Schönebeck l Unter dem Namen "marcel_ink89" präsentiert sich Marcel Schmidt aus Schönebeck im Salzlandkreis in selbstbewussten Posen und stylischen Outfits. Sein Faible: schwarz, weiß und graue Farben. Perfekt gestylte Haare, eine dunkle, runde Sonnenbrille. An vielen Stellen zieren Tattowierungen seinen Körper. Marcel ist ein echter Hingucker - und das finden mehr 72.000 Abonnenten bei Instagram offensichtlich auch.

Der Schönebecker ist kein Unbekannter. Mit einem sogenannten "Zettel"-Video, das bei Facebook "viral" ging, macht er erstmals auf sich aufmerksam. Seinen Angaben nach wurde das Video sieben Millionen Mal angesehen, es gab mehrere Zentausend Likes. Marcel fand Gefallen daran.

Aber hinter der künstlerischen Fassade steckt eine ganz andere Person. "Wenn man meine Vorgeschichte kennt, würde man nicht denken, dass ich sowas überhaupt mache", erzählt er aber im Gespräch. Jetzt kaum vorstellbar, sei er in seiner Kindheit und Jugend eher der Typ "Nerd" gewesen. Ein Alleingänger, keine Freunde, viele Computerspiele. Ein Junge, der nichts aus sich machen würde, hieß es wohl damals. Das nagte natürlich an seinem Selbstwertgefühl.

Bilder

Mutter steht hinter der Kamera

Sich im Netz zu verwirklichen, gab ihm mehr Selbstbewusstein. Der Rest kam von allein. Er fand Gefallen an der Fotografie, stand selbst hinter und vor der Kamera und setzte nicht nur die Körperkunst der anderen sondern auch die eigene in Szene. Ein Freund riet ihm vor etwa drei Jahren zu Instagram. Viel braucht es seitdem für den Erfolg nicht - nur Mutti. Die steht nämlich oft hinter der Kamera. Sie habe einfach den Blick dafür und könne seine Vorstellungen am besten umsetzen, erzählt er.

In den Jahren hat sich bei Instagram viel verändert. Mittlerweile würde Marcel Schmidt die beliebte Foto-Plattform schon als harte "Szene" bezeichnen. "Um da mitzuspielen, musst du schon einiges tun", erklärt der 31-Jährige aus dem Leben eines "Creators". Influencer oder Blogger will er sich nicht nennen. Er sei eine Person des öffentlichen Lebens. Sich dort in Szene setzen, mache mittlerweile jeder, daher sei der Begriff des Influencers, also jemand, der vereinfacht gesagt anderen ein Leben vorlebt, nicht passend für ihn. Vermarkten will er sich nicht. Auf die Frage, warum er auf den Fotos kein Gucci trage, antworte er: "Du kannst dir ein Outfit für 6000 Euro zusammenstellen, brauchst aber auch bloß 100 Euro ausgeben. Die Marke ist doch egal."

Marcel kooperiert über Instagram mit Firmen, arbeitet mit ihnen zusammen. Dabei entstünden auch lukrative Angebote, eine Reise nach Lettland inklusive Flug, gab es für ihn schon. Aber für den 31-Jährigen soll die Inszenierung im Internet ein Hobby bleiben. Leben will er davon nicht müssen.

Auf der Straße erkannt

Muss er als stellvertretender Fialialeiter einer Discounter-Kette in Schönebeck auch nicht. Seine Follower erkennen ihn mittlerweile nicht nur am Arbeitsplatz, sondern sogar auf der Straße. "Manchmal schreiben sie mir, sie hätten mich gesehen aber sich nicht getraut, Tag zu sagen", erzählt Marcel. Jeden Tag Fotos ins System zu laden, ist trotzdem nichts für ihn. Sein Privatleben soll nicht darunter leiden.

Denn Instagram hat auch seine Tücken. "Das Internet ist gut, aber es kann auch gefährlich sein", sagt Marcel. Man müsse aufpassen, das man den Bezug zum realen Leben nicht verliere. Im Rahmen des "Digi-Day" geht er an Schulen und kommt mit Lehrern und Schülern ins Gespräch, klärt unter anderem über die Gefahren im Netz auf. Auch Pädophilie im Netzwerk ist ein immer wichtigeres Thema: "Instagram ist die heile, liebe Welt und Kinder können oftmals gar nicht unterscheiden, warum manche Menschen vielleicht besonders nett zu ihnen sind."

Sonst schätzt der 31-Jährige, der sich eigentlich nicht stylisch sondern "stink-normal" findet, aber die Vorzüge. Darunter zum Beispiel Einladungen zur "Fashion Week". Die Instagram-Community würde Marcel schon als "Sekte" bezeichnen. Manche Instagrammer würden sich extra treffen, um Reichweiten zu generieren. Auch das ist nichts für Marcel, er setzt andere Schwerpunkte. Zum Beispiel Zwischenmenschlichkeit.

Einige Verbindungen im Netzwerk müssen nicht digital bleiben und nur geschäftlicher Natur sein. Über die Zeit können auch Freundschaften entstehen. Zum 31. Geburtstag hatte er einige seiner "Instagram-Kollegen" eingeladen. Aus Mannheim, Köln, Hamburg - alle kamen nach Schönebeck. "Mir sind nicht nur Likes wichtig, sondern auch, ob die Menschen halt wirklich so sind, wie sie sich geben."

Auch wenn er sein Hobby auf Instagram vielleicht anders betreibt, gibt ihm das offenbar auch den Erfolg. Oder was braucht ein guter Instagram-Account, um erfolgreich zu sein? "Eine eigene Community muss sich so entwicklen, wie ein Freundeskreis." Und man sollte natürlich gern in der Öffentlichkeit stehen und von Leuten auch angesprochen werden. Marcel Schmidt tut das und würde am liebsten jeden Tag neue Menschen kennenlernen, erzählt er. Das war vor Jahren wohl noch undenkbar.

 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von StreetStyle\Fashion\Menswear (@marcel_ink89) am Jun 8, 2020 um 10:15 PDT