Calbe l Ein strahlendes Lächeln sendet Hana Sturalova als Braut zu ihrem Bräutigam Sebastian Dittbrenner, als sie sich am Sonnabend gegen 11.20 Uhr vor der Standesbeamtin Birgit Lind im Calbenser Rathaus das Ja-Wort geben. Die Schicksalsströmung des Lebens hat das Binnenschiffer-Pärchen zusammengeführt. Den Weg in den Hafen der Ehe haben sie erfolgreich gemeistert.

Sie im weißen Kleid mit aufgesetzten, glitzernden Stoffelementen und leicht rosafarbenem schimmernden Schleier. Er jedoch nicht im traditionellen Hochzeitsanzug, sondern in seiner royalblauen Kapitänsuniform mit den typischen vier goldenen Streifen und darüber befindlichem Stern. Der hochgewachsene Mann wollte etwas Besonderes für seine Hochzeit. Und so beeinflusst das berufliche Umfeld den bisher wohl schönsten Tag im Leben der Getrauten.

Auf einem Flusskreuzfahrtschiff auf dem Rhein haben sie sich kennengelernt. In Nachtschichten vor rund zwei Jahren begegnen sich die 32-jährige Tschechin und der vier Jahre jüngere Mann das erste Mal. Als Steuerfrau ist sie dem stellvertretenden Kapitän unterstellt. „Wir haben uns sofort gut verstanden“, erzählt der 28-jährige Calbenser. Bei ihr verblasse seine Schüchternheit.

Sebastian Dittbrenner beendet 2011 seine Matrosenausbildung und übernimmt vom Navigieren über Gästebetreuung, Reise- und Personalplanung immer mehr Verantwortung auf seinem Schiff. Dass Dittbrenner Binnenschiffer geworden ist, führt er auf die Verbundenheit zur Saalestadt und seine Kanu-Mitgliedschaft in der Jugend zurück. Dort manifestierte sich der Wunsch, auch beruflich auf Flüssen unterwegs zu sein. Hana Sturalova ist „Springerin“. Als zweite Offizierin ist sie auf den Schiffen, wo gerade Bedarf besteht. Sie sehen sich zunächst nur, wenn sie auf seinem Schiff ist.

Vor zwölf Jahren beginnt sie, als Zimmermädchen auf Schiffen zu arbeiten. Der Ehrgeiz, sich weiterzubilden, führt zu einem dreimonatigen Lehrgang nach Rotterdam. Dort erlernt sie Schiffergrundlagen. Fünf Jahre an Bord befähigen sie nun zur Steuerfrau.

Crew ist zweite Familie

Am 20. Januar 2017 schließlich gewinnen die Sympathien füreinander. Der emotionale Startschuss zum „offiziellen“ Beziehungsbeginn. Der erste Kuss fällt im Auto an einer roten Ampel. Den winterlichen Hafen nebenan. Am 27. Dezember 2017 macht er ihr den Heiratsantrag. Beim Abendessen vor der „zweiten Familie“, der Crew. Seine Angebetete sagt sofort Ja.

Das berufliche Umfeld stellt die beiden vor Herausforderungen. „Das war die Bewährungsprobe, ob es mit uns funktioniert“, erzählt er. Schließlich gehört es zu den Regeln, dass sich beide vier Wochen nonstop um den richtigen Kurs, Organisatorisches und die mehreren Tausend Gäste kümmern. Danach zwei Wochen frei. Teils haben sich diese Zeiten überschnitten. Hatte er frei und war in ihrer Wohnung in Calbe, musste sie arbeiten. Aber: Ihnen wird erlaubt, an Bord des Schiffes zu kommen, auf dem der Partner gerade arbeitet. Gemeinsame Stunden folgen in den freien Zeiten. Das ging über Monate so.

„Wir glichen Fahrpläne ab, um uns so häufig wie möglich zu sehen“, sagt sie. Heißt: Lagen ihre beiden Schiffe im Pendelbereich mit Zug, Bus oder Auto auseinander, blieben gegenseitige Besuche nicht aus. So in Strassburg. Während sein Schiff auf der deutschen Seite lag, hatte ihres auf der französischen Seite angelegt. Während tagsüber festgemacht war, fuhr sie zu ihm. Zeit für gemeinsame Unternehmungen wie Städtetour und Stunden zu Zweit.

Kompromiss

Seit August dieses Jahres konnte das Paar einen Kompromiss mit der Reederei schließen: „Wir sind phasenweise auf dem gleichen Schiff“, so Sebastian Dittbrenner. Dazu haben beide gemeinsam frei.

Vor diesen Zugeständnissen ist es leichter hinnehmbar, dass aus ihren Flitterwochen zunächst nur ein Flittertag in Berlin wird.

Zu den Visionen der Zukunft gehört neben Haus und Kind auch ein eigenes Schiff. Auf dem könnte Hana seine Steuerfrau sein.

Beide sitzen nun in einem Boot. Der Kurs ist für die Zukunft eingestellt. Sie lieben sich – und die Abwechslung im Beruf, jeden Tag an einem anderen Ort in Deutschland, Frankreich, Holland oder der Schweiz zu sein. „Das ist Freiheit“, sagt sie.

Übrigens: Der Schönebecker Shanty-Chor hat den musikalischen Empfang der getrauten Binnenschiffer am Hochzeitstag übernommen. Wie passend ...