Volksstimme: Lassen Sie uns in die Zukunft reisen. Wie sieht Schönebeck in zehn Jahren aus?
Michael Gremmes: Ich hoffe sehr, dass bis dahin wesentliche Projektbausteine des Stadtentwicklungskonzeptes (INSEK) Schönebeck 2030, das am 7. November 2017 vom Schönebecker Stadtrat beschlossen wurde, umgesetzt wurden. Eine Glaskugel habe ich leider nicht. Aber als realistische Ziele sehe ich die weitere Beseitigung des Leerstandes – vor allem in der Altstadt. Auch die Lückenschließung vom abgerissenen Markt 2 (hier soll im Rahmen der Zentralisierung der Verwaltung ein barrierefreier Rathausanbau erfolgen) und die moderne und bauliche Umgestaltung des Breiteweges halte ich in dem Zeitraum für umsetzbar. Doch man muss hier auch immer den demografischen Wandel und die Rahmenbedingungen unserer Haushaltskonsolidierung berücksichtigen.

Wie könnte eine Umgestaltung vom Breiteweg aussehen? Warum ist die Straße für das Stadtbild so wichtig?
Der Breiteweg gehört zu den ältesten Straßen der Altstadt und ist ein unverwechselbarer Bestandteil des historischen Stadtgrundrisses. Er verbindet die Achse Salzer Straße – Salztor – Markt/Elbstraße – Salzblumenplatz – mit dem östlichen Bereich der Altstadt: Jakobikirche – Barbyer Tor – Cokturhof – Burgstraße. Das Projekt sieht eine Ausgestaltung des Straßenraumes vor, bei der die Barrierefreiheit berücksichtigt wird. Ebenso soll sie der Anbindung an den Marktplatz sowie der angrenzenden Stadtquartiere dienen. Hierbei werden die Bereiche für alle Verkehrsteilnehmer sowie den ruhenden Verkehr neu gegliedert. Die Grünfläche vor der St. Jakobikirche soll zudem neu gestaltet werden.

Wo sehen Sie Schönebecks größtes Potenzial?
Im Bereich entlang der Elbe. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Umgestaltung der Salineinsel. Doch das Elbufer hat in Schönebeck noch weiteres Potenzial und bietet Raum für neue Nutzung. Es gibt hier noch viele Bereiche – etwa den Rübenverladeplatz oder die Speicheranlage bei Frohse – die genutzt werden könnten. Hier ist die Stadt schon seit längerem im Gespräch mit den privaten Eigentümern.

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Und wenn wir nach Ostelbien blicken? Wo sehen Sie hier Chancen?
Der Steinhafen in Pretzien wird bereits touristisch genutzt und birgt weitere Entwicklungspotenziale. Das Gleiche gilt für das Naherholungsgebiet Plötzky-Pretzien. Hier soll die Zugänglichkeit zu den Seen für Besucher – aber auch für Bewohner – verbessert werden. Potenzial gibt es generell auch noch, was die Vernetzung von Ostelbien an die Kernstadt angeht. Und natürlich müssen auch hier Lösungen gegen den Bevölkerungsrückgang gefunden werden. Der Erhalt der Ortskerne steht hier also ebenfalls im Mittelpunkt.

Wenn man die Gebäude am Elbufer betrachtet, geht vieles auf privates Engagement zurück ...
Ja, das ist sehr lobenswert. Viele Gebäude im gesamten Umfeld von Elbtor und Salzblumenplatz wurden durch private Eigentümer saniert. Da gibt es jetzt Cafés, Restaurants, Büros und Praxen statt Leerstand. Das ist bemerkenswert, was da an Kraft und Geld investiert wurde. Das sehen wir auch als Symbiose. Denn durch Umgestaltungen – beispielsweise des Marktplatzes – zeigen wir den Bürgern: Hier lohnt es sich, zu bleiben. Und die wiederum sehen es dann als lohnenswert an, an dem Standort zu sanieren.

Sie sprachen jetzt bereits mehrfach den Leerstand an. Wo ist der denn in Schönebeck am größten?
Viele Plattenbauten wurden durch die Städtische Wohnungsbau GmbH Schönebeck (SWB), die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) und die Gemeinnützige Schönebecker Wohnungsbaugenossenschaft eG. erfolgreich zurückgebaut – oder abgerissen. Problematisch sind da eher die Altbauten im privaten Eigentum – egal ob leerstehende Mehrfamilienhäuser oder kleinere Objekte. Ich denke hier vor allem an Bereiche in der Republikstraße oder auch in der Geschwister-Scholl-Straße.

In Salze gibt es das Problem ja eher nicht...
Nein, als wir hier 1992 bis 2010 aufwendig saniert haben, war es noch deutlich einfacher, Fördermittel zu bekommen. Damals haben wir eine Gesamtsumme für das Sanierungsgebiet bekommen, aus der wir dann schöpfen konnten. Heute gestaltet sich das als schwieriger. Da muss man für jedes Projekt gesondert eine Fördersumme beantragen. Und bis zur Bewilligung braucht man oft einen großen Vorlauf.

Wo sehen Sie generell die größte Hürde für Schönebeck?
Leider sind wir hier beim unliebsamen Thema Finanzausstattung... Wir müssen die Unterhaltung unserer Infrastruktur sicherstellen, wollen uns aber gleichzeitig weiterentwickeln und attraktive Angebote unterbreiten. Das ist angesichts der Haushaltskonsolidierung ein großes Dilemma.

Sie haben schon Bad Salzelmen als Beispiel für eine gute Entwicklung genannt. Was hat sich Ihrer Meinung nach noch positiv in der Stadt entwickelt?
All die Bereiche, für die wir Fördermittel zur Verfügung hatten. Ich denke da an die Dorfentwicklung im ländlichen Raum. So haben sich Elbenau, Frohse, Felgeleben und Plötzky spürbar positiv entwickelt. Ich denke da aber auch an das ehemalige Gummiwerk Schönebeck. Auf der Fläche steht jetzt teilweise das Fachmarktzentrum in der Schillerstraße, auf der anderen Seite baut die SWB den Schillergarten mit einer 24-Stunden-Kita. Positiv hat sich auch der Bereich Dr.-Martin-Luther-Straße/Ecke Krausestraße/Malzmühlenfeld entwickelt. Hier haben die Schönebecker Wohnungsunternehmen im Rahmen des Stadtumbaus durch Neubau und Sanierung positive Veränderungen für das Stadtbild vorgenommen.

Und der Marktplatz hat jüngst den Stadtumbau-Award gewonnen. Für Sie sicherlich eine Bestätigung?
Der Award ist für uns im Baudezernat in der Tat sehr positiv, schließlich betrifft er unsere direkte Arbeit. Hier möchte ich mich bei allen Projektbeteiligten, Anwohnern und der Händlerschaft insbesondere aber bei den Stadträten bedanken. Schließlich haben sie damals die mutige stadtentwicklungspolitische Entscheidung getroffen. Denn das „Verkehrskonzept“ ist und bleibt eine tägliche Übung des gleichberechtigten und fairen Umgangs miteinander. Mittlerweile bekommen wir für unser Konzept auch Nachfragen aus Fachkreisen und benachbarten Kommunen. Das ist natürlich ein interessanter Austausch.

Sprechen wir über den Bereich Bahnhof/Busbahnhof. Am Busbahnhof soll ja auch einiges passieren ...
Ja. Über eine mögliche Verlängerung des Bahnhofstunnels gibt es schon seit längerem Gespräche. Sobald die Deutsche Bahn in den nächsten Jahren die Sanierung des Schönebecker Bahnhofes angeht, wird dieses Projekt hoffentlich auch in Angriff genommen werden können. Darüber hat aber noch der Stadtrat abschließend zu entscheiden. Der Tunnel könnte dann barrierefrei direkt an die Söker Straße führen – und somit zum heutigen Busbahnhof. Dieses Areal soll sich zukünftig zu einem zentralen Altstadtplatz entwickeln. Mit einem möglichen Kombibad und mit einem großen Festplatz, Park and Ride für Pendler und dem Busbahnhof als wichtiger Schnittstelle zur Deutschen Bahn. Mit dem Projekt würden wir eine Vielzahl von Nutzergruppen ansprechen, die diesen Stadtraum dann wieder mit Leben erfüllen können. Hier sehe ich definitiv eine weitere große Chance für die Stadtentwicklung Schönebecks im Sinne ihrer Bürgerinnen und Bürger.

Alle Teile der Serie "Zukunft Schönebeck" gibt es im Dossier nachzulesen.