Berufsausbildung

Hilfsgelder für Ausbildungsbetriebe im Salzlandkreis kaum genutzt

Von Paul Schulz
Mittels Videobesprechung haben der Schönebecker Gastwirt  Hendrik Treffehn (v.l.) und sein Auszubildender  Denni Schulze mit Heike Wunschik, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Bernburg, und Anja Huth,Chefin der Agentur, über die Ausbildungssituation während der Pandemie gesprochen.
Mittels Videobesprechung haben der Schönebecker Gastwirt Hendrik Treffehn (v.l.) und sein Auszubildender Denni Schulze mit Heike Wunschik, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Bernburg, und Anja Huth,Chefin der Agentur, über die Ausbildungssituation während der Pandemie gesprochen. Screenshot Paul Schulz

Schönebeck

„Der Ausbildungsmarkt ist in Zeiten der Pandemie ganz besonderen Strapazen ausgesetzt“, fasst Anja Huth, Chefin der Agentur für Arbeit Bernburg, zusammen. So durften Berufsberater nicht in den Schulen tätig werden, die Möglichkeiten ein Praktikum zu absolvieren war und ist für Jugendliche äußerst schwierig und auch die Ausbildungsbetriebe – vor allem im Gastronomiebereich oder in der Veranstaltungsbranche – seien zurückhaltend, was die Anstellung neuer Azubis angeht, so Anja Huth.

Um all dem entgegenzuwirken, gibt es schon seit August 2020 das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“, mit dem Ausbildungsbetriebe finanziell unterstützt werden. Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen können staatliche Zuschüsse erhalten.

Einbußen nachweisen

Ausbildungsbetriebe, die zwischen 30 und 50 Prozent Umsatzeinbußen nachweisen können, können demnach zwischen 2000 und 6000 Euro Prämien erhalten – je nachdem, ob Ausbildungsplätze erhalten bleiben oder sogar neue geschaffen werden. Außerdem sind bis zu 75 Prozent der Ausbildungsvergütung förderfähig, um Kurzarbeit bei Azubis zu vermeiden, teilt die Agentur für Arbeit Bernburg mit.

Im Salzlandkreis ist das Unterstützungsprogramm bislang aber eher zögerlich angenommen worden. Laut Huth wurden seit August lediglich 20 Anträge bewilligt. Insgesamt stellten 37 Betriebe einen Antrag auf Förderung. „Dabei hatten wir uns auf eine riesige Nachfrage eingestellt.“

Abgelehnte Anträge

Ein paar Anträge mussten aber auch abgelehnt werden, da zum Teil die Grundvoraussetzungen nicht erfüllt waren oder weil die Auszubildenden die Probezeit nicht erfolgreich absolvierten. Eine Grundvoraussetzung ist beispielsweise die Betriebsgröße. So dürfen – laut der neu überarbeiteten Fassung des Programms – maximal 499 Menschen in dem Betrieb beschäftigt werden. Vorher war die Größe der Betriebe auf 299 festgesetzt.

So viele Angestellte hat der Schönebecker Gastronom Hendrik Treffehn bei weitem nicht. Aber er bildet in seiner Gaststätte „Stadtpfeifer“ trotzdem aus – und ist damit förderfähig. Er profitiert bereits von dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“. Und nicht nur er. Auch für seinen Azubi, den 28-jährigen Denni Schulze, ist es natürlich wichtig, dass die Gaststätte die Pandemie finanziell übersteht. Denni Schulze absolviert in dem Gasthaus derzeit eine Ausbildung zum Koch. Trotz Pandemie fühlt er sich aber gut vorbereitet, so der Auszubildende im zweiten Lehrjahr. „Es ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber gekocht wird ja trotzdem“, so der Lehrling.

Unkomplizierte Beantragung - oder?

Darüber, warum nicht noch mehr Ausbildungsbetriebe die Hilfe beantragen, kann man bei der Agentur für Arbeit nur rätseln. Schließlich soll die Beantragung ganz unkompliziert sein. „Das ist schnell und schmal zu klären“, sagt Anja Huth. Das hat Hendrik Treffehn jedoch anders wahrgenommen. „Es war schon kompliziert und man hat Angst, etwas falsch auszufüllen“, sagt der Gastronom. Er schickt aber hinterher, dass es zusammen mit einer Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit dann doch schnell geklappt hat.

Daher ermutigt auch Anja Huth, dass die Betriebe sich einfach bei der Agentur melden sollen. Zusammen könne man die Voraussetzungen klären und offene Fragen beantworten. Denn die Agenturchefin ist überzeugt: „Wenn ich die Pandemielage wieder entspannt, wird jede einzelne Fachkraft gebraucht.“ Umso wichtiger sei es deshalb, dass derne Ausbildung auch gesichert ist.