Tornitz l Der Urgroßvater ist an allem Schuld. Zum Glück! Eckhard Henschel kann auf 100 Jahre des Metallbau-Unternehmens blicken – stolz auf Mitarbeiter, Investitionen und Umsätze. Am Freitag wird das Jubiläum groß gefeiert. Von 15 bis 18 Uhr gibt es einen Tag der offenen Tür.

Doch zurück zum Urgroßvater. 1863 hat er beim Bau der Schmiede in Tornitz mitgeholfen und dann seine Lehre als Schmied absolviert, weiß Eckhard Henschel von seinem Vater. Danach hat es ihn nach Biere gezogen, dort hatte er eine Schmiede. Sohn Ernst betrieb sie weiter. Sohn Willy kehrte jedoch zu den Wurzeln zurück und übernahm 1919 von Christoph Karsten die Schmiede. „Die Urenkelin Susann Winkler ist heute bei uns tätig“, sagt der Firmenchef.

Schwieriger Anfang

Die Anfänge liegen nun ein Jahrhundert zurück. Damals sei es eine schwierige Zeit gewesen. „Früher hatte jeder Ort eine Schmiede. Das war harte Konkurrenz. Sie mussten noch Tiere halten, sonst wären sie verhungert, so schlecht waren die Preise“, erzählt Eckhard Henschel. Der Jahresumsatz vor dem Krieg habe sich auf etwa 10.000 Reichsmark belaufen. Davon mussten Löhne bezahlt, Material gekauft werden. „Heute benötigen wir etwa eine Stunde, um diesen Umsatz zu erzielen“, zieht er den Vergleich.

Apropos Umsatz: Zur Wende lag dieser bei einer halben Million Ostmark – im vergangenen Jahr bei 24 Millionen Euro. Die Stahlbau-Firma ist gewachsen. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, teilweise von Jahr zu Jahr. Waren einst in der Schmiede von Willy Henschel zwei, drei Leute mit tätig und bis zur Wende bis zu 15 Mitarbeiter, so zählt die Henschel Stahlbau GmbH & Co.KG derzeit 167 Mitarbeiter, davon 14 Auszubildende und 15 Frauen.

Der Weg dorthin sei nicht einfach gewesen: „Einerseits hatte mein Vater Glück und wurde nicht in die LPG gedrängt – sonst gäbe es uns heute nicht mehr“, erklärt Eckhard Henschel. „Andererseits war aber auf einen Schlag die Arbeit weg. Die LPG hat uns ja nicht mehr gebraucht.“ Doch die Firma habe den Umbruch gemeistert, weil sie Aufträge aus der Industrie akquiriert habe. „Das war viel lukrativer.“ Der erste Kunde sei das Betonwerk in Schönebeck gewesen, dann das Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Magdeburg, das Traktorenwerk sowie das Dieselmotorenwerk der Elbestadt. Die Auftragslage sei gut gewesen. So gut, dass eine neue Werkstatt gebaut werden konnte. Wenige Jahre später sei ein Materiallager dazugekommen – weil man den Stabstahl nicht gekauft habe, wenn man ihn gebraucht habe, sondern wenn es ihn gab.

Schlaflose Nächte

Mit der Wende habe sich alles geändert: „Viele Betriebe gingen in Insolvenz. Auch die, die unsere Kunden waren. Ich hatte viele schlaflose Nächte“, erinnert er sich. Doch er habe mit Ehrgeiz und Fleiß und einer gehörigen Portion Glück neue große Kunden gewinnen können. Aufträge von Einkaufswagenboxen und Teile für Windkraftanlagen würden erhebliche Umsatzsteigerungen bringen.

Der Rückblick stimmt Eckhard Henschel emotional. „Ich hatte den besten Spielplatz der Welt – die Schmiede“, sagt er schmunzelnd. Die Zeit prägte. Er erlernte den Beruf des Schmiedes und Schlossers, schloss ein Studium zum Schweißingenieur an, arbeitete einige Jahre bei der Firma Förderanlagen Calbe. 1979 kam er in den väterlichen Betrieb zurück. Die Leidenschaft hat er weitergegeben: Mittlerweile kümmern sich seine Söhne Henrik (43) und Mario (41) um das laufende Geschäft. An Ruhestand denkt er noch nicht. Stattdessen überlegt er, wo noch Platz für eventuelle Hallenbauten sei. Und dann seien da ja neben dem Betrieb auch noch die verschiedenen Ehrenämter wie Ortsbürgermeister oder Landesinnungsmeister.

Übrigens gibt es neben dem Firmenjubiläum noch weitere Feier-Gründe: die Einweihung der fünften Halle und des neuen Verwaltungsgebäudes (mit Maschinen eine Investition von rund 4 Millionen Euro) und der 69. Geburtstag von Eckhard Henschel, der am Montag war.