Schönebeck l „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagt Wolfgang Ladebeck und ist von diesem Motto nicht nur überzeugt, sondern lebt es. Seit fast 29 Jahren engagiert sich der 59-jährige Polizist aus Schönebeck gewerkschaftlich. Dafür wurde er jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Dass Wolfgang Ladebeck überhaupt Polizist werden würde, zeichnete sich zu Anfang seiner beruflichen Laufbahn nicht ab. Nach dem Besuch der Polytechnischen Oberschule in Schönebeck machte er eine Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker im Schönebecker Traktorenwerk. Dann folgten zwar drei Jahre bei der Bereitschaftspolizei in Magdeburg, 1982 kehrte Wolfgang Ladebeck aber doch zum Schönebecker Traktorenwerk zurück, machte seinen Meister Maschinenbau.

Einsatz für Gerechtigkeit

Wenn Wolfgang Ladebeck allerdings auf seine Kindheit zurückblickt, stellt er ein schon immer dagewesenes Faible für Gerechtigkeit fest. „Ich bin immer schon dafür eingetreten, dass Gerechtigkeit herrscht. Es war mein Ziel, mehr für Ordnung und Sicherheit zu tun“, sagt er.

Dennoch arbeitete der heute 59-Jährige nach seiner Meisterausbildung zunächst im Schönebecker Traktorenwerk, kam letztlich aber zur Polizei, weil ein heutiger Freund ihn angeworben hat. „Ich bin dann von einem Freund angesprochen worden, ob ich nicht Interesse hätte, zur Volkspolizei zu gehen“, erinnert sich Wolfgang Ladebeck. Er sagte zu. Es folgte ein Studium an der heutigen Polizeischule Aschersleben, die damals Offiziersschule war. Im Jahr 1991 folgte dann der Einstieg in den gehobenen Polizeidienst. Mittlerweile ist der Polizeirat seit 38 Jahren bei der Polizei. „Ich bin mit Leib und Seele dabei“, sagt er.

Nach Mauerfall und Wiedervereinigung, als die ersten freien Gewerkschaften auch in Sachsen-Anhalt entstanden, war für Wolfgang Ladebeck klar, als Polizeivollzugsbeamter Mitglied in der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) im Deutschen Beamtenbund zu werden. Seit dem 1. April 1991 ist er Mitglied der Gewerkschaft. Doch der Schönebecker wollte mehr als nur zahlendes Mitglied sein, sich aktiv für die Kollegen einsetzen.

Noch im Jahr seines Gewerkschaftseintritts wurde er erst Geschäftsführer, dann Kreisvorsitzender der Kreisverbände Schönebeck und Magdeburg. Nach vier Jahren als stellvertretender Landesvorsitzender der DPolG Sachsen-Anhalt, wurde er 2001 schließlich Landesvorsitzender der Gewerkschaft und Mitglied des Bundeshauptvorstandes, legte diese Ämter nach rund 18 Jahren im November aber nieder. Den Posten als stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, den Wolfgang Ladebeck 2007 angetreten hat, führt er aber fort.

Durch seinen unermüdlichen Einsatz für Polizeibeamte kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Politikern – auch mit Rainer Robra, Sachsen-Anhalts Staats- und Kulturminister, der Wolfgang Ladebeck das Bundesverdienstkreuz im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jetzt in Magdeburg überreicht hat. „Ich hatte erst vor wenigen Monaten eine Auseinandersetzung mit Rainer Robra und jetzt liest er mir meine Vita vor. Aber genau das ist wahre Demokratie“, findet Wolfgang Ladebeck mit Blick auf die Festveranstaltung.

Das Engagement Wolfgang Ladebecks reicht aber über die Grenzen der Deutschen Polizeigewerkschaft als einer von 36 Fachgewerkschaften im Deutschen Beamtenbund (dbb) weit hinaus. Denn auch im Deutschen Beamtenbund bringt sich der Schönebecker seit Jahren aktiv ein. So ist er unter anderem seit 2001 Mitglied im Landesvorstand, seit 2014 Landesbundvorsitzender und ebenfalls seit 2014 Mitglied im Bundesvorstand und im Bundeshauptvorstand des dbb.

Seitens des Deutschen Beamtenbundes heißt es: „Für die Politiker unseres Landes war er nicht immer ein bequemer, aber fairer Gesprächspartner. Seine über die Jahre gewachsenen guten Kontakte zu Mitgliedern der Landesregierung und des Parlaments haben den Einfluss des dbb auf bestimmte Entscheidungen, den öffentlichen Dienst betreffend, gesichert.“ Ohne Wolfgang Ladebeck hätte es 2017 keine Wiedereinführung des Weihnachtsgeldes für Beamte in Sachsen-Anhalt gegeben.

Zu seiner ganz persönlichen Motivation sagt er: „Ich habe mehr Freude daran zu helfen, als dafür Geld zu bekommen.“ Der Dank sei ihm deutlich mehr wert, als dafür bezahlt zu werden. „Ich glaube, dafür habe ich auch die Auszeichnung erhalten“, mutmaßt der 59-Jährige. „Wenn ich höre, dass Kollegen sich bei mir melden, weil ihnen gesagt wurde ‚Wenn dir einer helfen kann, dann ist das der Ladebeck‘ dann bekomme ich manchmal Gänsehaut.“

Doch nicht allein er habe die Auszeichnung erhalten, ist Wolfgang Ladebeck überzeugt. Denn ohne die Unterstützung anderer Gewerkschaftsmitglieder und seiner Frau hätte er seine bisher geleistete Gewerkschaftsarbeit gar nicht stemmen können. „Ich bin nicht wichtig. Mir ist es viel wichtiger, den Menschen, den Mitarbeitern, den Beamten zu helfen, sie zu unterstützen und für ihre Belange zu kämpfen“, sagt Wolfgang Ladebeck.

Rente in Sicht

Im Oktober 2020 steht Wolfgang Ladebecks Pensionierung an. „Ich strebe aber ja immer noch an, dass man die freiwillige Verlängerung der Lebensarbeitszeit in der Polizei zulässt. Das ist ein großes Steckenpferd von mit, weil mehr Polizisten gehen als dazukommen. Da sollte man doch die, die fit sind, auch noch weitermachen lassen und zwar über das 60. Lebensjahr hinaus.“

Fest steht allerdings: Auch wenn Wolfgang Ladebeck im Oktober dann eher unfreiwillig pensioniert werden sollte, hört er mit der Gewerkschaftsarbeit aber noch lange nicht auf. Im Frühjahr steht der Bundeskongress des Deutschen Beamtenbundes an. Dort will Wolfgang Ladebeck nochmal zur Wahl des stellvertretenden Bundesvorsitzenden antreten. Wird er gewählt, würde er das Amt für fünf Jahre inne haben und sich weiter um die Belange der kleinen und finanzschwachen Bundesländer kümmern. „Und bis 2022 bin ich definitiv noch dbb–Vorsitzender und wenn die Deligierten es wollen, mache ich als solcher auch die folgenden fünf Jahre weiter“, sagt Wolfgang Ladebeck. „Aber dann – mit 67 – ist voraussichtlich wirklich Schluss.“

Neben seinem gewerkschaftlichen Engagement vertritt Wolfgang Ladebeck derzeit die Interessen der Arbeitnehmer in der Medienanstalt Sachsen-Anhalt, ist unter anderem Mitglied im Landespersonalausschuss und ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Magdeburg. Für letztgenanntes Ehrenamt und seine Verdienste um den Aufbau der Deutschen Polizeigewerkschaft und die ehrenamtliche Arbeit im Deutschen Beamtenbund wurde Wolfgang Ladebeck bereits 2014 mit der Ehrennadel des Landes ausgezeichnet – und jetzt eben auch noch mit dem Bundesverdienstkreuz.