Schwarz l Kunst ist sein Metier. Seine Flucht aus dem Alltag. Weg von den gesundheitlichen Problemen hinein in den kreativen Schaffensprozess. Die Rede ist von Manfred Grimm, dem Ortsbürgermeister des Calbenser Ortsteiles Schwarz. Künstlerisch tanzt er gleich auf mehreren Hochzeiten: So widmet er sich seit Eintritt ins Rentenalter der Aquarell- und Ölmalerei als auch der Drechselei.

Mit Malerei und Drechselei gegen das Einerlei. Viel Aufhebens möchte der 74-Jährige um seine künstlerischen Ambitionen jedoch nicht machen. „Ich bin doch kein Rembrandt und will nicht im Rampenlicht stehen“, antwortet Grimm lächelnd auf die Frage, ob er bereits mit dem Gedanken an eine Ausstellung gespielt habe - die Präsentation für seine sehenswerten Werke. Angebote, um auszustellen, habe es in der Vergangenheit schon mehrfach gegeben.

Etwa das Ausstellen in öffentlichen Einrichtungen oder Läden. Bisher hat Grimm jegliche Anfragen abgelehnt. Schließlich betreibe er die Kunst als Hobby. Entschuldigend ergänzt er mit spitzbübischem Grinsen, dass ihm für eine Ausstellung die Rahmen fehlten. Die aber könnte Grimm sich auch selbst drechseln.

Bilder

Nebenher Oldtimer basteln

Material, mit denen die Bilderrahmen bestückt werden könnten, gibt es genug. Zwei Zimmer im Haus zeugen bereits von seiner Schaffenskraft. „Weil es drinnen zu viel wurde, bin ich raus in die Garage gezogen“, meint der Schwarzer, der nebenher zudem an Oldtimern bastelt.

Die heimische Garage ist nun Atelier als auch Kunstwerkstatt zugleich und in Teilen auch Lagerplatz für seine Bilder und hölzernen Bauten. Eine hochformatige Ölmalerei auf einer Plastikplatte erregt in der Garage Aufmerksamkeit. „Das ist der ehemalige Wasserturm von Calbe“, sagt Grimm. Mit hellen, leuchtenden Farben strahlt die Ölmalerei nach seinem Empfinden gleichzeitig Lebenskraft aus. Wer beim Blick auf die fein gearbeitete Malerei denkt, Grimm habe eine künstlerische Ausbildung oder gar Kunstkurse besucht, irrt sich. Nein, er ist Autodidakt. Mit Ruhe, Ehrgeiz und Interesse für die Kunst habe er sich die notwendigen Fertigkeiten angeeignet.

Kunst als Lebenselixier

Über die Anzahl seiner Malereien kann er inzwischen keine genaue Aussage mehr treffen. Aber: Es sei schon jetzt mehr als genug - und trotzdem werde auch künftig noch mehr dazukommen. Ganz sicher weitere Malereien von einem seiner absoluten Lieblingsmotive: Der Saaleinsel Gottesgnaden.

Kunst ist heute sein Lebenselixier. „Ich brauche das, denn so grüble ich nicht so sehr über meine Krebserkrankung“, begründet er. Gegenüber des Wasserturm-Bildes steht seine Werkbank. Ein hockerhohes Gestell mit kreisrund ausgesägten Löchern steht dort. Später sollen hier Blumentöpfe eingesetzt werden. Die größeren Exemplare finden in der Werkstatt schon gar keinen Platz mehr. Sie stehen unter dem Vordach. Bänke mit rechteckigen, herausgesägten Platten für Blumenkästen. „Das sind meine Blumenbänke“, zeigt er mit Stolz auf die gebauten Unikate. Mit dem grünen Kleeblatt als Symbol für Glück und Hoffnung, dem Herz für die Liebe hat Grimm die Bänke individuell gestaltet. Dazu hat er ein herzliches „Willkommen“ in die hölzerne Lehne gefräst. Buche und Fichte, aber auch anderes Hartholz verwendet Grimm für seine Arbeiten.

Für wen er das fertigt? „Ich habe eine elfköpfige Familie. Hier gibt es genügend Nachfrage“, schmunzelt der gelernte Schuhmacher. Seine Affinität für das Kunsthandwerk habe er aller Wahrscheinlichkeit nach von seinem Großvater mitbekommen. Der habe nämlich als Holzfäller und Porzellanmaler gearbeitet. Letzteres wäre aber nichts für Grimm, sagt er.