Biere l Betritt man den Hof von Familie Schütze in Biere, wird man meist von einem Hundebellen begrüßt. Wach- und Hütehund Sammy passt auf, dass niemand fremdes das Grundstück betritt. Wirft man einen Blick zur Seite, fällt auch schon auf, welches „kostbare Gut“ der Border Collie Rüde bewacht. Auf einer kleinen Koppel weiden drei Shetlandpony-Stuten vergnügt dahin. Doch diese sind nicht allein, denn Kaltblut-Stute Elfi ragt weit über die „Winzlinge“ aus dem Norden hinweg.

Die Leidenschaft für Pferde ist bei Hartmut und Viola Schütze deutlich zu spüren. „Wir hatten auf unserem Hof schon immer Pferde“, erzählt Hartmut Schütze, „ich bin quasi damit aufgewachsen“. Früher hielt schon sein Vater Pferde für die Bearbeitung der Äcker - immerhin betrug die Grundstücksgröße damals schon einen Hektar - und für Kutschfahrten. Zu den Shetlandponys kamen sie eigentlich nur durch Zufall, erinnert sich Viola Schütze. „Wir haben unserem Sohn zu seinem dritten Geburtstag ein Shetlandpony geschenkt, damit er den Bezug zum Pferd aufbauen kann. Die kleinen Ponys sind dafür ideal“, erzählt sie.

Bestand vergrößert sich

Schnell verliebte sich aber die ganze Familie in die „Mini-Pferde“ und so schafften sie sich zwei Jahre später das zweite Pony an. Von den großen Pferden mussten sie sich im Laufe der Zeit leider trennen, sagt Hartmut Schütze leicht betrübt. Da Opa Schütze seine Pferde aber so gern hatte, kauften sie kurzerhand ein drittes Fohlen mit dem klangvollen Namen „Loreley“. Ein Championatsfohlen – eine gute Auszeichnung für Rassepferde – das später die Zucht der Familie Schütze ins Leben rufen sollte.

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Doch vorher erfüllte sich Hartmut Schütze mit dem Kauf der Rheinisch-Deutschen Kaltblut-Stute Elfi einen Lebenstraum. Endlich konnte er mit einer großen Kutsche ausfahren. Die „Shettys“, wie die Shetlandponys auch genannt werden, wurden zunächst vorrangig für die Arbeit auf dem Acker genutzt. „Die Shettys sind perfekt geeignet für das Pflügen und Drillen des Ackers. Wir pflanzen zum Beispiel Rüben und Kartoffeln an“, erzählt Hartmut Schütze.

Eintritt in den Verein

Bei einer befreundeten Züchterin haben sie dann gesehen, dass man die Shetlandponys auch gut für das vierspännige Fahren mit der Kutsche nutzen kann. „Das wollten wir natürlich auch sofort ausprobieren“, schwärmt Viola Schütze von den Kutschfahrten. Prompt standen dann zwei neue Fohlen auf dem Hof. In der Zwischenzeit ist Championatsfohlen Loreley zu einer stattlichen Stute herangewachsen und eignete sich dank ihrer guten Papiere zum Züchten. Kurzerhand beschloss Familie Schütze in den Verein Pferdezucht Pony- und Kleinpferde Zerbst/Anhalt einzutreten.

Ab Januar 2016 durften sie dann offiziell züchten. Loreley wurde zum Decken eines anderen Tieres zu einem Züchter gebracht, und im Mai 2016 kam dann das erste Fohlen zur Welt. „Von da an haben wir Blut geleckt“, bemerkt Viola Schütze zu ihren Anfängen in der Ponyzucht. Luna, so hieß ihr erster „Nachkömmling“, wurde sogar als „Prämienfohlen“ ausgezeichnet. Auf den sogenannten Prämienschauen, werden die Fohlen und Stuten einer Jury vorgestellt, die das Aussehen und Verhalten der Tiere bewerten.

Austausch mit Gleichgesinnten

So achten sie unter anderem auf einen taktvollen Schritt und ein kräftiges Fundament der Pferde mit gleichmäßig wohlgeformten Hufen. Eine Auszeichnung als „Championatsfohlen“, „Staatsprämienstute“ oder sogar „Elitestute“ steigert den Wert der Tiere und macht sie dadurch für den Verkauf attraktiver. Außerdem kann sich der Züchter damit einen Namen im Verein machen. „Auf solchen Veranstaltungen spielt sich dann auch das Vereinsleben ab. Man trifft sich, tauscht sich aus und kommt in Kontakt mit Gleichgesinnten“, erzählt Viola Schütze.

Auf solche Schauen müssen die Tiere natürlich vorbereitet werden, unterstreicht Viola Schütze. „Wir üben schon Wochen vorher mit ihnen, damit sie unter anderem einen guten Schritt haben“, so Schütze.

Pferde aus dem Ausland

Um ihre Zucht weiter auszubauen, suchten sie nach guten Züchtern von denen sie Zuchtstuten zukaufen konnten. So vergrößerten sie ihren Ponybestand im Laufe der Jahre um vier weitere Tiere. Zuchttiere behalten dabei immer den Zusatznamen ihres Züchters, so entstehen Zungenbrecher wie Raffinesse vom Purnitzgrund, Luna von Salza, Rosalie aus dem Wendland und Gonja van den Biezenakker. Letztere hat sich sogar auf den weiten Weg von den Niederlanden bis nach Bördeland gemacht. Nicht der erste Ausflug ins Ausland für Hartmut und Viola Schütze.

„Unsere Zuchtfreunde haben Kontakt zu einem englischen Züchter aufgebaut, den wir dann im vergangenen Jahr besucht haben“, erzählt Viola Schütze von ihrem ersten Urlaub in England. „Wir haben gemeinsam die Devon County Show besucht - eine große Landwirtschaftsschau“. Danach haben sie sich die Zucht des englischen Züchters im Dartmoor Nationalpark angesehen und direkt ein Pony ausgesucht. Dieses wurde dann einige Wochen später per Lkw nach Biere gebracht.

Bei Schützes angekommen mussten sie dann aber leider feststellen, dass das Pony einige Makel im Bewegungskörper aufwies und daher nicht zur Zucht geeignet wäre. Deshalb musste es wieder zurückgeschickt werden. „Da waren wir schon sehr enttäuscht“, erinnert sich Viola Schütze immer noch leicht wehmütig.

Holländische Ponys

Dennoch wollten sie gern eine zweite Rappenstute für ihre Zucht und wurden auf die Veranstaltung „Shetlandpony Selectsale“ in den Niederlanden aufmerksam. Dort werden Shetlandponys von den Züchtern präsentiert und versteigert. Obwohl sie eigentlich nur gucken wollten, entschieden sich Hartmut und Viola Schütze dazu ein Pony zu ersteigern. „Die Ponys werden vorher untersucht und haben meist eine hohe Qualität zu angemessenen Preisen“, erzählt Hartmut Schütze.

Eine Woche später sind sie samt Hänger nach Holland gefahren, um die Stute abzuholen. Hin und zurück innerhalb eines Tages. „Das hat uns schon einiges abverlangt“, erinnert sich Hartmut Schütze an die anstrengende Reise. Doch auch in diesem Jahr wollen sie wieder an der Veranstaltung teilnehmen und eventuell auch wieder ein Pferd ersteigern.

Weitere Bewohner des Schützenhofes

Momentan befinden sich sechs Shetlandponys auf dem Hof der Familie Schütze, deren Zuchtfohlen ab 2018 auch den Beinamen „vom Schützenhof“ tragen dürfen. Vier Stuten sind zurzeit tragend, und die ersten Fohlen werden ab Anfang April erwartet. „Idealerweise werden die Stuten zwischen Mai und Juni schwanger, damit die Fohlen pünktlich für die Schauen da sind“, erklärt Viola Schütze. Wenn die weiblichen Fohlen auf den Schauen gute Ergebnisse erzielen, bleiben sie weiterhin auf dem Hof der Familie Schütze, um die Zucht weiter ausbauen zu können. Hengste könne man zurzeit nicht selbst halten, dafür sei die Koppel zu klein. Darum werden die männlichen Fohlen beschnitten und als Wallache drei Jahre lang zu Fahrtieren ausgebildet und dann verkauft.

In diesem Jahr werden Hartmut und Viola Schütze auch an der Sternfahrt der Ponyzuchtgemeinschaft „Drömling“ teilnehmen. Diese findet am 27. April in Tangermünde statt. Viele Züchter nehmen mit ihren Pferden an der 26 Kilometer langen Fahrt teil. „Zwischendurch werden natürlich ein paar Pausen eingelegt“, versichert Viola Schütze.

Die Koppel teilen sich die Ponys momentan mit einem weiteren kleinen Hobby von Hartmut und Viola Schütze. Derzeit leben dort nämlich auch zwei Zwerg-Zeburinder und ein frisch geborenes Kälbchen. Die Wildrinder sind pflegeleicht und kümmern sich um die Pflege der Koppel. Außerdem befinden sich auf dem „Schützenhof“ noch zwei weitere Border Collies, Hühner und Katzen.