Calbe l „Am 19. Januar 2016 ist ein Fördermittelbescheid im Rathaus eingegangen. Rund 2,4 Millionen Euro stehen für die umfangreichen Sanierungsarbeiten des Heger-Bades bereit. 2018 soll es wieder öffnen“, verkündete Bürgermeister Sven Hause noch gut gelaunt beim Neujahrsempfang Anfang dieses Jahres. Der erforderliche Bescheid über Mittel zur Hochwassersanierung kam auch planmäßig - alles schien im Fluss zu sein. Bei dieser Summe unterliegt der Bauherr Stadt allerdings klaren allgemeinen und speziellen rechtlichen Vorgaben.

„Wir hatten unmittelbar nach Bescheideingang planmäßig alle Schritte zur Vorbereitung der Wiederherstellung der Schwimmbades eingeleitet“, unterstreicht Bürgermeister Sven Hause. „Dazu zählten auch zwingend einzuhaltende allgemeine Nebenbestimmungen des Fördermittelbescheides in Verbindung mit den Verdingungsordnungen für die Vergabe öffentlicher Leistungen und Bauaufträge sowie der Vergabeverordnung“, erklärt der Ortschef in schönster Amtssprache. Darin ist beispielsweise bei Überschreitung bestimmter Schwellenwerte die grundsätzliche europaweite Ausschreibung vorgesehen. Dies gilt im Falle des Schwimmbades bereits für die Auftragsvergabe der Generalplanung.

Der Hintergrund: „Stolperfallen“, die oft einen schwer oder häufig gar nicht mehr behebbaren Vergabefehler verursachen können, müssen vermieden werden.

Verfahren neu gestartet

Um die EU-weite Ausschreibung der Bauausführung korrekt zu gestalten, ist im Falle des Hegerbades ein sogenannter Generalplaner erforderlich. Der wurde gefunden, zog im Mai aber sein Angebot zurück. Ohne Generalplaner kein Ausschreibungsverfahren, ohne Ausschreibung kein Baubeginn.

Wie Hause versichert, hatte die Stadt bis dahin ihre Schularbeiten gemacht. Mit der Absage des Generalplaners - über die Gründe muss sich der Bürgermeister in der Öffentlichkeit ausschweigen - begann das Verfahren aufs Neue. „Das waren vier Monate umsonst, im unmittelbaren Anschluss haben wir das Verfahren gleich neu gestartet“, so Hause.

Mittlerweile haben sich jetzt sogar mehrere Bewerber um den Auftrag der Generalplanung beworben, damals nur einer.

Nun geht es mit großen Schritten voran. Das Verfahren sieht für die sachlichen und fachlichen Entscheidungen zur Vergabe der Generalplanung die Bildung einer unabhängigen Jury vor, welche nach einer Bewertungsmatrix Punkte an die einzelnen Bewerber vergibt. Deren Besetzung wird im Rahmen der nächsten Ratssitzung beschlossen. Insgesamt also ein mehrstufiger Prozess, der dauert.

Sven Hause kann dieser Prozedur aber noch etwas Positives abringen. Die erforderliche Summe für die Hochwasserschadensanierung des Hegerbades hat sich infolge weiterer Detail-Gutachten durch Spätschäden in der Zwischenzeit deutlich erhöht. Und zwar von ursprünglichen 2,4 Millionen auf 3,5 Millionen Euro.

Grünes Licht für Änderung

Wie der Bürgermeister sagt, ist der Änderungsantrag vor wenigen Tagen positiv beschieden worden. „Hätte es die Verzögerung um die Vergabe der Generalplanung nicht gegeben, wäre es für die Planungen komplizierter geworden“, so Hause.

Die Schäden der 2013er-Flut zu beheben, ist die eine Seite. Vorausschauend zu bauen, die andere. Denn das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Deswegen dürfte es eine Herausforderung für das Planungsbüro sein, Schwimmbecken und technische Anlagen so zu konstruieren, dass sie dem Wasserdruck fortan standhalten beziehungsweise im Trockenen stehen.

Trotz der langen Wartezeit dürfen sich die Calbenser dennoch freuen, voraussichtlich im Frühjahr 2019 ein hochmodernes Freibad zu bekommen.