Calbe l Die dunkle Rauchwolke stieg Hunderte Meter weit über der Saalestadt auf. Es hatte auf Feldflächen nahe der Grizehner Teiche gebrannt. Insgesamt ungefähr 18 Hektar landwirtschaftliche Fläche sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Das Resümée vom Calbenser Wehrleiter und Gesamteinsatzleiters, Lars Roschkowski, fällt eindeutig aus: „Für uns war es der größte Brand bisher in diesem Jahr“, sagt er und benennt weitere Zahlen. Insgesamt 96 Einsatzkräfte aus zehn freiwilligen Feuerwehren mussten ausrücken, um den Brand auf einem Stoppel- als auch einem Weizenfeld zu löschen.

Um 16.59 Uhr schrillte am Sonnabend der Alarm für die Einsatzkräfte. Die Wehr aus Calbe und die aus dem Einzugsbereich Bördeland rückten aus. Doch die Brandbekämpfer hatten es schwer mit dem brennenden Feld. Deshalb wurden die Wehren im Calbenser Ortsteil Schwarz als auch Barby und die Stadtteilfeuerwehr Bad Salzelmen nachalarmiert. Am Einsatzort stand bereits ein rund 14 Hektar großes abgeerntetes Getreidefeld in Flammen. „Der Wind sorgte schließlich dafür, dass die Glut über die Straße getragen wurde“, beschreibt Roschkowski die Situation am Einsatztag. Dadurch wurde das gegenüber dem Feldweg liegende Weizenfeld zusätzlich in Brand gesteckt. Insgesamt brannten ungefähr 18 Hektar Fläche. Auf etwa acht Hektar wurde Weizen vernichtet. Erst gute dreieinhalb Stunden später – also um 20.30 Uhr - war der Einsatz für die Feuerwehrkräfte beendet.

Landwirte helfen mit

Tüchtige Unterstützung bekamen die Helfer von Mitarbeitern der Calbenser Agrargenossenschaft.

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Sie seien unter anderem mit einem Pflug vor Ort gewesen, der mit seinem Gerät eine Schneise um das Feuer gezogen hatte. „Durch die Furche konnte das Feuer eingegrenzt werden“, erklärte der Einsatzleiter erleichtert. Dies war vor allem deshalb wichtig, weil die Flammen drohten, auf zwei nahegelegene Unternehmen – Doppstadt sowie Fotochemie – überzugreifen, sagt Roschkowski weiter. Dass es dazu letztlich nicht kam, dafür sorgte das beherzte Eingreifen als auch die abschirmende Wirkung des nahe der Unternehmen verlaufenden Bahndammes Calbe Ost nach West. Nachteilig für die Einsatzkräfte: Ein nahegelegener Hydrant war defekt und somit außer Betrieb. „Gott sei Dank half uns die Agrargenossenschaft mit ihrem großen Wassertank“, erinnert sich Lars Roschkowski zurück. Anderenfalls hätten noch mehr Feuerwehren nachalarmiert werden müssen, um die Wassermenge zum Löschen herbeizuschaffen.

Durch Rauchgas verletzt

Benötigt wurden seinen Angaben zufolge rund 30.000 Liter. Eine enorme Menge. Und nicht zu stemmen für zehn Wehren, „wenn man bedenkt, dass die Wehren mit den größten Tanks zirka 2400 Liter Wasser im Bauchtank hatten“, ergänzt Roschkowski.

Eine Calbenser Kameradin wurde überdies bei dem Brand verletzt. Sie atmete giftiges Rauchgas ein, weil sich am Einsatzort abrupt und unvorhergesehenerweise der Wind gedreht und den Rauch in deren Richtung geweht hatte. Laut Einsatzleiter wurde die Frau leicht verletzt ins Krankenhaus befördert.

Zur Schadenshöhe kann Lars Roschkowski nach dem Einsatz noch keine genauen Auskünfte geben. Er werde sich aber wohl mindestens auf mehrere Tausend Euro belaufen, wie er gegenüber der Volksstimme betont.

Eine konkrete Ursache für die Brandentwicklung konnte nicht ausfindig gemacht werden. Vielleicht lag es an Glasscherben oder weggeworfenen Zigarettenkippen. Lediglich heiß gefahrene Erntemaschinen kann Lars Roschkowski ausschließen. Zu diesem Zeitpunkt sei in dem Bereich keine unterwegs gewesen.

Acht Brände in einer Woche

Bis auf Dienstag, Freitag und Sonntag ist die Calbenser Wehr an jedem einzelnen Tag der vergangenen Woche ausgerückt: Montag zu einem Getreidefeldbrand in dem Stadtbezirk Tippelskirchen und später bis in die Nacht hinein zu zwei Grasnarbenbränden - einmal am Bahnhof Calbe Ost und einmal an der Eisenbrücke an der Landesstraße 65 in Calbe. Am Mittwoch um 13.36 rückten die Wehrmitglieder zu einem Flächenbrand auf die Autobahn 14 aus. Dort fing die Böschung Feuer. Am Donnerstag gab es schließlich einen Getreidebrand auf dem Wartenberg. Auch der Abend ließ den Kameraden keine Freizeit: Um 17.20 Uhr desselben Tages schrillte erneut die Sirene und rief zu einem Ödlandbrand in der Grünen Lunge - einem Erholungszentrum für die Saalestadt.

Sollte sich die witterungstechnische Lage nicht bald durch Regenschauer entspannen, befürchtet Roschkowski, dass der nächste Brand nicht lange auf sich warten lässt.