Schönebeck l Elke Kromnik ist sauer. Stinksauer sozusagen. „Immer wenn es warm wird, pinkeln die Badegäste hinten gegen unser Haus“, schimpft die Inhaberin des Geschäftes Kilz – Haus der Geschenke am Schönebecker Markt. Mit den „Badegästen“ meint sie vor allem Kinder und Jugendliche, die bei schönem Wetter ausgelassen vor ihrem Geschäft in den Fontänen am Markt planschen. Bis zu 70 von ihnen hat sie allein an einem einzigen warmen Tag bereits gezählt.

Das Problem: Wer sich längere Zeit an den Wasserspielen aufhält, möchte früher oder später eine Toilette aufsuchen. Und da führt die Passanten der Weg immer wieder auf den Privatparkplatz hinter das Haus von Elke Kromnik. Dort, versteckt hinter parkenden Autos, haben die Unbekannten schon so oft gegen die Wand gepinkelt, dass sich dort inzwischen ein dunkler Fleck gebildet hat. Wobei die ungebetenen Gäste dort auch immer wieder ihr großes Geschäft verrichten und der Mann von Elke Kromnik regelmäßig Kot entfernen muss. „Das ist einfach eklig“, schimpft sie.

Keine öffentliche Toiletten am Markt

Problematisch findet es Elke Kromnik daher, dass es direkt am Markt keine öffentlichen Toiletten gibt. „Als die Wasserspiele damals geplant wurden, habe ich bereits darauf hingewiesen, dass es ohne Toiletten Probleme geben könnte“, sagt sie heute. Bei der Schönebecker Stadtverwaltung sei sie mit dem Hinweis damals auf taube Ohren gestoßen. Mit Bedauern musste sie nach der Fertigstellung des Marktplatzes feststellen, dass sie Recht behalten sollte.

Inzwischen hat sie das Problem mehrfach im Rathaus vorgetragen. Doch bisher ohne Erfolg. „Die Mitarbeiter der Verwaltung sagen mir immer, dass die öffentliche Toilette am Friedensplatz bei der Volkshochschule genutzt werden könne“, sagt Elke Kromnik. Doch offenbar leisten die Badenden dieser Empfehlung der Stadtverwaltung nicht immer Folge. „Wenn die Kinder aufs Klo müssen, gehen die nun mal nicht immer bis zum Friedensplatz“, sagt sie. Zumal die Toiletten ihrer Erfahrung nach auch nicht immer sauber seien und die Öffnungszeiten begrenzt seien. So sind die öffentlichen Toiletten am Friedensplatz täglich von 7 bis 18 Uhr geöffnet.

Immer wieder würden die „Badegäste“ auch die Toilette im Eiscafé am Markt aufsuchen wollen, da sie keine Alternative. Aber da sind sie eben auch nicht willkommen, da die dortigen Toiletten nur für Gäste sind. Das kann Elke Kromnik durchaus verstehen. „Ich lass‘ ja auch nicht jeden auf meine Toilette“, sagt sie.

Als Lösung könnte sich Kromnik vorstellen, dass die Stadt zumindest im Sommer ein mobiles Dixi-Klo in der Innenstadt aufstellt. „Das funktioniert bei Veranstaltung auf dem Markt ja auch immer“, sagt sie. Allerdings müsste das Klo regelmäßig gereinigt werden. Doch die Stadt sei nicht auf den Vorschlag eingegangen. Dass möglicherweise die Händler am Markt gemeinsam ein Dixiklo finanzieren könnten, hält sie für unrealistisch. „Ich sehe nicht ein, dass wir das auch noch leisten sollen“, sagt Elke Kromnik. Da sei die Stadtverwaltung in der Pflicht, eine Lösung zu finden.

Stadt verweist auf Toiletten am Friedensplatz

Das sieht man bei der Stadtverwaltung allerdings anders. „Für private Flächen ist der Eigentümer zuständig. Private Flächen können durch die Verwaltung nicht abgesichert werden“, teilte Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz auf Nachfrage der Volksstimme mit. „Am Friedensplatz befindet sich eine öffentliche Toilette in zwei Minuten Entfernung.“ Diese sei an den Wasserspielen auch ausgeschildert. „Deshalb kommt auch eine kostenaufwändige Dixi-Toilette nicht in Betracht“, so der Stadtsprecher.

Dabei hat die Stadt sogar ähnliche Probleme. Demnach würden die Besuchertoiletten des Rathauses zu den Öffnungszeiten recht häufig von Personen genutzt werden, die keine Gäste des Hauses sind. „Leider wird nach einer Fremdnutzung oftmals eine starke Verunreinigung der Gästetoiletten festgestellt“, teilte der Stadtsprecher mit.

Dieser Zustand würde sich vermutlich noch verschlimmern, wenn die Besuchertoiletten als öffentliche Toiletten ausgewiesen werden. Dann würden sich auch die Kosten für die Reinigung erhöhen. „Die Notdurft wurde bisher im Rathaus dennoch nicht verwehrt, sondern lediglich der Hinweis gegeben, dass sich die eigentlichen öffentlichen WC-Anlagen am Friedensplatz befinden“, teilte der Stadtsprecher mit.

Mittlerweile stinkt das ganze Thema Elke Kromnik gewaltig. Wobei sich einige „Badegäste“ offenbar nicht einmal die Mühe machen, bis zur Rückseite ihres Hauses zu gehen. Anscheinend pinkeln einige von ihnen gleich direkt in die Fontänen. Denn „morgens, wenn die Wasserspiele angehen, stinkt es erst einmal eine ganze Weile nach Urin“, sagt sie.

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