Wussten Sie ...

... dass die Grünen Damen auf Brigitte Schröder (1914-2000) zurückgehen? Angeregt durch den ehrenamtlichen Dienst des „Volunteer Service“, den sie auf einer USA-Reise kennenlernte, gründete sie 1969 die Evangelische Krankenhaus-Hilfe. Deren Mitarbeitende wurden wegen ihrer grünen Kittel von den Patienten dann „Grüne Damen“ genannt.

Quelle: Evangelische Kranken- und Alten-Hilfe e.V.

Schönebeck l „Hallo Frau Hypkemeier, wie geht es Ihnen heute?“ Mit einem Lächeln auf den Lippen betritt Waltraud Kolbe das Zimmer der 92-Jährigen. Seit drei Jahren besucht sie die geistig noch fitte Dame im Haus Elisabeth des Diakonievereins Heimverbund Burghof. Ein Angebot der Grünen Damen. Sie sind im Krankenhaus und in den Pflegeheimen der Stadt aktiv. Und wollen das bieten, was oft von anderen nicht leistbar ist: Zeit. Zum Zuhören, zum Anvertrauen, zum Weiterhelfen – oder einfach nur zum Unterhalten.

Eine der derzeit 18 Grünen Damen ist Waltraud Kolbe. Immer montags besucht sie unter anderem Elvira Hypkemeier. Die Tochter kümmere sich rührig um sie, doch sie nehme das Angebot einer extra Plauderstunde gern an. Sie erzählen von der Vergangenheit und über die Gegenwart, bauen Brücken, um das Gedächtnis zu fordern und zu fördern. „Wir unterhalten uns über alles“, sagt die 92-Jährige. „Dafür danke ich Frau Kolbe sehr“, schiebt sie mit einem Schmunzeln hinterher. Dieses Mal tauschen sie sich über die Weihnachtsfeier im Burghof aus, die sie gemeinsam besucht haben. „Der Viktoriachor hat gesungen, das war schön, oder“, sagt sie und Waltraud Kolbe nickt. Dann planen die beiden schon das nächste Treffen „außerhalb der Reihe“. Die Christvesper am Heiligabend im Burghof. „Wenn Sie keinen Besuch kriegen, gehen wir beide hin“, sagt Waltraud Kolbe entschlossen. Ihr Gegenüber fragt zaghaft nach: „Ja?“ „Na klar“, betont die 73-Jährige.

Dass die Grünen Damen auch in Pflegeheimen aktiv sind, freut Burghof-Vorsteherin Annett Lazay. Das sei der reine Akt der Nächstenliebe. „Der Besuchsdienst macht die Gesellschaft gleich lebenswerter.“ Jeder werde älter und werde sich dann über solche Hilfe freuen, ist sie sich sicher.

Geben und Nehmen

Es sei ein Geben und Nehmen, so Waltraud Kolbe. „Ich sage immer, Frau Hypkemeier ist mein Vorbild. Ich profitiere von ihrem Lebensmut. Sie kämpft, dass es ihr gut geht.“

So wie der Felgeleberin geht es auch den anderen Grünen Damen. Das Projekt gibt es seit 15 Jahren am Krankenhaus Schönebeck, später kamen die Pflegeheime hinzu. Initiatorin war Gudrun Schedler, die bis heute die organisatorischen Fäden in der Hand hält. Mit fünf Ehrenamtlichen hat alles angefangen. Jetzt gibt es einen festen Stamm von 17 Damen und einem Herren. Was sie eint: ihre hohe soziale Kompetenz. Sie möchten für Menschen da sein, die in einer bestimmten Situation jemanden zum Zuhören brauchen. Weil das Pflegepersonal keine Zeit für einen gemütlichen Plausch hat. Weil man die Angehörigen mit seinen Ängsten und Sorgen nicht belasten möchte. Weil vielleicht keiner da ist, dem man sich anvertrauen kann. Weil in der letzten Lebensphase noch so viel gesagt werden soll.

Die Grünen Damen sind da – wenn der Krankenhauspatient oder der Heimbewohner das möchte. Es soll kein Aufdrängeln sein, sondern ein Angebot. Einmal wöchentlich. „Wir wollen einen Beitrag zum sozialen Wohlbefinden bieten. Denn wenn jemand sozial isoliert ist, stimmt das traurig und das verursacht körperliche Beschwerden“, so Gudrun Schedler. „Wenn wir nach Hause gehen, haben wir mehr zurückbekommen.

Idee

Sie selbst kam mit der Idee nach einem Besuch im Dessauer Krankenhaus zurück. Im Stadtseniorenrat, in dem die heute 77-Jährige auch aktiv ist, reifte der Entschluss, so etwas auch hier anzubieten – konfessionslos.

Zuhören können – das sage sich einfacher, als es manchmal sei, weiß sie aus Erfahrung. Wer die Grünen Damen zu sich bittet, hat oftmals mit Schicksalsschlägen zu kämpfen. Deshalb bedarf es neben eines starken Charakters, auch einer ständigen Qualifikation und Weiterbildung. So bietet die Friedrich-Ebert-Stiftung mit einer Psychologin jährlich eine mehrtägige Weiterbildung an. Wie jüngst zum Thema Distanz und Nähe. Denn ganz wichtig sei auch, sich selbst vor Überlastung zu schützen – um weiterhin für andere da sein zu können. So wie Waltraud Kolbe für Elvira Hypkemeier ...