Wirtschaft

Gewerbepark Brumby jetzt in 3D

Wissenschaftler, Softwareentwickler und Wirtschaftsexperten haben ihr Vorzeigeprojekt für Brumby fertig. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut kann die Stadt Staßfurt dort jetzt eine besondere Art der Investorenwerbung anbieten.

Von Franziska Richter
Mit einem Internetprogramm können Investoren alle Daten  zum Gewerbegebiet Brumby abfragen und sich interaktiv in einem 3D-System bewegen.  Auf freien Flächen können sie sich sogar virtuell ein eigenes Firmengelände als Modell anlegen, mit Produktionshallen, Fahrzeugen etc., wie hier rechts unten auf der grünen Fläche.
Mit einem Internetprogramm können Investoren alle Daten zum Gewerbegebiet Brumby abfragen und sich interaktiv in einem 3D-System bewegen. Auf freien Flächen können sie sich sogar virtuell ein eigenes Firmengelände als Modell anlegen, mit Produktionshallen, Fahrzeugen etc., wie hier rechts unten auf der grünen Fläche. Quelle: Stadt Staßfurt

Brumby - Neue Unternehmen anlocken und Firmen ansiedeln, Arbeitsplätze schaffen und die Steuerkraft der Stadt erhöhen. Die Stadt, die den Investoren die besten Schmankerl bietet, die kriegt sie am Ende auch. Das ist das Ziel hinter einem ultramodernen Pilotprojekt der Stadt Staßfurt und ihrer Wirtschaftsförderung. Ende 2019 wurde es gestartet, jetzt ist es fertig.

„Der Aufwand war groß, wir haben uns vielleicht 50 Mal zu Details abgestimmt und jetzt ist das Projekt so gut wie fertig“, sagt Christian Schüler von der städtischen Wirtschaftsförderung in Staßfurt. Unter dem Titel „Smarter Gewerbepark Brumby“ steht die neue, virtuelle 3D-Datenbank. Ausgesucht worden war für das Pilotprojekt das Gewerbegebiet, das am vielversprechendsten ist: Brumby mit seiner exzellenten Autobahnanbindung.

Alle Daten zu Gewerbepark in einem Programm

Die Staßfurter Wirtschaftsförderung hatte sich das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF sowie die Softwarefirma LivingSolids aus Magdeburg als Partner gesucht. Das Projekt wurde vom Verkehrsministerium Sachsen-Anhalt gefördert und lief bis zum ersten Quartal 2021. Andreas Höpfner vom IFF hatte es zugleich zu seiner Doktorarbeit gemacht.

Denn es galt einen völlig neuen Ansatz zu erarbeiten: Wie kann eine Stadt wie Staßfurt ihre Raum- und Energieplanung für und mit potenzielle Investoren in ein neuartiges Programm übersetzen?

Entstanden ist ein interaktives 3D-Modell vom Brumbyer Gewerbegebiet aus der Vogelperspektive. Hier kann der Nutzer per Mausklick hinein- und hinauszoomen, einzelne Firmengelände anklicken und Informationen dazu öffnen.

Für solche Informationen braucht es natürlich Daten. „Ziel war es, diese Riesenmenge an Sachdaten zusammenzuführen“, so Christian Schüler. Als Investor möchte man über das Gewerbegebiet wissen: Welche Flächen sind frei? Wie groß sind die Grundstücke? Welche Versorgungsleitungen liegen an? Welches Baurecht liegt vor? Und wer sind eigentlich die neuen Nachbarn?

Die potenziellen Investoren müssen bei der Stadt ein Login für das Programm beantragen, das sie über ihren Webbrowser nutzen können. „Die Nutzer können sich in dem virtuellen 3D-Raum bewegen und freie Flächen anklicken“, so Schüler. Ähnlich wie bei einem Computerspiel kann der Investor eigene Fabrikhallen, Fahrzeuge etc. in Modellform auf die freien Flächen setzen – um mal eine Vorstellung von der eigenen Idee zu bekommen.

Viele Informationen über Bestandsfirmen

„Außerdem kann ich jedes bereits im Gewerbepark bestehende Unternehmen anklicken“, so Christian Schüler. Zum Beispiel werden bei McDonalds viele Informationen aufgelistet von Arbeitsplätzen über Innovationskraft bis hin zu Energiebezug. Ebenso bei den anderen Firmen, immer nach Rücksprache.

Für die Stadt macht das Programm genauso Sinn. Gibt es mehrere Investoren für eine Fläche, kann sie potenzielle neue Arbeitsplätze, Steuergewinn und Energieoutput der Interessenten vergleichen. Außerdem geht es nicht nur um Vermarktung, sondern auch um Verwaltung, Bewertung, Entwicklung und Controlling für das Gewerbegebiet, insbesondere auch was die Energiebilanz angeht. Später einmal können die Wirtschaftsexperten über das Programm auch Wertschöpfungsketten in Brumby identifizieren, Branchenschwerpunkte setzen und passende Firmen gezielt anwerben.

Das fertige Projekt wurde von den Stadträten im Bauausschuss, denen die finale Fassung kürzlich vorgestellt wurde, gelobt. Besonders dass man virtuell Firmengelände bauen kann, wie bei manchen Farmer-Spielen, zauberte ihnen ein Lächeln aufs Gesichts.

Die große Übersicht über den Gewerbepark Brumby zeigt gelb schon besetzte Flächen und grün noch freie, hinten auch Aral und McDonald’s.
Die große Übersicht über den Gewerbepark Brumby zeigt gelb schon besetzte Flächen und grün noch freie, hinten auch Aral und McDonald’s.
Quelle: Stadt Staßfurt