Schönebeck (vs) l Normalerweise hätten die Nachbarn und Freunde vor verschlossenen Türen gestanden. Erika und Heinz Müller wollten zu ihrer goldenen Hochzeit nämlich gar nicht zuhause sein, sondern ihrer großen Leidenschaft nachgehen und Urlaub bei einer Kreuzfahrt machen – eben eine große Sause auf dem Schiff. Doch dann kam Corona und die Reise musste abgesagt werden. Stattdessen wurde nun im heimischen Garten gefeiert. Dort haben es sich die beiden nämlich ganz schön eingerichtet. Swimmingpool, Strandkorb, Liegestuhl, gemütliche Nischen – es gibt in jeder Ecke immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Gefeiert wurde das besondere Jubiläum, zu dem Dezernentin Gisela Schröder stellvertretend für den Oberbürgermeister der Stadt Schönebeck herzlich gratulierte, aber nicht irgendwie. „Wir haben uns eine Motto-Party gewünscht“, berichtet Erika Müller. Statt Cocktailkleid und Smoking hieß es nun also Petticoat und Beatles, Glitter und Perücke, also 1950er und 1960er.

Um die ganze Welt

Wirklich traurig über die verpasste Kreuzfahrt waren die beiden leidenschaftlichen Schwimmer nicht, schließlich haben sie in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge gesehen. Vor der Wende „kann man sagen, dass wir im Sommer zum Baden an die Ostsee gefahren waren und im Winter zum Skifahren nach Tschechien“, erklärte Erika Müller mit einem Lächeln. Nach dem Fall der Mauer wurden die neuen Reise-Möglichkeiten intensiver genutzt – Kanada, Neuseeland, USA – „wir sind ganz schön rumgekommen“.

Und wo war es am schönsten? Frau Müller hat es Neuseeland angetan, die unterschiedlichsten Landschaften auf engstem Raum. „Die Schwefellöcher und Gletscher, das war schon toll.“ Und Herr Müller? „Das kann man nicht so genau sagen. Überall war es anders schön.“

Kennengelernt haben sich die Lehrerin und der Vermessungsingenieur bei der Rettungsschwimmer-Ausbildung des DRK im November 1957 in Schönebeck. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagen beide. Das Rettungsschwimmen begleitete das Jubiläumspaar in den vergangenen Jahren, sie waren regelmäßig in den Ferien bis nach der Wende in Barth an der Ostsee tätig.

Zwei Jahre nach dem Kennenlernen erhielt Erika Müller ein besonderes Geburtstagsgeschenk: einen Verlobungsring. „Ich war bei der NVA und hatte zu ihrem Geburtstag Urlaub“, berichtet ihr Mann. Eine Hochzeitsreise gab es damals nicht, dazu fehlten die Zeit und das Geld. „Wir haben ein paar Tage auf dem Zeltplatz verbracht.“

Quasi als Ausgleich hatten sie zur Silberhochzeit den Plan gefasst, einen großen Urlaub in Australien zu verbringen. Das ging zeitlich zwar nicht ganz auf, doch knapp zehn Jahre später wurde dieser Traum Wirklichkeit. „Wir wurden etwas für verrückt erklärt, dass wir so weit weg wollten. Schließlich gab es noch keine Smartphones oder sowas.“ Aber sie sind immer wieder wohlbehalten und mit neuen schönen Erinnerungen zurückgekehrt. Und nun haben sie die schönsten davon mit Familie, Freunden und Nachbarn geteilt. Die Türen waren ja zum Glück geöffnet.