Calbe l Klaus-Rüdiger Vollbaum hat in seinem Leben schon allerhand gesammelt – alte Geldscheine, Bierdeckel, Ansichtskarten. Und unter anderem auch Briefmarken. Und denen ist er bis heute treu geblieben. Über 30 Alben hat der Rentner inzwischen gefüllt. Mehrere Tausend Briefmarken bewahrt der 70-Jährige in den Ordnern auf. Gezählt hat er sie nie. „Die Mühe mache ich mir sicher nicht. Das würde ja ewig dauern“, sagt Vollbaum. Darüber hinaus ist der Calbenser der Vorsitzende des Briefmarken-Sammlervereins Calbe.

Angefangen hat alles vor rund 60 Jahren. Da hat nämlich Klaus-Rüdiger Vollbaum die Briefmarkensammlung seines Großvaters bekommen. Allerdings hat zunächst Vollbaums Vater die Sammlung für seinen Sohn weitergeführt. Im Jahr 2000 hat dann schließlich Klaus-Rüdiger Vollbaum die zahlreichen Marken und Alben übernommen.

Spendenmarken aus der DDR

Seitdem hat der 70-Jährige sich auf verschiedene Marken fokussiert. Zum Beispiel Spendenmarken aus der ehemaligen DDR gehören zu Vollbaums Sammelobjekten. Das sind also Marken von Institutionen wie Sportvereinen, Angelvereinen„ der Armee-Sport-Vereinigung und viele mehr. „Es gab rund 15.000 Spendenmarken in der DDR. Davon habe ich ungefähr ein Drittel“, sagt Vollbaum.

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Der sammelbegeisterte Rentner versucht aber nicht auf Teufel komm raus seine Sammlungen zu komplettieren. „Es ist nur ein Hobby. Zwar ist es der Reiz beim Sammeln, die Sammlung immer weiter zu vervollständigen, aber das muss ich nicht um jeden Preis erreichen“, sagt Klaus-Rüdiger Vollbaum.

Trotzdem hält er auf Flohmärkten immer ein Auge offen und stöbert im Angebot der Händler. „Wenn ich Spendenmarken sehe, dann nehme ich die auch mit“, so der 70-Jährige. Zudem annonciert der Sammler etwa zwei Mal im Jahr in einer Philatelie-Zeitschrift (Philatelie ist die Briefmarkenkunde), um so eventuelle Tauschpartner zu finden. Denn das Tauschen gehört noch immer fest zum Briefmarken sammeln dazu.

Betrüger im Internet

Im Internet guckt der Philatelist allerdings nicht nach Marken. „Da sind mit zu viele Betrüger unterwegs. Die drucken die Marken einfach selbst. Da lasse ich die Finger von“, sagt Klaus-Rüdiger Vollbaum.

Eine Lieblingsmarke habe der Sammler übrigens nicht. Dafür aber die eine oder andere Rarität. Außergewöhnlich sei zum Beispiel eine Postkarte, die die Abteilung Flugsport der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) anlässlich der Deutschen Segelflugmeisterschaften von 1960 gedruckt hatte und mit der ein Preisausschreiben durchgeführt wurde. „Die Postkarte ist doppelt frankiert und doppelt gestempelt, da die GST dem Einsender der Karte mitgeteilt hat, dass er nichts gewonnen habe. So etwas habe ich sonst noch nirgendwo gesehen“, sagt Vollbaum.

Diesen kleinen Schatz bewahrt der Sammler in einem Ordner mit Klarsichtfolien auf. Darüber hat Vollbaum feinsäuberlich die Serie aufgeklebt, die die verschiedenen Segelflugzeuge zeigt.

Ein aussterbendes Hobby

Was den Wert seiner Sammlung angeht, so sagt Vollbaum, dass sie früher deutlich mehr Wert war, als es jetzt der Fall ist. „Zu DDR-Zeiten war das noch eine Wertanlage. Da hätte man sich auch locker einen Trabi für besorgen können. Heute ist es nur noch einen Bruchteil wert“, sagt Vollbaum. Aber er betont, dass es eben nur ein Hobby sei. Es sei ihm relativ egal, wie viel seine Sammlung Wert sei.

Im übrigen glaubt Klaus-Rüdiger Vollbaum, dass das Briefmarkensammeln ein Hobby ist, das ausstirbt. „Damit lockt man doch keinen mehr hinter dem Ofen hevor“, sagt der Rentner. So würde es immer weniger Briefmarken-Sammlervereine geben und die, die es noch gibt, hätten kaum noch Mitglieder. Auch in Calbe zählt der Verein nur noch sechs Mitglieder, die sich einmal im Monat treffen, berichtet Vollbaum.

Allerdings feiert der Verein in diesem Jahr schon sein 70-jähriges Bestehen. Und das wollen Vollbaum und seine Vereinskollegen – wie könnte es anders sein – mit einer Sonder-Briefmarke würdigen. Bei der Wahl des Motivs sind sich die Sammler noch nicht ganz einig. Eines steht aber fest: die nächste Marke kommt bestimmt.