Schönebeck l So schlimm die Situation in diesem Moment vor allem für die Mitarbeiter und ehrenamtlich tätigen Kräfte ist: Mit dem Insolvenzverfahren gegen den DRK-Kreisverband Schönebeck kann sich nun ein Hoffungsschimmer zeigen. Nicht nur, weil die Reißleine in einem seit Jahren schwelenden Missmanagement gezogen wurde, sondern auch, weil sich einer der besten Insolvenzverwalter Deutschlands jetzt im das Schönebecker DRK kümmert: Lucas F. Flöther. Zuletzt wurde Flöther im August des vergangenen Jahres vom Amtsgericht Charlottenburg als vorläufiger Sachwalter der Fluggesellschaft Air Berlin bestellt.

Die 76 Mitarbeiter vor Ort in Schönebeck und die rund 200 Ehrenamtlichen bewerten die gegenwärtige Situation verständlicherweise etwas differenzierter. Die Hauptamtlichen bangen um ihren Arbeitsplatz, die ehrenamtlichen Kräfte um die gewachsenen Strukturen. Viele von ihnen sehen die letzte Geschäftsführung als Hort der Misere und des Missmanagements. In den Strudel einer finanziellen Notlage geriet der Kreisverband schon vor Jahren. Wie die Volksstimme recherchierte, konnte damals gerade noch ein Insolvenzverfahren abgewendet werden, weil andere Kreisverbände des Roten Kreuzes den Schönebeckern monetäre Mittel zur Verfügung stellten.

Anfrage blieb unbeantwortet

Nun verschärfte sich die Lage, nachdem der Schönebecker Kreisverband im Ausschreibungsverfahren um den Rettungsdienst eine Niederlage erleiden musste. Damit blieben Einnahmen in Größenordnungen aus, auf der anderen Seite mussten feste Verbindlichkeiten in Größenordnungen weiter bedient werden. Eine Anfrage der Volksstimme beim letzten Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Schönebeck, Guido Jurczyk blieb unbeantwortet; stattdessen meldete sich der DRK-Landesgeschäftsführer, Carlhans Uhle, zum Gespräch bei der Volksstimme. „Um es einfach zu sagen: Der Kreisverband hat es in der Vergangenheit nicht geschafft, effektive Strukturen aufzubauen“, erklärte der Landeschef.

Die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen wurden und werden auch weiter in den nächsten Tagen vollumfassend vom DRK-Landesverband und von der von der zuständigen Richterin beauftragten Insolvenzverwaltungsgruppe informiert. „Der erste und wichtige Schritt war, dass wir für die hauptamtlichen DRK-Angestellten für die nächsten drei Monate das Insolvenzgeld sichern konnten“, so Carlhans Uhle. Damit kann der Geschäftsbetrieb des Kreisverbandes weiterhin ohne Einschränkungen fortgeführt werden.

Auf Wunsch des DRK-Landesverbandes soll der Insolvenzverwalter nun versuchen, den Kreisverband als ganzes zu erhalten und neu auf dem Markt ausrichten. „Dafür halte ich Lucas F. Flöther als den besten Mann“, betont Uhle vom Landesverband. Die Kanzlei ist bereits in Schönebeck tätig geworden. Noch am Donnerstag habe Insolvenzverwalter Flöther unter anderem geprüft, welche Optionen zur Sanierung des DRK-Kreisverbandes zur Verfügung stehen. „Für die durch das DRK betreuten Menschen hat der Insolvenzantrag zunächst keinerlei Auswirkungen“, betonte Flöther. „Alle Pflege-, Fahrdienst- und Sozialleistungen werden ohne Unterbrechung in vollem Umfang erbracht.“ In den nächsten Tagen und Wochen wird sich der vorläufige Insolvenz- verwalter ein genaues Bild von der wirtschaftlichen Lage machen und die zur Verfügung stehenden Sanierungsoptionen prüfen. „Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, so Flöther weiter.

Flöther führt erste Gespräche

Welche Sanierungswege letztlich für das Schönebecker DRK infrage kommen, wird sich noch zeigen. Parallel will Lucas F. Flöther erste Gespräche mit den wichtigsten Auftraggebern, Gläubigern und Lieferanten aufnehmen.

Der Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Schönebeck ist ein anerkannter Verband der Freien Wohlfahrtspflege. Seit 1990 betreut der Verein Menschen in der Tagespflege, bietet Betroffenen Unterstützung in einer Sozialstation an und kümmert sich um den Fahrdienste für die kassenärztliche Vereinigung, den Katastrophenschutz, die Wasserwacht, die Hundestaffel sowie den Schülerverkehr.

Wie Landesgeschäftsführer Carlhans Uhle weiter berichtete, ist es nicht das erste Mal, dass ein DRK-Kreisverband in Sachsen-Anhalt Insolvenz anmelden musste. Zurückliegend betraf das schon den Verein in Dessau. Das Insolvenzverfahren dort zieht sich aber noch und ist bisher nicht abgeschlossen.