Landwirtschaft

Gute Wetterbedingungen für den Zwiebelanbau

Rund um Calbe beginnt die Ernte der Bollen

Von Thomas Höfs
Mitarbeiterinnen bei der Calbenser Handelsgesellschaft sortieren hier beschädigte Zwiebeln vor dem Verpacken in übliche Handelsgrößen aus.
Mitarbeiterinnen bei der Calbenser Handelsgesellschaft sortieren hier beschädigte Zwiebeln vor dem Verpacken in übliche Handelsgrößen aus. Foto: Thomas Höfs

Calbe - Rund um die Bollenstadt Calbe hat die Zwiebelernte begonnen. Die ersten Bollen laufen bereits über die Bänder der Calbenser Handelsgesellschaft am Stadtrand. Rund 15000 Tonnen des beliebten und in der Küche unverzichtbaren Gemüses werden in den kommenden Wochen von den Feldern geerntet. Die Anbaubedingungen waren in diesem Jahr besser als in den zurückliegenden Jahren, bestätigt Heiko Brandt, der den Betrieb aktuell leitet. Für ein Jahr soll die Ernte in der Regel reichen. Täglich rollen die abgepackten Zwiebeln zu den Supermärkten. Wie in Calbe gibt es in der Bundesrepublik zahlreiche Lager, in denen die Zwiebeln zwischengelagert und anschließend in verschiedene Handelsgrößen abgepackt werden.

Ein mehrstufiger Prozess

Die guten Ernteaussichten, die nicht nur die Calbenser haben, spiegeln sich auch im Preis wider. Wenn alle Landwirte eine gute Ernte einfahren, pegelt sich der Preis in der Regel auf einem tiefen Niveau ein, weiß Heiko Brandt. Das sei auch in diesem Jahr so. Auf einige Regenschauer hofft er noch in den kommenden Wochen. Das würde die Zwiebeln noch etwas wachsen lassen. Bis zur Ernte der großen Schläge sind es noch einige Wochen. In einem mehrstufigen Prozess werden die Zwiebeln dabei von den Feldern geholt. Zunächst wird das Kraut der Pflanzen abgetrennt. Später erfolgt dann die richtige Ernte. Mit der Ernte sind die Landwirte einige Zeit beschäftigt. Denn auf einer Fläche von rund 250 Hektar werden die Bollen angebaut. Trotz des Einsatzes modernster Technik dauert es eine Weile, bis die Felder abgeerntet sind.

Ernte reicht bis Mai

Über Monate lagern die Zwiebeln dann am Calbenser Stadtrand und versorgen viele Menschen in den östlichen Bundesländern. Bis zum Mai reichte in diesem Jahr die Ernte aus dem Vorjahr. Dann mussten die Calbenser die Bollen auf dem Weltmarkt zukaufen, um den Handel weiter beliefern zu können. Zwiebeln aus Neuseeland oder Australien werden dann von Calbe aus verschickt, schildert Heiko Brandt.

Rege Geschäftigkeit in den Hallen

Jede Menge Fahrzeuge werden die großen Hallen am Stadtrand demnächst wieder anfahren, wenn die Ernte läuft. Aber in den Hallen herrscht täglich rege Geschäftigkeit. Die Bänder rollen hier, um die tägliche Menge, die an den Handel ausgeliefert werden soll, zu verpacken. Unverzichtbar ist dabei der Mensch. An den Bändern sind einige Mitarbeiter dabei, die Ware zu prüfen. Beschädigte Zwiebeln oder Dreck vom Ackern muss dabei vom Band aussortiert werden. Weiter unten in der Halle verpackt eine Maschine die Bollen zu handelsüblichen Größen.

Neue Methoden bei der Bewässerung

Um den seit Jahrhunderten bei Calbe etablierten Zwiebelanbau auch in der Zukunft weiter ertragreich zu gestalten, setzen die Landwirte in der Zukunft auf die künstliche Bewässerung, bestätigte kürzlich erst das Zwiebelkontor, dem das Lager angeschlossen ist. Neue Methoden bei der Bewässerung der Zwiebeln werden hier ausprobiert. Unterstützt wird dies auch von Förderprogrammen. Zuletzt hatten die Landwirte hier aber Rückschläge erlitten, weil Unbekannte die Anlage auf einem der Felder stark beschädigt hatten (Volksstimme berichtete). So wurden die Schläuche zerschnitten und die Kabel für die Steuerung ausgerissen. Der Schaden war immens. Allerdings hat der Vandalismus nur bedingt Auswirkungen auf die Ernte. Denn in diesem Sommer regnete es bislang regelmäßig und ergiebig. Dennoch fehlt den Landwirten durch den Schaden die Möglichkeit, Erfahrungen mit der künstlichen Bewässerung zu sammeln.

In diesem Jahr gute Erträge

Bereits der Einbau der künstlichen Bewässerung ist sehr aufwendig. Erst wenn die Zwiebeln aufgetrieben sind, werden die Schläuche in den Boden gebracht. Bei der sogenannten Tröpfchenbewässerung wird das Wasser direkt zu den Pflanzenwurzeln gebracht. Der Aufwand wird betrieben, um die Verdunstung zu verringern. Außerdem wird insgesamt weniger Wasser für die Bewässerung benötigt als beim Einsatz von großen Regnern. Die Verfügbarkeit von Wasser ist in der Zukunft das Problem für die Landwirtschaft. Bleibt der Regen lange aus, dürfen sie auch aus Oberflächengewässern kein Wasser mehr entnehmen. So war es in den vergangenen Jahren. Daneben muss sich der Aufwand für die Bewässerung auch im Preis widerspiegeln, die die Landwirte für die Zwiebeln nach der Ernte erhalten. Bleiben die Preise auf geringem Niveau dürfte sich der große Aufwand kaum rechnen. In diesem Jahr haben die Umweltbedingungen dem Zwiebelanbau genutzt und sorgen für gute Erträge. Abzuwarten bleibt, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickelt und ob es wieder trockener wird.