Schönebeck/Staßfurt l Das für Mensch und Tier gefährliche West-Nil-Virus (WNV) ist auch im Salzlandkreis angekommen. Erst vor kurzem wurde das Virus bei Pferden in der Nähe von Könnern festgestellt. Ein Tier musste daraufhin eingeschläfert werden. Zudem wurde im September in Deutschland erstmals bei einem Menschen eine von Mücken übertragene Infektion mit dem West-Nil-Virus nachgewiesen. Der Mann aus Leipzig litt unter einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten, ausgelöst durch einen Mückenstich.

Der Erreger wird nämlich von blutsaugenden Mücken übertragen. Dabei ist das West-Nil-Virus hierzulande eigentlich unüblich, wie Tierarzt Dietrich Horrmann aus Calbe sagt. „Durch die klimatischen Veränderungen ist das Virus aber bis nach Deutschland vorgedrungen“, so Horrmann. Ursprünglich stammt das WNV, das auch Nil-Fieber genannt wird, aus den Tropen und kommt besonders häufig in Afrika vor.

Grippeähnliche Symptome

Beim Menschen verlaufen die Infektionen meist unauffällig, so eine Mitteilung des Rober-Koch-Institutes (RKI). Jedoch entwickeln etwa 20 Prozent der Infizierten eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, die etwa drei bis sechs Tage andauert. Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen zählen zu den Symptomen. Laut RKI erkrankt rund jeder 150. Infizierte schwer. Meist handelt es sich dabei um ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Muskelschwäche, schlaffe Lähmungen, epileptische Anfälle und Veränderungen an den Hirnnerven können dabei auftreten. Zudem wurden selten Entzündungen des Herzens oder der Leber beobachtet.

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Die Behandlung des West-Nil-Fiebers verläuft smptomatisch – es gibt also keinespezielle Therapie oder einen Impfstoff. Aus diesem Grund rät die Barmer Sachsen-Anhalt zu vorbeugenden Maßnahmen, um gar nicht erst von einer Mücke gestochen zu werden. Die Barmer empfiehlt die Verwendung von Mückenspray, welches auf der Haut auftragen wird. Zudem kann ein Insektenschutz vor den Fenstern verhindern, dass die Mücken in Wohnung oder Haus geraten.

Impfungen für Pferde

Im Gegensatz zum Menschen können Pferde jedoch gegen das WNV geipmft werden. „Die Impfung ist auch der einzige wirksame Schutz. Wenn sich die Krankheit erst ausgebreitet hat, dann kann man nichts mehr machen“, sagt Tierarzt Horrmann. Die Tiere können jederzeit gegen das Virus geimpft werden. Sieben Tage nach der Injektion ist der Impfschutz aktiv. Vier bis sechs Wochen danach muss das Tier erneut geimpft werden, erklärt Horrmann. Anschließend muss die Impfung jedes Jahr aufgefrischt werden.

Infiziert sich ein ungeimpftes Pferd mit dem WNV, so könne man nur darauf hoffen, dass das Tier selbst Antikörper gegen das Virus bildet, so der Calbenser Tierarzt. In den vergangenen Tagen und Wochen hat Dietrich Horrmann zahlreiche Impfungen durchgeführt. „Ich bin froh, dass die Pferdebesitzer so schnell reagieren und ihre Tiere schützen wollen“, sagt er.

Informationen vom Tierarzt

So hat beispielsweise Sina Swaczyna vom PRE Reiterhof in Groß Börnecke auch einen Sammelimpftermin für ihre Pferde organisiert. Über das West-Nil-Virus hat sie ein Tierarzt informiert, sagt sie. Ansonsten nimmt die Züchterin es aber gelassen: „Wir werden die Tiere impfen. Mehr kann man ja ohnehin nicht machen“, so Swaczyna

Übrigens sind auch oftmals Vögel mit dem Erreger infiziert. Im vergangenen Jahr waren auch im Salzlandkreis mehrere Habichtvögel betroffen. Für Vögel ist das WNV allerdings ungefährlich, sagt Horrmann. „Das Virus ist nur für sogenannte Fehlwirte schädlich – und dazu gehören nunmal Säugetiere“, so der Tierarzt.

Etablierung des Virus

Laut dem RKI ist damit zu rechnen, dass sich das Virus in Deutschland weiter eta- bliert und es in den kommenden Jahren – insbesondere in überdurchschnittlich warmen und längeren Sommern – zu weiteren mückenübertragenen WNV-Erkrankungsfällen kommen wird – auch beim Menschen.