Schönebeck l Nicht nur die Regale der Einkaufsmärkte sind seit längerem mit Weihnachtsprodukten überfüllt. Auch der Chor vom Dr. Carl-Hermann Gymnasium bereitet sich schon auf die Adventszeit vor. Deshalb fahren die rund 140 Chorschüler mit ihren Chorleiterinnen Birgit Ihlo und Sixta Thiere einmal im Jahr für eine Woche ins niedersächsische Verden (Aller). Dort bereiten sie sich auf die Weihnachtskonzerte am 5. und 6. Dezember in der St. Jakobi Kirche vor.

Für Sixta Thiere war es dieses Jahr allerdings das letzte Chorlager. Ende nächsten Jahres geht sie in Rente. 1981 sammelte sie ihre ersten Erfahrungen als Chorleiterin an der Karl-Liebknecht Schule. 1991 wechselte sie auf das Gymnasium. Seit 1992 begleitet sie die Probenlager.

Ein Chorlager ist mehr als Gesang

Bereits zum 20. Mal sorgten der kleine Chor mit den Fünft- bis Siebtklässlern und der große Chor, bestehend aus Schülern der 8. bis zur 12. Klasse, für volles Haus in der Jugendherberge. Nicht ohne Grund. „Verden bietet einfach die besten Bedingungen für unsere Proben“, erklärt Sixta Thiere die Wahl des Standortes. Die damals neumöblierte Jugendherberge habe ihnen ein Klavier vor Ort, zwei Probenetagen und noch Kleinräume geboten. Wichtig bei der Entscheidung sei vor allem auch gewesen, dass sie die Kapazität des Chors stemmen kann und, dass der Chor alleine in der Jugendherberge ist. So stört er niemanden und wird selbst auch nicht abgelenkt. „Und die Anreisezeit von zweieinhalb Stunden ist durchaus noch im akzeptablen Bereich“, fügt sie hinzu.

Traditionell erfolgt das Chorlager immer um die Herbstferien herum. „Der Chor kann so direkt neue Schüler gewinnen und neue Sänger ausbilden. Dabei gilt es, sie in die jeweiligen Stimmgruppen zu integrieren“, erklärt die Leiterin des großen Chores die zeitige Probenwoche.

Zwar wird im Chorlager „nur“ gesungen, aber entspannt zurücklehnen können sich die Schüler trotzdem nicht. „Es ist eine sehr arbeitsreiche Woche, in der wir jeden Tag von 9 bis 21.30 Uhr Proben haben“, weiß Sixta Thiere. „Am Tag üben die einzelnen Stimmgruppen entweder mit dem Chorleiter oder selbstständig. Abends erfolgen immer die Gesamtproben.“

Weihnachtsoratorium einstudiert

Das ist aber nicht die einzige Herausforderung. Parallel zu den Konzertliedern musste der große Chor die Titel für das Weihnachtsoratorium einstudieren. „Wir sind dieses Jahr nämlich wieder mit dem Kirchenkreis an dem Weihnachtsoratorium am 14. Dezember in der Johanniskirche in Salzelmen beteiligt.“ Dafür ist sogar Carsten Miseler, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde, in Verden angereist. Er hat die Gesamtproben für zwei Tage übernommen.

Neben internationalen, traditionellen Liedern, die von der Barockzeit bis in die Gegenwart reichen, wird der Chor auch Titel aus dem Oratorium auf den Konzerten singen. So werden die Gäste zusätzlich noch mit einer kleinen Weihnachtsgeschichte bereichert.

Nun sind die Chorschüler eine Woche lang im Probenlager, anstatt in der Schule Vokabeln und Formeln zu pauken. Dennoch heißt das keineswegs, dass sie eine weitere Woche Ferien genießen dürfen. Ganz im Gegenteil. Um nicht den kompletten Schulstoff zu versäumen, geben ihnen ihre Lehrer Aufgaben mit, die sie neben den zahlreichen Proben noch zu erledigen haben.

Eine bewegte Zeit, die viel Freude bereitet h

Trotz dieser stressigen Zeit ist Sixta Thiere froh, dass der Chor die Möglichkeit bekommt, eine ganze Woche für die intensiven Vorbereitungen nutzen zu können. „Die Schüler werden dadurch auch im Schulalltag entlastet. Gerade die Zeit zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien ist Klassenarbeits- und Klausurenphase. Der normale Schulbetrieb läuft ja weiter. Da können wir nicht noch drei Proben in der Woche einplanen.“ Gerade dafür sind auch die Chorsänger dankbar und arbeiten zielstrebig in den fünf Tagen mit.

Gerade wegen der stressigen Tagesabläufe genehmigen die Chorlinge ihren Stimmbändern und ihrem Kopf auch mal eine Pause. In der Nähe der Jugendherberge können sich die Schüler in einer Schwimmhalle erholen oder einen Spaziergang durch die interessante Kleinstadt machen. Donnerstags ist sogar immer ein Nachmittagsausflug in die Hansestadt Bremen geplant. Sie ist nämlich nur 20 Minuten mit dem Zug entfernt.

Das Chorlager bedeutet aber nicht nur hochkonzentriertes Proben und Vorbereiten auf die Konzerte. „Es ist zwar eine intensive Zeit, die aber auch ganz stark die Schüler mitformt. Die Kontakte entwickeln sich plötzlich jahrgangsübergreifend.“ Dies ermögliche ein schnelles Kennenlernen der neuen Fünftklässler im Kinderchor und der neuen Achtklässler im großen Chor, sieht Chorleiterin Sixta Thiere weitere positive Effekte. „Die Kleinen schauen auf die Großen, die Großen schauen auf die Kleinen.“

Jetzt kommt der "Feinschliff"

Nachdem der Grundstein nun gelegt wurde, geht es zufrieden in der Schule an die Weiterarbeit. Bei der geht es jetzt nämlich noch um den „Feinschliff“.

Dieses Weihnachtskonzert, das sie mit Birgit Ihlo leiten wird, wird das letzte für Sixta Thiere sein. „Es war schon eine bewegte Zeit, die einerseits viel Aufregung und Stress mit sich gebracht hat. Andererseits hat sie doch sehr großes Feedback und Freude über das gegeben, was man gemeinsam geschafft hat“, sagt sie rückblickend. „Am Ende ist man schon stolz, die Hürden, die man miteinander aufgenommen hat, gemeistert zu haben. Der soziale Rückhalt ist schließlich das, was zählt.“

Mit Sixta Thiere geht nicht nur eine zuverlässige Chorleiterin und Musiklehrerin mit langjähriger Erfahrung, die seit den Anfängen des Gymnasiums mit Leidenschaft dabei ist, sondern auch eine Pädagogin mit Leib und Seele. Aber noch ist es ein bisschen hin.