Breitenhagen l Am Morgen des 9. Juni 2013 brach der Saaledamm zwischen Klein Rosenburg und dem Schöpfwerk Breitenhagen. Eine Katastrophe nahm ihren Lauf, die noch heute wie eine vernarbte Wunde im 420-Seelen-Dorf zu spüren ist, das tagelang meterhoch unter Wasser stand. Damals mussten Einwohner unter dramatischen Bedigungen evakuiert werden. Plötzlich rückte das kleine Elbdorf bundesweit in den Fokus. Zurück blieben zerstörte Gebäude, Orte des gemeinschaftlichen Lebens waren quasi über Nacht ausgelöscht.

Schlimme Erinnerungen

Erinnerungen, die nicht nur Hans-Georg Buszkowiak noch heute die Stimme versagen lassen. Nachdem Sportplatz, Feuerwehrgerätehaus, Spielplatz und Friedhofskapelle saniert wurden, ist der symbolische Startschuss für das neue Dorfgemeinschaftshaus „das wohl wichtigste Zeichen für Breitenhagen und die Breitenhagener“, sagte Torsten Reinharz gestern Vormittag bei seiner ersten Grundsteinlegung als Barbyer Bürgermeister.

Aus drei von der Flut zerstörten Objekten - dem alten Dorfgemeinschaftshaus, dem Gemeindebüro samt Saal und dem Heimatmuseum - wächst nun ein modernes Multifunktionsgebäude in die Höhe. Nach aktuellem Stand stehen für den Ersatzneubau am Ortseingang rund 1,8 Millionen Euro aus dem Hochwasserfonds zur Verfügung.

Verkleidung mit Lärchenholz

Der Neubau verfügt über einen großen Innensaal, einen kleineren Saal jeweils mit großen Fenstern zum Sportplatz, Sanitär- und Umkleide- sowie Lagerräume. „Außen wird das Gebäude mit widerstandsfähigem Lärchenholz verkleidet“, erklärt der Magdeburger Architekt David Brinkhoff. Davor wird mit Blick auf den Sportplatz eine große Terrasse zum Verweilen einladen. Gleich nebenan wird der städtische Bauhof eine Außenstelle beziehen.

„Bei den Planungen wurden die Bürger mit einbezogen, es handelt sich um einen Kompromiss“, sagt Brinkhoff. Bis zum kommenden Frühjahr sollen die Arbeiten andauern. „Rund 2,2 Millionen Euro sind in Breitenhagen bereits in abgeschlossene Maßnahmen geflossen“, bilanzierte Torsten Reinharz. Rund 4,9 Millionen Euro seien noch für ausstehende Maßnahmen im Barbyer Ortsteil eingeplant.

Bemessen am Gesamtpaket der Einheitsgemeinde mit rund 220 Hochwassermaßnahmen mit einem geschätzten Kostenvolumen von rund 60 Millionen Euro sei das eher gering, meint der Dresdner Generalplaner Joachim Stübner. Heinz-Georg Buczkowiak gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die durch das Hochwasser gelittene Dorfgemeinschaft durch den Neubau wieder dringend benötigten Aufwind erhalte. Bundestagsabgeordneter Burkhard Lischka (SPD) war an diesem Tag der einzige Vertreter der Landespolitik und scheute trotz des schönen Anlasses auch keine Kritik: „Vieles ist im Rückblick viel zu bürokratisch gelaufen, das hat Menschen mürbe gemacht. Dafür möchte ich mich stellvertretend entschuldigen.“