Zuchau/Gramsdorf l Der Wind pfeift über die kahle Feldmark. Ein paar Krähen torkeln im Wind, der Weg ist von Pfützen übersät. Nur wo die „Kiete“ ist, wie die Zuchauer zu einer alten Müllkippe sagen, schützt dichtes Buschwerk ein bisschen vor dem Wetter.

Wobei die Bewältigung des zweieinhalb Kilometer langen Fußweges zwischen beiden Dörfern früher absolute Normalität war. „Ich bin nach Gramsdorf zum Konfirmandenunterricht gegangen“, erinnert sich Heimatvereinsmitglied Joachim Peterle. Es war die Zeit, als Zuchau, Gramsdorf und Dornbock auch ein gemeinsames „Schulkombinat“ hatten. Diese merkwürdige Bezeichnung eines Schulverbundes resultierte aus der organisatorischen Zusammenlegung mehrerer Schulstandorte. Die Unterrichtsräume waren auf die Orte verteilt, je nach Klassenstufe mussten die Schüler in das jeweilige Dorf laufen.

Ur-Pfarre

Organisator der Tour ist Heimatvereinsvorsitzender Jörn Weinert, der die Zuchauer Kirche als „Filial von der Ur-Pfarre Gramsdorf“ bezeichnet. Soll heißen: Gramsdorf war Haupt-, Zuchau die Nebenstelle. Weinert weiß, was Gemeinsamkeit und gutes dörfliches Miteinander bedeuten. „Wir möchten uns bei unseren Vereinsleuten und bei den Mitmachern des Heiligabendgottesdienstes bedanken“, sagt er. Der war mit einem historischen Krippenspiel recht anspruchsvoll gestaltet worden.

Bilder

Nun also die Wanderung nach Gramsdorf, bevor in Zuchau gemütlich ein Schwein gegrillt werden soll.

Anekdoten

In der Kirche wartet schon Pfarrer Dr. Lambrecht Kuhn aus Bernburg, der sieben Gemeinden zu betreuen hat. Er ist theologischer Fachkollege von Maria Wassersleben und Ulf Rödiger, die unter den Wanderern sind.

Kuhn erklärt die Kirche: Im Winter 1890/91 wurden die Glocken herunter genommen, weil der Turm so baufällig geworden war, dass er zusammenzustürzen drohte. 1899 riss man das alte romanische Gotteshaus ab und legte den Grundstein für die jetzige Kirche. „Hier oben auf dem Berg zieht es mächtig. Ich hatte hier mal eine Beerdigung, da herrschten minus 15 Grad“, flechtet der Pfarrer ein. Und er stellt mehrfach die rhetorische Frage, was man mit einer so wenig genutzten Dorfkirche heute noch machen soll. Die Gemeinde habe gerade noch 60 Glieder. Sein Amtskollege Rödiger berichtet nicht ohne stolz von Viola Otto, die die Kirche Zuchau durch „Mitmach-Konzerte“ belebt und zwei Sachsendorfer Frauen, die ähnlich ticken.

Dafür weiß Lambrecht Kuhn nette Episoden über seine Vorgänger. Ernst Polken musste den Christenlehreunterricht ausfallen lassen, weil Konfirmanden ihm Lumpen ins Ofenrohr gesteckt hatten. Er sagte immer, die ‚Böcke kommen‘, wenn Dornbocker Gemeindeglieder kamen. Karl Matthiae drückte bei Hochzeiten immer auf die Tränendrüse, weil er alle verstorbenen Familienmitglieder thematisierte.