Welsleben l Um halb sieben schrillt mein Wecker. Ich schrecke aus dem Schlaf. Die Sonne strahlt durch das Fenster und ein aufregender Sonntagvormittag liegt vor mir: Sport mit meiner Mischlingsdame Poppy. Der kleine Vierbeiner beherrscht zwar die grundlegenden Regeln, also Sitz, Platz und Bleib, ansonsten neigt sie aber eher zum Starrsinn. Ob sie bei einem Hundetraining mitmacht? Ich bin skeptisch.

Auf dem Trainingsplatz vom Hundesportverein Welsleben erwarten uns mehrere Vierbeiner, die über die Wiese toben. Der Vereinsvorsitzende Lutz Maaß begrüßt uns freundlich – den Hund natürlich zuerst, wie es sich gehört. Der Verein existiert seit dem 12. Juli 1997 immer schon in Welsleben. Das Gelände hat die Gemeinde dem Verein kostenlos gestellt. „Wir müssen es dafür pflegen und instand halten“, so Lutz Maaß. Bei 8000 Quadratmetern kein Zuckerschlecken.

Bevor es mit dem Sport losgeht, können die Fellnasen erst einmal ankommen, spielen und schnüffeln. Nach etwa einer Viertelstunde geht es los. „Alle aufstellen“, ruft Lutz Maaß den Hundehaltern zu. Etwa 12 Teilnehmer sind heute dabei. Insgesamt seien es um die 25 Mitglieder. Etwas unsicher mache ich einfach das nach, was die anderen auch tun: anleinen und in einer Reihe aufstellen. „Der Hund nach rechts“, verbessert mich Maaß. Also Seitenwechsel, weiter geht‘s. Und zwar wörtlich, denn zu Beginn wird mit den Hunden bei Fuß laufen trainiert. Gar nicht so einfach mit den vielen neuen Ein- drücken. Aber es klappt. Weitere Übungen, bei denen die Fellnasen folgen sollen, schließen daran an. Ich merke, wie die Vierbeiner immer konzentrierter werden. Auch Poppy macht erstaunlich gut mit und ich muss gestehen, dass es einen Heidenspaß macht, sich gemeinsam mit anderen um die Bindung zu seinem Tier zu kümmern. So geht es auch dem Mutter-Tochter-Gespann Sina und Jessica Dummin. „Ich bin seit sechseinhalb Jahren dabei und Mutti vier Jahre“, erzählt Jessica Dummin. Das fällt sofort auf: Die Hunde der beiden hören aufs Wort.

Nach dem Führtraining geht es an die Geräte. „Die zwei dort hinten“, Viola Stephan, Kassenwartin des Vereins, zeigt an das hintere Ende vom Trainingsplatz, „sind alte Kinderspielgeräte von der Kita in Großmühlingen. Wir haben sie, als sie dort nicht mehr gebraucht wurden, ausgebuddelt und hier für unsere Zwecke aufgebaut.“ Es finden sich jedoch hauptsächlich Geräte, die speziell zum Hundetraining gebaut wurden. So bekam der Verein etwa eine neue Wackel-brücke von der Salzlandsparkasse gefördert – ein Dankes- fest am 10. Oktober, zum internationalen Tag des Hundes, ist geplant. Ohne finanzielle Unterstützung würde es dem Verein schwerfallen, neue Geräte dieser Art anzuschaffen. „Die Sachen sind aus hochwertigem Holz, das ist teuer“, so die Kassenwartin.

Poppy balanciert und hüpft auf den verschiedenen Trainingsgeräten, auch wenn sie nicht immer das macht, was sie soll. So läuft mein Hund lieber auf einem schmalen Außenbalken, als die eigentliche Übung zu machen: über Seile steigen. „Lass sie nur, sie sucht sich den Weg, der für sie gerade funktioniert“, bestärkt Maaß mich und das Tier. Ich merke, dass ich viel unsicherer bin als die Mischlingsdame selbst. Nach der Ermutigung von Maaß klappt die Wippe im Anschluss gleich besser. „Das ist das Vertrauen und dass man gemeinsam mit dem Hund arbeitet“, winkt der Vereinsvorsitzende ab.

Vertrauen und Zusammen-halt wird in dem Verein nicht nur zwischen Mensch und Hund groß geschrieben. „Wir unterstützen uns auch außerhalb der Vereinsarbeit“, freut sich Viola Stephan. „Man hilft sich untereinander.“ So hat auch jedes Vereinsmitglied die Möglichkeit, den Platz mit einem eigenen Schlüssel jederzeit zu nutzen. Etwas, was während der Corona-Pandemie neue Relevanz erhielt.

„Es wurde zwar das ganze Jahr trainiert, dann aber alleine auf dem Platz, wegen Corona. Im Juli konnte das offizielle Training mit bis zu fünf Leuten wieder starten“, erklärt Lutz Maaß. Durch Corona konnten auch die Vereinsfeste nicht wie gewohnt stattfinden. Und davon hat der Verein einige, etwa das Sommerfest, Weihnachten und den Tag des Hundes. „Früher wurde auch noch Ostern gefeiert. Es wurden bunte Plastikbälle versteckt, die dann Kinder und Hunde gemeinsam suchen konnten. Aber das haben wir eingestellt, weil es nicht so gut angenommen wurde“, erzählt Jessica Dummin, während unsere Hunde über die Wiese tollen.

Das Training ist nach dem Parcours durch die Hindernisse und Geräte vorbei. „Etwa eine halbe bis Dreiviertelstunde kann ein Hund das konzentriert machen“, so Maaß. „Du merkst ja, dass es unruhiger wird und die Luft raus ist.“ Das stimmt: Die ersten Leinen werden gelöst und die Fellnasen beschäftigen sich untereinander. Nur Poppy macht das nicht: Sie springt auf eines der Trainingsgeräte. Ob sie nun weitermachen möchte oder nur ein Leckerchen will, kann ich nicht genau sagen. Ich frage mich nach dem Sport, welches konkrete Bestreben der Verein bei seiner Arbeit verfolgt. „Unser Ziel ist es, dass der Hund hört. Denn wer hört hat Freiheit, wer nicht hört hat keine Freiheit“, erklärt Viola Stephan. Die Freiheit gelte für Hund und Halter gleichermaßen.

Ob Poppy nach dem ersten Training besser hört, glaube ich nicht. Aber als ich gehen will, bleibt sie auf der Wiese sitzen und möchte bleiben. Das zeigt: Auch unerfahrene Hunde und ihre Halter können hier Spaß haben. Ich werde definitiv wiederkommen. Auch wenn mich mein Wecker dann wieder an einem Sonntagmorgen aus dem Schlaf reißt.