Schönebeck l Bilal Alsibai lächeln zu sehen, macht gute Laune. Der 24-Jährige gehört zu der noch relativ kleinen Gruppe von Zuwanderern aus Syrien, deren Integration als geglückt gelten darf. Auf jeden Fall ist sein Eingebundensein in die deutsche Gesellschaft auf einem guten Weg. Der junge Mann aus der vom Bürgerkrieg schwer zerstörten Stadt Homs hat in Schönebeck einen Arbeitsplatz gefunden, einen richtigen wohlgemerkt, also sozialversicherungspflichtig. Arbeitgeber ist die Prozessentwicklung Schönebeck GmbH & Co. KG mit Sitz im Grundweg der Elbestadt.

Bilal, wie ihn hier alle nennen, ist nicht nur für seinen Chef Jens-Uwe Steinberg ein Idealfall. Auch für Anja Huth, Chefin der Agentur für Arbeit in Bernburg und für Thomas Holz, Betriebsleiter des Jobcenters Salzlandkreis, steht der Syrer als gutes Beispiel einer gewollten Entwicklung, nämlich die berufliche Integration von Flüchtlingen in den hiesigen Arbeitsmarkt. Und die kann gelingen, meinen Huth und Holz und verabredeten sich zu einem gemeinsamen Besuch in der Schönebecker Firma.

"Wir suchen Leute"

„Wir suchen Leute“, sagt Firmenchef Jens-Uwe Steinberg bei der Begrüßungsrunde. In seinem Schönebecker Schweißfachbetrieb arbeiten aktuell acht Beschäftigte. Ihre Aufgaben sind vielfältig. Es wird entwickelt, es wird produziert: Leitungen, Ventilsteuerungen und Achshalter für Schienenfahrzeuge etwa, auch Steuerungsteile für die Automobilindustrie, zudem Trägersysteme und Halterungen, auch ganz profane Zäune und Treppen für Ottonormalbürger. Bearbeitet werden Werkstoffe wie Stahl, Edelstahl und Aluminium. Die Facharbeiter müssen fit sein im E-Schweißen (Elektroden-Schweißen), Gasschweißen, Metallschutzgasschweißen, Wolfram-Inertgasschweißen, Brennschneiden und Löten. Wer hier arbeitet, muss mit schwerem Stahl (sogenannter schwarzer Bereich) umgehen können, aber auch filigrane Aufgaben umsetzen.

Das Fachliche hat sich Bilal rasch angeeignet. Was nicht unbedingt verwundern muss, schließlich ist die Prozessentwicklung Schönebeck GmbH ein zertifizierter Bildungsträger nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung (AZAV). Drei Ausbilder weiß Steinberg in seinen Reihen, hinzu kommen zwei spezialisierte Fachleute für Schweißverfahren.

Beim Schweißen, betont der Firmenchef, komme es auf eine geschickte Handhabung von Werkzeug und Material an, auf ein Gespür, ein Händchen - das entsprechende Wissen um die Materielbearbeitung einmal vorausgesetzt. Diesbezüglich ist er mit Bilal Alsibai zufrieden. „Das macht er gut“, sagt Steinberg. Verbesserungswürdig sind hingegen die Deutschkenntnisse seines neuen Mitarbeiters. Da Bilal als Arbeitnehmer aus dem Leistungszuschuss von Jobcenter und Arbeitsagentur heraus ist, wird ihm kein Integrations- oder Sprachkurs mehr angeboten.

Bilal Alsibai ist einer von insgesamt 21 Menschen aus dem Bereich des Jobcenters Salzlandkreis, die im vergangenen Jahr eine sozialversicherungspflichtige Arbeit gefunden haben, elf waren es im Altkreis Schönebeck. Das klingt erst einmal wenig, aber mit einer erfolgreichen Integration in die Gesellschaft wird in Kreisen der Arbeitsagentur nicht vor fünf Jahren nach Ankunft eines Flüchtlings in Deutschland gerechnet, eher mehr Jahre.

Fachliche Vorkenntnisse halfen

Bilal, der 2015 als Alleinreisender kam, hat es in knapp eineinhalb Jahren geschafft, entsprechende fachliche Vorkenntnisse halfen, aber auch engagierte Einheimische in Jobcenter, Arbeitsagentur und Arbeitgeberschaft. In Schönebeck hat sich auch der Wirtschaftsrat, besetzt mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft, die schnelle berufliche Integration von Flüchtlingen auf die Fahnen geschrieben. Beim Firmenbesuch dabei ist deshalb auch Sigrid Meyer vom Wirtschaftsrat der Elbestadt.

Jens-Uwe Steinberg geht davon aus, dass Bilal, dessen Familienangehörige in Köln und Amsterdam leben, im Großraum Magdeburg und vor allem im Schönebecker Betrieb bleibt. Der junge Syrer beantwortet die Frage danach mit einem klaren „ja“. Steinberg ist sich sicher, seinen Teil für ein gutes Arbeitsplatzklima zu schaffen. So hat er eine hochmoderne Luftabsaugeinrichtung installiert, die für eine Luftreinheit von sage und schreibe 98 Prozent sorgt. Das bedeutet, in der Produktionshalle riecht es nach frischer Luft anstatt nach Emissionen aus der Metallverarbeitung. „Außerdem bezahle ich überdurchschnittlich“, sagt der Geschäftsführer, der auch Inhaber ist und in Genthin eine DVS-Kursstätte zur Schweißerausbildung leitet (DVS steht für: Deutscher Verband für Schweissen und verwandte Verfahren e. V.).