Schönebeck/Biere l Deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen hat die Corona-Pandemie im Jahr 2020 in Deutschland hinterlassen. Nach zehnjähriger Wachstumsphase ist die deutsche Wirtschaft im Virus-Krisenjahr 2020 in eine schwere Rezession geraten, das Bruttoinlandsprodukt um fünf Prozent gesunken. Auch in der Region macht sich diese Krise bemerkbar. Beispielsweise in Form von Stundungsanträgen für Gewerbesteuern regionaler Unternehmen – sowohl in der Stadt Schönebeck als auch in der Gemeinde Bördeland. Bei einer Stundung handelt es sich um eine behördliche Gewährung einer verlängerten Zahlungsfrist.

„Es gibt zwei Anträge auf Verlängerung der Stundung der Gewerbesteuer aus dem Veranlagungsjahr 2020“, berichtet Stadtsprecher Frank Nahrstedt auf Volksstimme-Anfrage. Die Gewerbesteuer-Jahresbescheide für das Jahr 2021 wurden erst kürzlich verschickt, weshalb noch nicht gesagt werden kann, ob es auch für das aktuelle Jahr solche Anträge in Schönebeck geben wird. „Bei den Grundsteuern liegen der Stadt Schönebeck keine Anträge vor“, informiert Nahrstedt. Die im Jahr 2020 offenen Posten seien bis zum 31. Dezember 2020 gestundet worden und sollen im Jahr 2021 in Form von Raten gezahlt werden.

Zehn Stundungsanträge in Bördeland

Ähnlich sieht es auch in Bördeland aus. Bürgermeister Bernd Nimmich teilt mit, dass es aufgrund des Coronavirus zehn Anträge auf Stundung der Gewerbesteuern in Höhe von insgesamt 59.000 Euro gebe. „Je nach Antrag verlängern sich die Zahlungstermine um sechs bis zwölf Monate“, erklärt er.

Doch was bedeutet das für die Stadt und die Gemeinde im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 in Zahlen? Ging man in Schönebeck Anfang 2020 von Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 10,5 Millionen Euro aus, so sind für jenes Jahr tatsächlich aber „nur“ 9.178.688,32 Euro eingegangen. Mit Blick auf das Jahr 2019, in dem 9,1 Millionen Euro Einnahmen durch Gewerbesteuern angesetzt, tatsächlich aber deutlich über 10,5 Millionen Euro gezahlt wurden, ergibt sich zwischen dem Krisenjahr 2020 und dem Jahr davor eine Differenz von minus 1.395.932,88 Euro. „Dabei federn die Gewerbesteuerausgleichszahlungen vom Land Sachsen-Anhalt in Höhe von 777.900 Euro den Ertragsausfall bei den Gewerbesteuern ab“, informiert Nahrstedt.

Minus in Stadt und Gemeinde

In der Gemeinde Bördeland wurden 2019 3.048.600 Euro Einnahmen aus Grund- und Gewerbesteuern generiert. „Im Jahr 2020 hat die Gemeinde 2.293.100 Euro eingenommen“, berichtet Nimmich. Das ergibt ein Minus von 755.500 Euro.

Und wie steht es um die Vergnügungssteuer in der Stadt und der Gemeinde? In Schönebeck habe es für 2020 einen Antrag auf Stundung beziehungsweise Ratenzahlung gegeben. In diesem Bereich liegt die Differenz der Einnahmen zwischen 2019 und 2020 bei minus 27.942,33 Euro. Was die Gemeinde Bördeland angeht, so sei die Vergnügungssteuer mit jährlichen Einnahmen in Höhe von 2800 Euro ohnehin sehr gering, so Nimmich. „Im Vergleich zum Vorjahr (2019) gibt es keine Veränderung“, so der Bürgermeister. 4000 Euro seien aber aufgrund von Einnahmeausfällen im Bereich Gewerbepachten seitens der Gemeinde Bördeland gestundet worden.

Keinen Kredit aufgenommen

Insgesamt haben die Stadt Schönebeck und die Gemeinde Bördeland zunächst geringere Einnahmen durch Stundungen verzeichnen müssen. Doch weder Stadt noch Gemeinde mussten in Zusammenhang mit dem Coronavirus bislang einen Kredit aufnehmen.

Hilfe für vom Virus betroffene Unternehmen gibt es aber auch abseits von Stundungen – beispielsweise telefonisch bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Schönebeck. „Die Stadt pflegt eine enge Zusammenarbeit mit der IHK und der HWK sowie weiteren Verbänden.“