Schönebeck l Die Polizei im Salzlandkreis hat für Schönebeck bis September 2020 bereits 26 Anzeigen im Zusammenhang mit Graffiti registriert. Damit wurden in diesem Jahr schon jetzt mehr Schmierereien gezählt als 2019 oder 2018. Im Jahr 2019 hat die Polizei nämlich 25 Anzeigen aufgenommen und im Jahr 2018 waren es 22, teilt Marco Kopitz, Sprecher im Polizeirevier Salzlandkreis, auf Anfrage mit. 2017 gab es mit 37 angezeigten Graffiti zuletzt die meisten Fälle. Dabei handelt es sich wohlgemerkt ausschließlich nur um die Fälle, die auch angezeigt worden sind.

Bei der Stadt Schönebeck wird über die Anzahl der Graffiti keine Statistik geführt, sagt Stadtsprecher Frank Nahrstedt. Weiter teilt Nahrstedt mit, dass die Stadt die Graffiti überdeckt beziehungsweise entfernt, wenn es sich um verfassungsfeindliche Symbole wie ein Hakenkreuz handelt. Zuweilen könne dies schnell und unkompliziert durchgeführt werden. „Allerdings erst, wenn die Polizei den Straftatbestand aufgenommen hat“, so Nahrstedt. Eine Übersicht darüber, wie oft das vorkommt, wird in der Stadt ebenfalls nicht geführt. Nahrstedt spricht von „wenigen“ Fällen im Jahr.

Aufklärung von Schmierereien

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Aufklärungsquote bei solchen Delikten stark schwankt. So wurden 2018 nur in rund sechs Prozent der Fälle der Täter überführt. Im aktuellen Jahr liegt die Aufklärungsquote mit 30,7 Prozent vergleichsweise hoch. Marco Kopitz erklärt: „Die Aufklärung von Graffiti-Schmierereien ist eine Sache für sich. Wenn man mal jemanden auf frischer Tat ertappt beziehungsweise mithilfe von Zeugen überführen kann, so lassen sich oft weitere Zeichnungen mit der Person in Verbindung bringen.“ Das ist dadurch möglich, dass viele Sprayer ihre Werke mit einem „Tag“ – einer Art Unterschrift – signieren. So lassen sich oft mehrere Delikte einer Person zuordnen. Wird also ein aktiver Sprayer geschnappt, können dadurch mitunter mehrere Taten aufgeklärt werden. Auch anhand des individuellen Stils kann die Polizei teils mehrere Delikte mit einer Person in Verbindung bringen und sie damit konfrontieren.

Interessant ist, dass es in manchen Städten Flächen gibt, die legal von Graffiti-Künstlern und denen die es werden wollen besprüht werden dürfen. So zum Beispiel in Magdeburg. Auf der Website der Landeshauptstadt heißt es dazu: „Legale Wände haben durchaus einen nicht unterschätzbaren Wert bei dem Versuch der Eindämmung von illegalem Graffiti und bieten gleichzeitig den Sprayern die Alternative zum Ausstieg, ohne auf das Ausleben ihrer Kreativität und den Erhalt von Anerkennung und Popularität verzichten zu müssen.“ Zwar sei dies nicht als Bekämpfungsmittel schlechthin anzusehen, vor allem im Hinblick auf bewusst illegal agierende Sprayer, aber es zähle dennoch zu den Präventivmaßnahmen.

Legale Flächen

In Schönebeck gibt es solche Flächen nicht. Zumindest keine frei zugänglichen. Denn an einer Wand hinter dem Jugendbüro „Piranha“ darf seit 2018 mitunter legal gesprüht werden.

Stefan Meier, Leiter des Jugendbüros, sagt: „Dort kann aber nicht jeder zu jederzeit sprayen. Das ist nur mit vorheriger Absprache möglich und nur im Rahmen unserer Öffnungszeiten.“ Zudem wurde die Wand vor allem für Projekte geschaffen, bei denen dann erfahrene Graffiti-Künstler den Kindern und Jugendlichen zeigen, wie das überhaupt funktioniert, erklärt Meier. Die beteiligte Jugend habe die Angebote jedenfalls gerne angenommen und sich ausprobiert. Darüber hinaus macht Meier ein Angebot: „Interessierte können sich immer gerne bei uns im Piranha melden, und dann kann man da vielleicht was organisieren.“