Schönebeck l Als der Chef des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), Burkhard Henning, der wegen einer Vertragsunterzeichnung in Schönebeck weilte, machte er auch auf bevorstehende Arbeiten am Elbtor aufmerksam. Hier müssen die Pfosten für eine mobile Schutzwand neu gesetzt werden. Das klang für den Laien nach einem eher minderschweren Aufwand.

Das Gegenteil ist der Fall: Zwei Jahre werden Bauarbeiten im Bereich der Altstadt dauern, um den Hochwasserschutz hier nach aktuellen Standards auszurichten. Schließlich gibt es auf Schönebecker Seite keinen schützenden Deich, folglich müssen feste beziehungsweise mobile Schutzwände das nasse Element im Fall des Falles von den Gebäuden fernhalten. Und die müssen wiederum fest gegründet sein. Fester als bislang.

Weiterer Flut vorbeugen

Die Flut vom Juni 2013 hat gezeigt, welche Pegelstände die Elbe auffahren kann. Nun soll dahingehend vorgebeugt werden, dass selbst bei einer Wiederholung der 2013er Flut und selbst dann, wenn die Natur noch eine Schippe Wasser obendrauf legt, die Wohnbebauung geschützt bleibt.

Diese Vorrede erklärt ein Stück weit den großen Aufwand, der mit der Baumaßnahme verbunden ist. Erläuterungen zum Ablauf gaben am 12. Juni im Rathaus Ronald Günther und Ulf Reimherr vom LHW sowie Baustellen-Chef André Schreiter und der Architekt Thomas Lebek.

Bohrgerät wiegt 120 Tonnen

Um die Strecke von 250 Metern zwischen Salzblumenplatz und alter Elbebrücke hochwassersicher zu machen, ist die Uferlinie in mehrere Teilobjekte gegliedert worden. Wie André Schreiter von der beauftragten Firma Hundhausen mit Hauptsitz in Eisenach sagte, müssen Tiefbauarbeiten mit einem Respekt einflößenden, 120 Tonnen schweren Bohrgerät erfolgen. Immerhin geht es für die Gründung der Fundamente bis zu zehn Meter tief in die Erde. Dieses Bohrgerät sei die größte Herausforderung: „Für uns in technischer Hinsicht und für die Anwohner wegen der Lärmbelästigung“, erläuterte Schreiter. Er betonte: „Ja, es wird laut. Da gibt es leider keinen Ausweg.“ Das Bohren an sich sei dabei nicht der wirklich Lärm erzeugende Faktor. „Das eigentlich Laute an der Geschichte ist das Abrütteln des ausgehobenen Erdreiches aus der Bohrschnecke“, erklärte Schreiter.

Anfangen will die Fachfirma (beauftragt ist die Niederlassung am Standort Erzgebirge) am Brückenpfeiler in der Müllerstaße und zwar am 23. Juli. Vorher - ab 16. Juli - erfolgt die Baustelleneinrichtung und damit einhergehend die Sperrung des Elbtores - ein Parken ist dann hier vorerst nicht mehr möglich. André Schreiter unmissverständlich: „Diesen Platz brauchen wir.“ Er will, unabhängig von der Einwohnerversammlung im Rathaus, noch einmal mit allen Anwohnern sprechen, um zu informieren, was demnächst auf und an ihrem Grundstück passiert, welche Einschränkungen es geben wird. Sein Appell: Sollte es während der Bauphase Fragen geben, sollen sich die Schönebecker bitte direkt an die Bauleitung wenden, also nicht einfach den nächsten Bauarbeiter ansprechen.

Vollsperrung zeitweise nötig

„Das wird ein komplizierter Bauabschnitt“, sieht Flussbereichsleiter Roland Günther vom LHW voraus. Im Vorfeld soll für alle Häuser im betroffenen Bereich eine Begutachtung der Substanz erfolgen, um Veränderungen nachweisen zu können. Dieser Aufgabe will sich der Architekt und Gutachter Thomas Lebek widmen. Auch er werde mit den Anwohnern Kontakt aufnehmen, sagte er. Bei der Begehung werde es eine „augenscheinliche Zustandserfassung“ geben. Er konnte dahingehend beruhigen, dass die Müllerstraße nicht zwei Jahre lang zur unpassierbaren Dauerbaustelle wird. Sollten Anwohner zum Beispiel einen Möbeltransport erwarten, könne die Zufahrt ermöglicht werden.

Eine Vollsperrung sei nur zeitweise nötig. Jeweils dienstags werde es Bauberatungen im Container geben, der am Salzblumenplatz aufgestellt sein wird. Bei Fragen können sich die Bürger hier ab 11 Uhr an den Polier oder andere leitende Mitarbeiter wenden. Weiterhin werde ein großes Baustellenschild aufgestellt, das wichtige Kontaktdaten enthalte. Auch Ronald Günther sagte dazu: „Wenn Sie Probleme haben, kommen sie zu uns. Wir sitzen ja wirklich um die Ecke.“ (Der Flussbereich Schönebeck des LHW hat seinen Sitz an der Ecke Müllerstraße).

Geld vom Land

Anwohnerin Simone Zuck fragte nach, wo denn Patienten für eine im Elbtor ansässige Physiotherapie und Kunden für das Café „Elbblick“ parken sollen. Könnten nicht wenigstens zwei Parkplätze eingerichtet werden? André Schreiter lehnte das aus Versicherungsgründen ab. Die Stadt, vertreten durch Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) und Baudezernent Guido Schmidt, sieht keine anbietbare Lösung. Anwohnerin Heike Wehmeyer: „Es geht hier um zwei Jahre!“ Als auch ihrem Nachhaken ein „geht nicht“ von Seiten der Stadtvertreter folgte, mischte sich Anwohner Frank Mehr ein: „Herr Schmidt, ich bitte Sie einfach prüfen zu lassen, welche Parkmöglichkeiten geschaffen werden können, vor allem im Sinne der Unternehmer in diesem Bereich - und nicht einfach zu sagen ‚geht nicht‘.“

Grundsätzlich sei er aber froh, dass diese Maßnahme ausgeführt wird, fügte Frank Mehr an. Es gab auch von keinem anderen Bürger Kritik an dem Bauvorhaben. Das kostet rund 3,8 Millionen Euro, wie Ulf Reimherr auf Nachfrage der Volksstimme sagte. Hinzu kommen Planungsleistungen und Kosten für die Baustelleneinrichtung in Höhe von rund 558.000 Euro. Das Geld stellen Bund und Land Sachsen-Anhalt im Rahmen des Hochwasserschutzes zur Verfügung.