Calbe/Gottesgnaden l Die Lage erinnert an das verheerende Hochwasser Anfang Juni 2013. Eine lange Kette aus Helfern wuchtet bei Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen in Windeseile unzählige Sandsäcke auf einen Deich in Schleusennähe. Der Unterschied: Damals war am Unterpegel der Saale die Neun-Meter-Marke längst geknackt, heute führt der Fluss Niedrigwasser und die Katastrophe von damals ist kaum mehr vorstellbar. Vielmehr handelt es sich jetzt „nur“ um eine Übung zum richtigen Verlegen der Sandsäcke bei unterschiedlichen Schadensbildern am Deich. Unter Anleitung wird beispielsweise der Bau einer sogenannten Quell- (bei punktuellen Wasseraustritten am Deich) und einer Kammkade (bei flächigem Wasseraustritt) exerziert. Alle Beteiligten wissen, dass die Lage unvermindert ernst bleibt, denn das nächste Hochwasser ist gewiss. Das beweist auch nur wenige Meter weiter der Deich zur Saale, der auf 430 Metern verbreitert und erhöht wird.

Zuvor hatten sich am Sonnabendvormittag im Heger-Sportlerheim die Calbenser mit den Kameraden der Schönebecker und Barbyer Wasserwehren getroffen. Ingenieurin Christin Kloß vom Schönebecker Flussbereich des Landesamtes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) brachte die Anwesenden in Sachen Hochwasserschutz in der Region auf den neuesten Stand. Von den geplanten Zeitschienen für Deichsanierungen, Deichlückenschluss und Rückverlegungen war die Rede.

Deichbau ist Thema

Während die geplanten Arbeiten auf Gottesgnaden zeitnah erfolgen, sollen in Barby vergleichsweise spät die Bagger anrücken. „Die Deiche bei Tornitz und Groß Rosenburg sind Schwachstellen. Sie werden wie Pudding, je länger das Wasser dort steht“, mahnte Detlev Lorbeer von der Barbyer Wasserwehr. Überhaupt sei von der Politik nach dem Hochwasser 2013 viel versprochen worden, kaum etwas sei bislang umgesetzt worden, so Lorbeer.

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Auch Jens Strube kritisierte sowohl in seiner Funktion als Barbyer Bürgermeister, aber auch als Hochwasserbetroffener den vorgelegten Zeitplan. „Warum soll Barby frühestens erst 2022 drankommen?“ Christin Kloß und Deichfachberater Peter Butz führten mit Grundstückskäufen, Naturschutzfragen, Wegebau und Bermen eine Aufgabenfülle an, die durch personelle Engpässe nur sukzessive abgearbeitet werden könnten. „Das können sie doch keinem Bürger erklären, wenn das Wasser wieder kommt“, entgegnete Strube.

Versöhnliche Töne

Calbes Amtskollege Sven Hause war um versöhnliche Töne bemüht. „Das ist offensichtlich ein Problem, das nur auf politischer Ebene gelöst werden kann, dafür werde ich mich einsetzen“, versprach Hause.

Pierre Kulik, Sprecher des 2014 ins Leben gerufenen Runden Tisches der Wasserwehren in Sachsen-Anhalt, sprach von der Notwendigkeit, einen Landesverband zu gründen. Ziel sei es, den Wasserwehren gegenüber der Politik eine starke Stimme zu geben, beispielsweise in Sachen Digitalfunk, über den Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW) und Rettungsdienst funken. „Nur die Wasserwehr gehört nicht dazu“, beklagt Kulik. Dazu ist am 24. September ein Treffen in Tangerhütte anberaumt.