit der unter anderem der Ausdruck des Kassenbelegs zur Pflicht wird. Ziel des Ganzen ist es Steuerbetrug zu verhindern.

„Das ist Verschwendung. Die meisten Kunden wollen gar keinen Kassenbon und bei uns landen die Belege dann alle im Müll. Außerdem erfasst die Kasse ja sowieso schon alles“, sagt Birgit Bechstein von der Konditorei Bechstein in Staßfurt.

Kein Sicherheitsgewinn

So sieht das auch der Handelsverband Deutschland (HDE). In einer Pressemitteilung erklärt der Verband, dass die Belegausgabepflicht zu keinem weiteren Sicherheitsgewinn führt. Mit dem ersten Tastendruck beim Kassieren wird nämlich eine Transaktion eröffnet, die sich bei einer mit einer technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) ausgerüsteten Kasse nicht mehr ohne Spuren löschen lässt. Und diese Sicherheitseinrichtungen sind ebenfalls im Kassengesetz vorgeschrieben.

Durch die Anschaffung der neuen Kassen entstehen natürlich Kosten. „Das wird uns schon belasten. Wir müssen uns extra eine neue Kasse zulegen. Außerdem werden wir viel mehr Papier benötigen“, sagt Birgit Bechstein.

Technik nicht verfügbar

Kurios ist dabei, dass die für die fälschungssicheren Kassen benötigte Technik laut Handelsverband gar nicht am Markt verfügbar ist. Daraufhin hat das Finanzamt die Frist für die Umrüstung der Kassen von Anfang 2020 auf den September 2020 geschoben.

Bäckermeister Jens Bauer in Schönebeck hat bereits seit drei Jahren eine Kasse, die immer einen Beleg ausstellt. Dennoch hält er das verpflichtende Ausstellen eines Bons für falsch. „Das ist ein weiterer Baustein in der immer größer werdenden Bürokratie. Egal, ob Finanzamt oder Gesundheitsamt: Den kleinen Betrieben wird immer mehr auferlegt“, sagt Bauer.

Zwei Millionen Kilometer Kassenbons

Die logische Konsequenz der Verordnung: Die Anzahl der gedruckten Kassenbelege wird massiv ansteigen. „Im Einzelhandel in Deutschland rechnen wir mit mehr als zwei Millionen Kilometer zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr“, teilt der Handelsverband Deutschland mit.

Nadine Schmidt, Geschäftsführerin von „Blumen mit Sti(e)l“ in Staßfurt, sieht darin eine Belastung für die Umwelt. Sie sagt: „Ich drucke zwar schon regelmäßig Belege aus, aber nur wenn die Kunden das auch wünschen. Den Ausdruck verpflichtend zu machen, finde ich nicht gut. Dadurch wird viel Papier verschwendet.“

Mehrkosten für Handel

Auch die Industrie- und Handelskammer Magdeburg sieht mehrere Probleme in der Belegpflicht. Pressesprecher Torsten Scheer teilt mit: „Mehrkosten für den Handel. Unverständnis bei den Kunden für die Papierverschwendung. Erklärungsbedarf bei den Verkäufern und Verkäuferinnen, weil sie dem Kunden ungefragt bei jedem Einkauf den Beleg ausdrucken müssen. ‚Fliegende Zettel‘ auf den Straßen und Gehwegen.“ Darüber hinaus bleibt es bei den Händlern, sich mit dem anfallenden Müll auseinandersetzen, wenn der Kunde den Bon nicht mitnimmt.

Eine rein digitale Variante des Kassenbons ist aktuell aber auch noch nicht praktikabel. „Dies würde voraussetzen, dass alle Kunden über ein entsprechendes Endgerät verfügen und der elektronischen Bereitstellung des Beleges zustimmen. Dies ist nach unserer Einschätzung derzeit nicht gegeben“, so Torsten Scheer.

Akzeptanz der Kunden

Auch Knut Bernsen, Geschäftsführer beim Handelsverband Sachsen-Anhalt, sieht den digitalen Kassenbeleg noch nicht im Tagesgeschäft. „Ich würde digitale Kassenbons begrüßen. Allerdings setzt das voraus, dass die Kunden diese auch akzeptieren“, sagt Bernsen. Und aktuell könne man nicht davon ausgehen, dass jeder Kunde einen digitalen Kassenbon nutzen möchte oder kann. Zudem müssten sich kleine Unternehmen zunächst eine Plattform schaffen, über die die Übermittlung des digitalen Belegs abgewickelt wird, so Bernsen.